„Wege durch das Land“ im Marta – Gudrun Landgrebe liest aus „Der ewige Quell“
Die Seele der Architektur

Herford (WB). Erst das Plädoyer für eine Architektur, die auf ihr Umfeld eingehen will. Dann ein Roman über einen Architekten, der sagt: „Ich baue nicht, um jemandem zu dienen.“ Demut und Größenwahn – um unterschiedliche Ansätze zur Welt des Gestaltens geht es bei „Wege durch das Land“ im Marta. Prominentester Gast ist die Schauspielerin Gudrun Landgrebe.

Sonntag, 20.09.2020, 21:15 Uhr aktualisiert: 20.09.2020, 22:00 Uhr
Frau von Welt: die Schauspielerin Gudrun Landgrebe nach der Lesung im Martaforum. Foto: Hartmut Horstmann
Frau von Welt: die Schauspielerin Gudrun Landgrebe nach der Lesung im Martaforum. Foto: Hartmut Horstmann

Selbstbewusste Demut

Den Anfang macht der Architekt Andreas Bründler, Geschäftsführer eines mit vielen Auszeichnungen bedachten Büros in Basel. In seiner „Rede an die Architektur“ stellt er anhand von Beispielen die Leitlinien seines Selbstverständnisses vor. Während die Punk-Bewegung der späten 70er Jahre „Zurück zum Beton“ skandierte, könnte es bei Bründler heißen: Vorwärts zum Beton!

Stets kreativ und individuell, ästhetisch und manchmal überraschend leicht wirken die vorgestellten Bauten, bei denen der oft umstrittene Baustoff dominiert.

Die Haltung des Architekten lässt sich als selbstbewusste Demut charakterisieren. Intensiv beschäftigen sich die Planer mit dem Ort, seiner Tradition, den Spuren der Kultur. Die Einzigartigkeit eines jeden Umfeldes bestimmt so den Entwurf. Daraus folgt, dass der Dialog mit dem jeweiligen Ort zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen führen kann, ja muss – vom verglasten Wohnturm voller Kletterpflanzen bis zum Haus, das von einem schützenden Betonmantel wie einer zweiten Haut umgeben ist.

Kapitel deutscher Filmgeschichte

Viele Beispiele führt der Architekt an. Eine leichte Straffung hätte dem sehr guten Vortrag bei aller Inspiration allerdings nicht geschadet. Aber wer mag Grenzen setzen, wenn jemand auf höchstem Niveau derart von der Liebe zu seinem Beruf erfüllt ist?

Anschließend verlagert sich das Geschehen in die Marta-Ausstellung, in der die Jazz-Musiker Lucas Dorado und Julius Gawlik Töne sich im Raum entfalten lassen. Nach einer Pause dann Gudrun Landgrebe. Zierlich und zurückhaltend, fast scheu wirkend – anders als man es von einer Schauspielerin erwarten würde, die als so genannte Edelhure in „Die flambierte Frau“ ein Kapitel deutscher Filmgeschichte geschrieben hat.

Es macht die Klasse einer solchen Schauspielerin aus, dass sie es versteht, ohne überzogene Mimik oder Gestik Romanfiguren im Kopf des Zuhörers zum Leben zu erwecken.

Architekt will nicht kopieren

Gudrun Landgrebe liest aus dem Buch „Der ewige Quell“ von Ayn Rand. Hauptfigur des Romans von 1943 ist der Architekt Howard Roark, ein Verfechter radikaler Autonomie. Als er als Student exmatrikuliert werden soll, kommt es zum Gespräch mit dem Dekan. Dialoge voller Programmatik folgen.

So sagt der Dekan, alles Schöne sei bereits geschaffen: „Wir können nur noch eine Auslese aus den alten Meistern treffen.“ Doch Roark hält dagegen, betont, er wolle auf keinen Fall kopieren. Seine Regel sei vielmehr: „Kein Bauwerk ist wie das andere.“ Als er später sagt, er wolle auch keinem Bauherrn dienen, entgegnet der Dekan nur: „Sie sind gefährlich.“

Danach wieder Musik als klangvoller Abschluss eines inspirierenden Vortrages und einer tollen Lesung.

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