Herforder Polizei fischt Handysünder und Gurtmuffel auf der Berliner Straße heraus
Hundert Euro, ein Punkt in Flensburg

Herford (WB). Die rote Kelle reißt sie alle aus ihren Alltag. Den Dachdecker, den Außendienstmitarbeiter, den Patienten, die Mutter mit ihrer zehn Monate alten Tochter, den Unternehmer aus Bad Salzuflen. Eben alle, die am Mittwoch-Vormittag auf der Berliner Straße unterwegs sind und einen Moment lang nicht aufpassen.

Donnerstag, 17.09.2020, 05:50 Uhr aktualisiert: 17.09.2020, 08:52 Uhr
Das Taxi bitte rechts ran. Denn der Fahrgast, eine ältere Frau, hat sich nicht angeschnallt. Darauf hätte der Fahrer achten müssen. Er kommt mit einem Bußgeld in Höhe von 30 Euro davon. Wer sein Handy im Auto auch nur in die Hand nimmt, muss mehr bezahlen und bekommt sogar einen Punkt in Flensburg. Foto: Stephan Rechlin
Das Taxi bitte rechts ran. Denn der Fahrgast, eine ältere Frau, hat sich nicht angeschnallt. Darauf hätte der Fahrer achten müssen. Er kommt mit einem Bußgeld in Höhe von 30 Euro davon. Wer sein Handy im Auto auch nur in die Hand nimmt, muss mehr bezahlen und bekommt sogar einen Punkt in Flensburg. Foto: Stephan Rechlin

Wenn sie das blaue Hemd, die weiße Kappe und die rote Kelle von Polizeihauptkommissar Wolfgang Schäfer sehen, ist es zu spät. Dann wurden sie bereits von Schäfers Kollegen in Höhe des Rathauses dabei beobachtet, wie sie entweder ihr Handy zur Hand genommen oder den Gurt vergessen haben. Über ein kleines, schwarzes Funkgerät verständigen sie Schäfer, der an der Bushaltebucht vor der Apotheke an der Berliner Straße, Fahrtrichtung Bad Salzuflen, auf die Durchsagen wartet: „Der schwarze BMW.“ „Der blaue Skoda.“ „Der Lieferwagen.“ „Das Taxi.“

Führerschein und Papiere

Schäfer winkt sie raus, in die Bucht hinein. Er wartet, bis das Seitenfenster heruntergefahren ist, stellt sich vor und bittet um Führerschein und Papiere. Den meisten ist sofort klar, was falsch gelaufen ist; manche sind überrascht. Doch alle werden aus ganz verschiedenen Routinen, Aufgaben, Aufträgen herausgerissen. Alle sind in Eile. Die Mutter war mit ihrer Tochter beim Kinderarzt, muss jetzt dringend nach Hause, und hat beim Losfahren nur einmal kurz aufs Handy geguckt, weil eine WhatsApp-Nachricht aufblinkte. Der Außendienstmitarbeiter (32) zündet sich eine Zigarette an, zieht einmal tief durch, bevor er Polizeikommissar Salik Sever im Bulli seine persönlichen Daten mitteilt: „Das war der fünfte oder sechste Außentermin heute. Alles unter Zeitdruck. Die Musik lief. Da habe ich den Gurt einfach mal weggelassen.“

Hinter ihm wartet die Frau (34) aus dem blauen Skoda, die sich über den hohen Zeitaufwand ärgert, den die Kontrolle beansprucht: „Ich habe nur kurz aufs Handy geschaut. Dabei habe ich nicht einmal telefoniert.“

Der Fahrer des schwarzen BMWs habe sich nur nach seinem heruntergefallenen Handy gebückt, mehr nicht: „Und dafür 100 Euro und einen Punkt in Flensburg!“ Ein junger Mann habe den Anschnallgurt in seiner Mercedes-A-Klasse nicht angelegt, weil er gerade mit starken Bauchschmerzen vom Arzt gekommen sei. Das kostet 30 Euro.

Kirche im Dorf

Zwei Rentner im Mercedes-Cabrio lässt Polizeioberkommissar Marcel Kleimann mit einer Ermahnung davonkommen. Sie hatten ihre Gurte falsch angelegt: „Immerhin waren sie angeschnallt. Da wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen.“

Die drei Herforder Polizeibeamten kontrollieren im Rahmen einer europaweiten Sicherheitsaktion. In Europa sterben jeden Tag 70 Menschen im Straßenverkehr. Oft sind es so kleine Fehler wie der Blick aufs Handy oder der fehlende Gurt, die zur Katastrophe führen. Marcel Kleimann: „Ziel der Aktion ist es, wenigstens einen Tag im Jahr zu erreichen, an dem niemand auf Europas Straßen stirbt.“

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