Eva Mattes liest in Herford aus den Kriegstagebüchern Astrid Lindgrens
Hoffnung auf Hitlers Tod

Herford (WB). Sie ist die wohl bekannteste Kinderbuchautorin der Welt, ihre Bücher erzählen von Mut, Hoffnung, Liebe und Widerstand: Astrid Lindgren. Unter dem Titel „Die Menschheit hat den Verstand verloren” hat Schauspielerin und Sängerin Eva Mattes im Stadttheater aus den Kriegstagebüchern der schwedischen Autorin (1907-2002) gelesen.

Dienstag, 22.09.2020, 05:50 Uhr aktualisiert: 22.09.2020, 08:52 Uhr
Schauspielerin und Sängerin Eva Mattes und Akkordeonist Dariusz Świnoga gastieren mit dem Programm „Die Menschheit hat den Verstand verloren“ im Stadttheater. Mattes liest aus den Kriegstagebüchern Astrid Lindgrens. Foto: Daniela Dembert
Schauspielerin und Sängerin Eva Mattes und Akkordeonist Dariusz Świnoga gastieren mit dem Programm „Die Menschheit hat den Verstand verloren“ im Stadttheater. Mattes liest aus den Kriegstagebüchern Astrid Lindgrens. Foto: Daniela Dembert

Die 150 Besucher erwartete ein atmosphärisch dichtes Programm aus gelesenen Beiträgen, Musik und Gesang, zusammengestellt von der Festivalintendantin und Autorin Irmgard Schleier.

Mitgefühl mit den Müttern

Mattes, die als 14-Jährige das Pippi Langstrumpf-Lied einsang, interpretierte, begleitet vom Akkordeon-Virtuosen Dariusz Świnoga, Chansons und Wiegenlieder unter anderem aus Schweden, Frankreich und Russland.

Astrid Lindgren erlebt den Zweiten Weltkrieg im vom Kriegsgeschehen verschonten Schweden. Zwar berichtet sie von Hamsterkäufen und Warenknappheit, viel prägnanter ist allerdings das stete Bangen um den Frieden im eigenen Land und die Anteilnahme, mit der sie das Kriegsgeschehen im Rest Europas kommentiert.

Zutiefst betroffen verfolgt Lindgren Nachrichten und Briefe, die sie, in der Abteilung für Briefzensur des schwedischen Nachrichtendienstes arbeitend, aus vielen Ländern zu lesen bekommt und so einen sehr persönlichen, menschlichen Eindruck vom Elend der Kriegsjahre erlangt: „Wie müssen sie leiden, die armen Mütter auf diesem wahnsinnigen Erdball?”

„Schade, dass niemand Hitler erschießt“

Obwohl Eva Mattes erst ein knappes Jahrzehnt nach Kriegsende geboren ist, scheint ihr ein tiefes Verständnis für Lindgrens Gedanken zu jener Zeit innezuwohnen. Mattes liest nicht einfach vor, sie durchlebt es, wenn sie den finsteren Moment des Kriegsausbruchs kommentiert: „Schade, dass niemand Hitler erschießt!”.

Sie spricht über die Erlebnisse vollkommenen Friedens, die Lindgren so dankbar in der Natur und im Reigen ihrer Familie findet, bis hin zum mitgefühlten Leid der Opfer, besonders der Juden. „Ewig entwurzelt und heimatlos irren sie durch die Welt”, schreibt Lindgren in ihr Tagebuch.

Mattes und Świnoga liefern ein stimmiges Programm aus Wort und Musik. Nie pathetisch, vermitteln sie Gefühle der Heimatlosigkeit, Bedrohung und des Verlusts auf musikalische Weise, setzen Akzente von Melancholie und Vergänglichkeit, von Zerrissenheit und Wehmut, aber auch von Hoffnung und Widerstand.

Am Ende Pippi Langstrumpf

Das Lied „Lili Marleen” wird für alle Zeit mit dem Weltkrieg verbunden bleiben und gehört ebenso zum musikalischen Part des Abends wie der Tango „Erschöpfte Sonne” – eine verstörende, aufwühlende Komposition, die zwischen den beiden Weltkriegen entstand.

Ein Abend über Lindgren wäre allerdings nicht komplett, ließe man ihre literarischen Figuren, ihre zuweilen tragischen Helden und Mutmacher, die sie zumeist nach dem Krieg ersonnen hat, gänzlich außer Acht. So brachte das Duo unter anderem Pippi Langstrumpfs Lied über „Seeräuber-Opa Fabian” auf die Bühne.

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