Biologen sind sich sicher: Passant entdeckt streng geschütztes Nagetier
Biber am Radewiger Wehr gesichtet

Herford (WB). Er ist streng geschützt, weil äußerst selten und in Herford schon seit Generationen nicht mehr gesichtet worden: Jetzt hat ein Passant aber offenbar einen Biber entdeckt – mitten in der Stadt, am Radewiger Wehr.

Samstag, 05.09.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 05.09.2020, 08:24 Uhr
Der Europäische Biber, hier ein Archivfoto, ist das größte Nagetier Europas. In Herford war er seit Generationen nicht mehr in freier Wildbahn gesichtet worden. Ein Herforder hat jetzt aber ein Exemplar entdeckt, sind Experten der Biologischen Station sicher. Foto: dpa
Der Europäische Biber, hier ein Archivfoto, ist das größte Nagetier Europas. In Herford war er seit Generationen nicht mehr in freier Wildbahn gesichtet worden. Ein Herforder hat jetzt aber ein Exemplar entdeckt, sind Experten der Biologischen Station sicher. Foto: dpa

„Das Tier hat nachts versucht, das Wehr an der Aa Richtung Süden, also in Richtung Bielefelder Straße, zu überwinden, was ihm aber nicht gelungen ist“, beschreibt Klaus Nottmeyer, Leiter der Biologischen Station Ravensberg in Kirchlengern, die Beobachtungen des Herforders. Der hat das Tier mit dem Handy fotografiert.

Wegen der Entfernung und der Dunkelheit ist die Aufnahme allerdings nicht besonders gut, verweist Nottmeyer auf die schemenhafte Abbildung. „Die für den Biber typische breite Schwanzkelle ist aber eindeutig zu erkennen.“ Auch Karsten Otte, Sprecher der Bezirkskonferenz Naturschutz OWL, ist sich mit Blick auf das Foto sicher: „Das ist 100-prozentig ein Biber.“

Der Passant hatte sich an die Bio-Station gewandt, nachdem er von den Aufnahmen einer Wildkamera gelesen hatte, die einen Biber in den Elseauen zwischen Bünde und Kirchlengern zeigen . Das Tier ist dort seit mindestens 2015 heimisch.

Jungtier aus Dehme?

Bei dem in Herford gesichteten Biber handelt es sich jedoch „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ nicht um den „Rasputin“ genannten Bewohner der Elseauen. „Biber sind zwar mobil, aber da ‚Rasputin‘ erst wenige Tage zuvor und kurz danach an der Else fotografiert wurde, wird er nicht in Herford gewesen sein“, meint Nottmeyer. Biologiestudentin Zia Paul, die derzeit ein Praktikum an der Bio-Station macht, hatte an der Else drei Wildkameras aufgestellt. Am 31. Juli und noch einmal am 21. August hatten die Kameras ausgelöst und „Rasputin“ abgelichtet.

„Die Aufnahmen aus Herford stammen vom 8. August“, sagt Zia Paul. Sie vermutet, dass das Tier aus Bad Oeynhausen-Dehme stammt. Dort hatte sich 2018 ein Biber angesiedelt, im vergangenen Jahr gab es Nachwuchs. „Der Biber in Herford könnte ein Jungier sein, dass über die Werre in die Aa gelangt ist und sich ein Revier sucht“, erklärt die 24-Jährige.

Wildkamera gestohlen

Der Herforder habe das Tier gegen 1.30 Uhr in Höhe der Sparkasse bemerkt und sei ihm bis zum Radewiger Wehr gefolgt. Davon gibt es auch ein Video. Der Biber kletterte bis zum Rand des Wehres, konnte es aber nicht überwinden. Wieder in der Aa, schwamm er Richtung Werre zurück. „Solch ein Wehr ist schon ein Hindernis. Denn mitten in der Stadt können Biber meist nicht seitlich vorbeiklettern.“ Zia Paul erwägt, auch in Herford Wildkameras aufzustellen. „Allerdings ist uns gerade eine Kamera an der Else gestohlen worden. Mitten in der Stadt dürfte diese Gefahr wohl noch größer sein.“ Möglicherweise habe sich der Biber auch bereits einen anderen Weg über die Werre gen Süden gesucht, um ein Revier zu finden.

Die Freude über die überraschende Beobachtung ist in der Biologischen Station für den Kreis Herford jedoch groß. Schließlich waren zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge bis zur Entdeckung von „Rasputin“ mehr als 150 Jahre keine Biber in freier Wildbahn gesichtet worden.

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