Bordellbesuch nur mit Maske und Kontaktdaten – das Herforder „Moonlight“ darf aber nicht öffnen
Grünes Licht für Rotlicht-Betriebe

Herford (WB). Adriana (22) und Monika (26) sind seit Dienstag wieder zurück aus Rumänien an ihrem Arbeitsplatz in Herford. „Das ist gut, wir wollen wieder arbeiten“, sagen die beiden Prostituierten. Nach monatelanger Corona-Zwangspause dürfen seit Mittwoch Bordelle öffnen – unter strengen Auflagen.

Donnerstag, 17.09.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 17.09.2020, 08:44 Uhr
Salahattin Koc ist geschockt. Nach monatelanger Zwangspause wollte er am Mittwoch das Bordell „Moonlight“ wieder öffnen. Weil er bei aktuellen Umbauarbeiten aber gegen Bauauflagen verstoßen habe, untersagte ihm die Stadt dies kurzfristig. Foto: Bexte
Salahattin Koc ist geschockt. Nach monatelanger Zwangspause wollte er am Mittwoch das Bordell „Moonlight“ wieder öffnen. Weil er bei aktuellen Umbauarbeiten aber gegen Bauauflagen verstoßen habe, untersagte ihm die Stadt dies kurzfristig. Foto: Bexte

„Es wird Zeit, dass es wieder losgeht“, sagt „Moonlight“-Chef Salahattin Koc am Dienstag. Ansonsten drohe ihm die Insolvenz. Einen Tag später dann die Hiobsbotschaft: Die Stadt untersagt ihm vorläufig den Betrieb – weil er bei aktuellen Umbauarbeiten gegen Bauauflagen verstoßen habe. „Die Mängel müssen erst behoben werden“, heißt es aus dem Rathaus. Koc ist sprachlos. „Ich weiß nicht, wie es jetzt weitergehen soll.“

Dabei habe ihn die Coronakrise schon genug gebeutelt. Denn wer besucht bei dauerhafter Maskenpflicht und Hinterlegung der Kontaktdaten ein Bordell? Dies sind nur zwei Vorgaben der am Mittwoch veröffentlichten Coronaschutzverordnung des Landes. Koc führt auch Etablissements in Bremen und Diepholz. In der niedersächsischen Kleinstadt ist sein Betrieb seit dem 5. September wiedergeöffnet. „Da drehen etwa 10 bis 15 Prozent der Männer gleich an der Tür um, wenn sie hören, dass sie ihre Personalien angeben müssen.“

„Finanziell überlebenswichtig“

Koc vermietet die Räume im Obergeschoss an die Prostituierten, „Gaststätte mit Zimmervermietung“ nennt er das: 50 Euro pro Tag, zuzüglich 15 Euro Steuern nach dem so genannten Düsseldorfer Verfahren. Zu Spitzenzeiten waren 30 Frauen an der Lübbecker Straße tätig. So viele würden es zum Neustart aber nicht sein. Genau weiß er das nicht, die Entscheidung, wieder im „Moonlight“ zu arbeiten, bleibe den Frauen überlassen.

Koc führt das Bordell seit etwa zwölf Jahren, der Neustart sei für ihn und 14 Angestellte – keine Prostituierten – finanziell überlebenswichtig. In der Coronapause sei die Prostitution, obwohl untersagt, in die Illegalität abgerutscht. „Viele Mädchen sind zuletzt auch nach Holland, Österreich oder in die Schweiz ausgewichen“, sagt der 52-Jährige. Adriana und Monika waren allerdings in ihrer rumänischen Heimat. „Aber wir hatten dort keine Arbeit“, sagen beide. Die Schutzmaßnahmen halten sie für richtig, „denn wir wollen uns das Virus auf keinen Fall einfangen“.

Stadt bemängelt Umbau

Für sie sollte jetzt eigentlich wieder der Herforder Alltag beginnen, den sie so seit zwei Jahren kennen. Beide wohnen in eigenen Zimmern in einem Nebengebäude des „Moonlight“, zehn Euro kostet das pro Tag, inklusive Frühstück. 16 Zimmer gibt es in der ausgebauten ehemaligen Scheune. „Es ist wichtig, dass die Frauen getrennte Arbeits- und Privatbereich haben“, sagt Koc. Viele Prostituierte reisen aber auch täglich an, manche nur am Wochenende. Für sie gibt es in einem Umkleidebereich verschließbare Spinde.

Koc hat auch Schilder bestellt, die auf die Maskenpflicht hinweisen. „Die werden an jeder Zimmertür angebracht.“ Trotz aller Einschränkungen hoffte er bis Mittwoch, dass sich der Betrieb rasch normalisiere und die Auflagen gelockert würden. „Wie weit will man das denn noch begrenzen?“, fragt er. Die Nachfrage in den vergangenen Wochen des Stillstands sei zumindest groß gewesen. „Hier kamen täglich Männer vorbei, die wissen wollten, ob wir wieder geöffnet haben.“

Koc und sein Team hatten deshalb die Zwangspause für Umbauarbeiten genutzt – laut Bauamt, das vor der anvisierten Öffnung noch einmal vorbeigeschaut hat, aber offenbar nicht ordnungsgemäß. Unter anderem macht die Stadt Verstöße gegen Brandschutzauflagen geltend, zudem fehlten Genehmigungen für die Umbauten. Deshalb müsse das Bordell vorläufig geschlossen bleiben. Möglicherweise werden Adriana und Monika also wieder ihre Koffer packen müssen.

Beratungsstelle begrüßt Öffnung

Die in Herford ansässige Prostituierten- und Ausstiegsberatung Theodora begrüßt die Wiedereröffnung der Bordelle. „Es ist gut, dass die Frauen wieder legal arbeiten können“, sagt Beraterin Diana Dimitrova. Nicht wenige Frauen hätten aus purer Not in den vergangenen Monaten den Weg in die Illegalität gewählt. „Denn sie sind auf die Einnahmen angewiesen.“

Für viele sei es die einzige Möglichkeit, ihre Familie zu ernähren. Für Betroffene in besonderen Notlagen, die etwa kein Geld vom Jobcenter bekommen, habe der Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen einen Hilfsfonds eingerichtet. „Die Frauen bekommen Einmalzahlungen in Höhe von 200 bis 300 Euro“, erläutert Dimitrova. Frauen, die über kein eigenes Konto verfügten, bekämen das Geld über die Beratungsstelle Theodora ausgezahlt. OWL-weit sei dies bislang 40-mal der Fall gewesen. Dimitrova kündigte an, in den Bordellen Mund-Nase-Masken verteilen zu wollen.

Im Kreis gibt es 18 angemeldete Bordelle. „Alle wurden nach dem Shutdown mehrfach von den Ordnungsbehörden kontrolliert“, teilt der Kreis mit. Verstöße gegen Schutzverordnungen seien nicht festgestellt worden.

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