Gericht sieht keine ausreichenden Beweise für Übergriff in der Damentoilette des X
Freispruch im Vergewaltigungsprozess

Herford (WB). Bei einer Verurteilung hätte ihm eine weitere Haftstrafe gedroht. Schließlich ging es um eine angebliche Vergewaltigung – frühmorgens im April 2019 in der Damentoilette der Disco X. Das Jugendschöffengericht sprach den 20 Jahre alten Löhner am Montag jedoch aus Mangel an Beweisen frei. Zudem habe sich das mutmaßliche Opfer, eine Gleichaltrige aus Bad Salzuflen, bei ihren Aussagen in Widersprüche verstrickt. „Es gibt da auffällige Unstimmigkeiten“, sagte Richterin Tanja Schwöppe-Funk in ihrer Urteilsbegründung.

Montag, 14.09.2020, 22:15 Uhr aktualisiert: 14.09.2020, 22:20 Uhr
Im April 2029 soll es im X zu einer Vergewaltigung gekommen sein. Der Angeklagte (20) wurde jetzt jedoch freigesprochen. Foto: Wolff
Im April 2029 soll es im X zu einer Vergewaltigung gekommen sein. Der Angeklagte (20) wurde jetzt jedoch freigesprochen. Foto: Wolff

Der Prozess begann mit einer mehr als einstündigen Verspätung. „Entschuldigung, ich habe verschlafen“, gestand der Löhner, der von der Polizei vorgeführt werden musste. Laut Anklage war der mehrfach Vorbestrafte , der gerade erst einen Monat wieder auf freiem Fuß war, am frühen Morgen des 27. April 2019, ein Samstag, in eine Toilettenkabine geklettert, in der sich die 20-Jährige aufhielt. Nach einem kurzem Gespräch habe er dort sein Opfer vergewaltigt.

Dass es zum Sex gekommen war, bestreitet der Deutsche mit kirgisischen Wurzeln nicht. Er habe die junge Frau jedoch vorher in der Disco angesprochen, weil er sie attraktiv gefunden habe. Gemeinsam habe man auf der Toilette Kokain genommen, dann sei es zum einvernehmlichen Sex gekommen. „Sie wollte es zehnmal mehr als ich“, meinte er gespürt zu haben. Als eine männliche Reinigungskraft die Kabinentür geöffnet und ihn darauf hingewiesen habe, dass er sich auf der Damentoilette befinde, habe er den Disco-Mitarbeiter beschwichtigen können. „Er wusste, worum es geht, er hat mir das gegönnt.“

Vermeintliches Opfer in Therapie

Die Salzuflerin schilderte den Hergang völlig anders. Auch wenn sie wegen reichlichen Alkoholkonsums Gedächtnislücken habe – an die Vergewaltigung könne sie sich noch genau erinnern. „Ich habe mich gewehrt, gegen die Wand geschlagen und um Hilfe gerufen“, sagte sie vor Gericht. Noch heute leide sie unter dem Geschehenen, habe Panikattacken, Schlafstörungen und sei in Therapie.

Als der ihr Unbekannte in die Toilettenkabine gesprungen sei, habe sie sich zunächst mit ihm unterhalten. Denn sie sei völlig perplex gewesen. „Ich habe das anfangs ins Lächerliche gezogen.“ Dann aber sei es zum Übergriff gekommen. Sie habe hingenommen, dass der junge Mann sie entkleide. „Ich wollte es aber nicht.“ Unter anderem dieses Verhalten wertete das Gericht als unstimmig und widersprüchlich. Zudem zeigen Aufnahmen einer Überwachungskamera, wie sich beide zuvor einander zugewandt im Eingangsbereich der Disco aufhalten.

Helmut Wöhler, Anwalt der jungen Frau, die als Nebenklägerin auftrat, kündigte an, das Urteil nicht anfechten zu wollen.

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