Fledermausfreundliches Haus: Herringhausener erhält vom BUND Plakette
„Fledi“ fliegt in die Freiheit

Herford (WB). Fledermäuse sind nicht überall willkommen, bei Fritz Düsdieker in Herford-Herringhausen umso mehr. Dafür hat er die erste Ehrenplakette des BUND verliehen bekommen. Und mit Zwergfledermaus „Fledi“ außerdem einen weiteren Mitbewohner gewonnen. Das Jungtier ist bei ihm nach einem Monat Pflege ausgewildert worden.

Mittwoch, 12.08.2020, 14:32 Uhr aktualisiert: 12.08.2020, 15:48 Uhr
Es ist der schönste Moment für Fledermaus-Pflegerin Sylvia Sohlau: Wenn sie ihre Schützlinge ganz vorsichtig – wie hier vom Baumstumpf – zurück in die Freiheit entlässt. Foto: Jane Escher
Es ist der schönste Moment für Fledermaus-Pflegerin Sylvia Sohlau: Wenn sie ihre Schützlinge ganz vorsichtig – wie hier vom Baumstumpf – zurück in die Freiheit entlässt. Foto: Jane Escher

„Das Schönste ist, sie nach der Pflege wieder so fliegen zu sehen“, erklärt Sylvia Sohlau, während sie die Zwergfledermaus beobachtet, die mit kräftigen Flügelschlägen die Gegend erkundet. Mehrere Wochen ist das Junge von der Bundesfreiwilligendienstlerin des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) unter anderem im eigenen Heim wieder aufgepäppelt worden. „Es gibt zwar auch eine Pflegestation bei uns, aber die Jungtiere müssen viermal täglich gefüttert werden. Da ist es einfacher, sie auch mit nach Hause zu nehmen“, erklärt Sohlau.

Kinder vergeben Namen „Fledi“

Die Fledermaus trägt den Namen „Fledi“. Die Kinder, die sie Anfang Juli vor ihrem Kindergarten in Herringhausen gefunden haben, tauften das Tier so. Bei der Kita wurde richtig reagiert und nach dem Fund sofort der BUND angerufen. Noch am selben Abend haben Mitarbeiter versucht, „Fledi“ wieder auszuwildern. Aber nach mehreren gescheiterten Startversuchen war klar: Noch schafft „Fledi“ es nicht. Zum Glück brauchte es nur ein bisschen Pflege und ein paar Flugstunden im Wohnzimmer damit die Zwergfledermaus wieder fit und flugsicher werden konnte – wie sie bei der Auswilderung zeigte.

Jörg und Fritz Düsdieker werden die Ehrenplakette „Fledermaus willkommen“, die ihnen vom BUND verliehen wurde, so schnell wie möglich am Haus anbringen. Sylvia Sohlau vom BUND überreichte Fritz Düsdieker außerdem noch einen Fledermausdetektor.

Jörg und Fritz Düsdieker werden die Ehrenplakette „Fledermaus willkommen“, die ihnen vom BUND verliehen wurde, so schnell wie möglich am Haus anbringen. Sylvia Sohlau vom BUND überreichte Fritz Düsdieker außerdem noch einen Fledermausdetektor.

Schon zehn Jungtiere hat Sylvia Sohlau in diesem Jahr wieder fliegen lassen, nachdem sie von aufmerksamen Passanten gefunden worden waren. Wie „Fledi“ sind sie häufig nicht verletzt, nur dehydriert oder erschöpft. Jungtieren passiert das an heißen Tagen häufiger.

Zwergfledermäuse schlüpfen im Juni und werden von einer Gruppe von 30 bis 80 Weibchen in einer sogenannten Wochenstube großgezogen. Das sind Quartiere, die sich Fledermäuse zum Beispiel hinter der Holzverkleidung an Fritz Düsdiekers Haus suchen. „Im ersten Jahr waren es zur Brutzeit um die 160 Tiere, die an unserem Haus gewohnt haben“, berichten Fritz Düsdieker und sein Sohn Jörg. In diesem Jahr zählten sie bis zu 60.

Mehr Quartiere gesucht

Wer tagsüber nach oben schaut, würde nicht vermuten, dass dort im Sommer so viele Untermieter beheimatet sind – und das seit sechs Jahren. „Natürlich durften sie bleiben. Ich finde das interessant und sie stören ja auch nicht“, meint Düsdieker, der seine Untermieter in der Abenddämmerung gerne beobachtet. Leider gebe es fledermausfreundliche Häuser immer seltener, hat der BUND beobachtet. Bauarten, die die Unterschlüpfe begünstigen, seien nicht mehr modern. Bei Renovierungen werden sie ersetzt, bei Neubauten nicht vorgesehen. „Wir würden uns wünschen, dass die Fledermäuse mehr Aufmerksamkeit bekommen. Damit es wieder mehr Quartiere für sie gibt und die bestehenden erhalten bleiben“, sagt Peter Franzeck vom BUND.

Fledermausfreundliche Häuser

Um das zu erreichen, startet die Regionalgruppe OWL des BUND eine neue Initiative: Plaketten für fledermausfreundliche Häuser. Alle Besitzer, die bereits Fledermäuse beherbergen oder bereit sind, zum Beispiel einen Fledermauskasten anzubringen, können sich für die Auszeichnung bewerben. „Wir machen das, um die Fledermäuse in den Fokus zu rücken, aber auch um die männliche oder weiblichen Hausbesitzer zu würdigen. Die Duldung ist nicht selbstverständlich“, erklärt Franzeck. Familie Düsdieker ist die erste, die sich über die Auszeichnung und einen Fledermausdetektor freuen darf. Der BUND hofft, dass ihnen noch viele weitere folgen werden.

Wer glaubt ein Fledermausquartier an seinem Haus zu haben, kann sich unter bund.herford@bund.net melden und für eine Plakette bewerben. Wer eine verletzte oder kranke Fledermaus findet, der erreicht den BUND unter fledermausschutz@bund.net oder auch unter 0170/7619035.

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