Stedefreunder sehen Gefahr für Naturschutzgebiet
Was bedeutet Quelle für die Neubaupläne?

Herford (WB). Die im alten Mühlenteich gefundenen Edelkrebse haben die Diskussion um das geplante Neubaugebiet in Stedefreund wieder angeheizt. Jetzt wollen in der Bürgerinitiative „Die Stedefreunder“ zusammengeschlossene Anwohner ein ihrer Ansicht nach mögliches weiteres Hindernis für das Großprojekt mit bis zu 75 Wohneinheiten entdeckt haben: eine Quelle im angrenzenden Naturschutzgebiet Jammertal. „Die taucht bislang in der Planung überhaupt nicht auf“, kritisiert Ernst Herold, Mitbegründer der Bürgerinitiative.

Donnerstag, 13.08.2020, 06:00 Uhr
Ernst Herold zeigt die Quelle im Naturschutzgebiet Jammertal. Wenige Meter entfernt soll das Rückhaltebecken entstehen. Foto: Bexte
Ernst Herold zeigt die Quelle im Naturschutzgebiet Jammertal. Wenige Meter entfernt soll das Rückhaltebecken entstehen. Foto: Bexte

Nur wenige Meter vom Standort des geplanten Regenrückhaltebeckens, welches Oberflächenwasser aus dem Neubaugebiet aufnehmen soll, tritt in einem Wäldchen östlich der Stedefreunder Straße ein kleines Rinnsal aus der Erde. Vor Jahrzehnten ist die Austrittsstelle mit Mauersteinen bereits befestigt worden. Anwohner berichten, dass sie dort schon als Kinder gespielt und das saubere und frische Wasser getrunken hätten. „Die Quelle müsste also bekannt sein, aber bei der Planung scheint das niemanden zu interessieren“, schüttelt Herold den Kopf.

Etwa 20 Meter weiter mündet das Quellwasser in den Lubbenbach, der sich kurz darauf mit der Holtbeke vereint. Auf einer abschüssigen Wiese oberhalb des Lubbenbachs soll das Rückhaltebecken entstehen.

„Bei Starkregen überschwemmt der Lubbenbach bereits jetzt den Quellbereich“, sagt Herold. Wenn in solchen Fällen künftig das im Rückhaltebecken aufgefangene Wasser des Neubaugebietes in Lubbenbach und Holtbeke eingeleitet werde, könnte dem Naturschutzgebiet ein Schaden drohen. „Denn in dem Oberflächenwasser sind ja Schadstoffe, vom Reifenabrieb über Streusalz bis hin zu Ölresten.“

Gefährdete Arten vor Ort?

Laut Bundesnaturschutzgesetz zählen Quellbereiche zu den besonders geschützten Biotopen. Zudem hätten Anwohner im Quellbereich bereits vor Jahren Exemplare der Wasserspinne entdeckt, sagt Herold. Der Bestand dieser einzigen Spinnenart, die unter Wasser lebt, ist in heimischen Breitengraden so stark rückläufig, dass sie auf der Roten Liste in der Kategorie „stark gefährdet“ erscheint.

Aber warum spielt die Quelle bei den Planungen zum Neubaugebiet bislang offenbar keine Rolle? „Vielleicht liegt es daran, dass sie auf Bielefelder Gebiet liegt.“ Tatsächlich gehört das kleine Wäldchen zwischen Holtbeke und Lubbenbach zur benachbarten Großstadt. „Der Bereich ist aber Teil des gemeinsamen Naturschutzgebietes Jammertal, das muss doch bei der Planung berücksichtigt werden“, meint der 69 Jahre alte Kaufmann und Vermessungsingenieur. Sein Engagement hat Herold jetzt bewogen, bei der anstehenden Kommunalwahl für die „Liste 2004“ zu kandidieren.

Stadt kennt die Quelle nicht

Das Naturschutzgebiet Jammertal (64,5 Hektar) liegt im Süden Herfords, kleine Teile aber auch auf Bielefelder Gebiet. Die Stadt teilte am Mittwoch mit, dass die Quelle nicht bekannt sei und auch von der unteren Wasserbehörde des Kreis Herford noch nicht angezeigt worden sei. Eine Anfrage bei der Stadt Bielefeld blieb zunächst unbeantwortet.

Wie berichtet, hatten Umweltschützer im Juli zwei geschützte Edelkrebse im alten Mühlenteich in Stedefreund gefunden, der mit der Holtbeke verbunden ist. Ein Gutachten im Auftrag der Stadt, bei dem 2019 nur im Ober- und Unterlauf des Baches auf knapp 900 Metern nach dem bedrohten Krebs gesucht worden war, hatte keine Tiere nachgewiesen.

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