Algerier (22) erneut verurteilt – „will jetzt neues Leben beginnen“
Brillendieb soll zweieinhalb Jahre in Haft

Herford/Bünde (WB). Eigentlich ging es nur um den Diebstahl dreier Sonnenbrillen. Wenn ein Gericht dafür allerdings eine Gefängnisstrafe von zweieinhalb Jahren ohne Bewährung verhängt, dann müssen die Tatumstände ganz besondere sein.

Mittwoch, 16.09.2020, 05:29 Uhr
Der Dieb hatte es unter anderem auf goldfarbene Brillen abgesehen, auch von der Marke Ray Ban. Foto: dpa
Der Dieb hatte es unter anderem auf goldfarbene Brillen abgesehen, auch von der Marke Ray Ban. Foto: dpa

Zu dieser erheblichen Haftstrafe, die sogar deutlich über das von der Anklage geforderte Maß (ein Jahr, acht Monate) hinausging, hat das Herforder Schöffengericht am Dienstag einen 22 Jahre alten Algerier verurteilt – wegen schweren räuberischen Diebstahls. Weil er mehrfach vorbestraft und an keinem Ort gemeldet ist, sitzt er wegen dieser Tat bereits seit fast drei Monaten in Untersuchungshaft.

Am 22. Juni hatte er in Begleitung eines Komplizen in der Apollo-Optik-Filiale an der Bünder Eschstraße drei Sonnenbrillen eingesteckt (diese Zeitung berichtete). Als eine Mitarbeiterin bemerkte, wie er eine Ray-Ban-Brille in der Hosentasche verstaute, sprach sie ihn an. Nach anfänglichem Zögern händigte er ihr die 150-Euro-Brille aus. Die Filialleiterin kam hinzu. Als sie die Vermutung äußerte, dass der junge Mann noch mehrere Sonnenbrillen eingesteckt habe, stieß er die beiden Frauen beiseite und flüchtete mit seinem Komplizen. Die Kollegin prallte gegen den Handlauf der Ladentür und zog sich eine Armprellung zu.

Erhebliche Vorstrafen

Die Polizei konnte das Täterduo kurze Zeit später stellen. Der jetzt Angeklagte trug damals mehrere Sonnenbrillen bei sich, von denen allerdings nur weitere zwei der Apollo-Filiale zugeordnet werden konnten. Da er an keiner Adresse gemeldet ist, erließ ein Richter einen Tag später Haftbefehl gegen den 22-Jährigen. Sein Komplize, ein gleichaltriger Algerier, blieb auf freiem Fuß. Gegen ihn läuft ein gesondertes Verfahren.

Der Angeklagte gestand am Dienstag vor Richterin Alea Blöbaum den Brillendiebstahl, bezichtigte allerdings den Kompagnon, die Frau geschubst zu haben, so dass sie sich verletzte. Dem schenkte das Gericht keinen Glauben, nachdem sie die Mitarbeiterinnen der Apollo-Filiale als Zeugen angehört hatte.

Der junge Mann war 2015 nach Deutschland gekommen. Seitdem wurde er mehrfach wegen schweren Diebstahls, aber auch gefährlicher Körperverletzung, Hehlerei und Urkundenfälschung verurteilt. Weitere Verfahren sind anhängig. 2015 wurde gegen ihn wegen unerlaubter Einreise ermittelt, mittlerweile ist er hier geduldet, lebt von Leistungen des Job-Centers. „Ich habe keine Arbeitserlaubnis“, erklärte er vor Gericht. Einen Schulabschluss habe er auch nicht, wolle aber mit seiner Freundin – sie saß auf der Zuschauerbank – zusammenziehen. „Ich habe viel Mist gebaut, möchte ein neues Leben beginnen“, sagte er abschließend.

Verteidigung geht in Berufung

Verteidigerin Deborah Weinert hatte eine 18-monatige Bewährungsstrafe für angemessen gehalten. Sie erklärte zudem, dass ihr Mandant in eine Unterkunft für Geflüchtete in Bielefeld einziehen könne und sobald wie möglich eine Arbeit aufnehmen wolle. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Weinert will in Berufung gehen.

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