Freie Scholle aus Bielefeld könnte zum Modell einer Siedlung in Elverdissen werden
Aus dem Kolleg wird ein Dorfkern

Herford (HK). Seit der ersten urkundlichen Erwähnung einer Bauernschaft in Elverdissen vor 1046 Jahren wird es dort etliche Workshops zur Dorfentwicklung gegeben haben, auch wenn die im Mittelalter noch anders hießen. Doch die jüngste in der Aula des Anna-Siemsen-Berufskollegs zeigte zum ersten Mal eine ganz konkrete Vision auf, was aus dem Stadtteil zwischen Herford und Bielefeld einmal werden könnte.

Donnerstag, 13.08.2020, 05:35 Uhr aktualisiert: 13.08.2020, 05:40 Uhr
Das noch zwei Jahre vom Kreis genutzte Anna-Siemsen-Berufskolleg (ehemalige Hauptschule) in Elverdissen könnte abgerissen, die Fläche zum Kern einer Mehrgenerationen-Wohnsiedlung werden. Dieses Projekt soll in den kommenden fünf Jahren mit den Bürgern des Stadtteils abgestimmt werden. Foto: Stephan Rechlin
Das noch zwei Jahre vom Kreis genutzte Anna-Siemsen-Berufskolleg (ehemalige Hauptschule) in Elverdissen könnte abgerissen, die Fläche zum Kern einer Mehrgenerationen-Wohnsiedlung werden. Dieses Projekt soll in den kommenden fünf Jahren mit den Bürgern des Stadtteils abgestimmt werden. Foto: Stephan Rechlin

Auf insgesamt 44.000 Quadratmetern gestaltbarer Fläche könnte dort eine Mehrgenerationen-Wohnsiedlung nach Vorbild der Freien Scholle an der Meinolfstraße in Bielefeld entstehen. Auf Initiative von Bürgermeister Tim Kähler erläuterte Thomas Möller von der Baugenossenschaft die Ursprungsidee der freien Scholle und welche Erfahrungen seit dem Bau der ersten Wohnungen gesammelt wurden. Der Clou: „Unabhängig der baurechtlichen Prüfung wurde ein Planungsbüro eingerichtet, das mit jedem betroffenen und interessierten Nachbarn das Projekt bis in Details hinein abstimmte.“ Mehrgenerationen-Café, Jugendtreff, Nähgruppen, Sozialbetreuung, Spiel- und Sportmöglichkeiten – unter dem Dach einer Mehrgenerationen-Siedlung lassen sich viele der von Moderatorin Dr. Anette Klinkert in vorausgegangenen Versammlungen gesammelten Ideen und Stichworte zusammenfassen: „Die neue Siedlung hat das Zeug zu einem Ortskern.“

Fünf Jahre

Herfords Baudezernent Dr. Peter Böhm ist angetan von der Idee, weil damit Projektentwickler und Investor ein- und derselbe Ansprechpartner wären. Mit ihm sei ein Bebauungsplan leichter abzustimmen – und auf den werde Böhm keinesfalls verzichten, schon um späteren Streit um Details auszuschließen. Zu der Gesamtfläche der neuen Siedlung zählen 20.000 Quadratmeter derzeit bewirtschaftete Ackerfläche, die von der Stadt noch zu kaufen seien: „Der Vertrag steht, doch es gibt noch keinen Notartermin.“ Auf den übrigen 24.000 Quadratmeter steht jetzt noch das Anna-Siemsen-Berufskolleg, das bis Ende 2022 vom Kreis Herford genutzt und danach aller Voraussicht nach abgerissen werden soll. Die Umsetzungszeit des gesamten Projektes schätzte Böhm auf fünf Jahre.

Name, Adresse, Nummer

Die mit Namen, Adresse und Sitzplatznummer registrierten 64 Workshop-Teilnehmer fragten unter anderem, ob auch Eigentum erworben werden könne (im Genossenschaftsmodell nicht) und wer die Rendite einstreiche. Möller: „Als Genossenschaftsmitglieder könnten die Bewohner selbst an der Siedlung mitverdienen. Ein Teil der Rendite ist in die Infrastruktur zu investieren, zum Beispiel die Grünflächenpflege und die Sozial- und Wohnberatung.“

Kommunalpolitisch erfahrene Workshop-Teilnehmer wie Oliver Galling (CDU), Wolfgang Tiekötter (SPD) und Herbert Even (Grüne) fragten nach künftigen Wohnmieten (in Bielefeld liegen sie zwischen 5,50 und 7,50 Euro je Quadratmeter), nach den Plänen mit der von Vereinen genutzten Turnhalle (erst Substanzprüfung, dann wahrscheinlich Abriss und Neubau an neuer Stelle) und nach dem Fußballplatz (bleibt erhalten).

An die Ortsränder denken

Eine Anwohnerin mahnte, die Menschen an den Ortsrändern nicht zu vergessen: „Die ÖPNV-Anbindung nach Bielefeld ist eine Katastrophe. Und das in einer Schlafstadt wie Elverdissen.“

Bürgermeister Kähler räumte ein, dass die in anderen Oberzen-tren längst vollzogene Anbindung von Nachbarstädten in Ostwestfalen „verpennt“ worden sei. Der Anschluss des Bustransfers an die Abfahrtzeiten an den Straßenbahnhaltestellen in Altenhagen und Milse sei darum eine wichtige Aufgabe künftiger Quartiersentwicklung.

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