Rettungssanitäter (48) scheitert mit Klage – am Supermarktausgang Nase gebrochen
Kein Schmerzensgeld nach Türunfall

Herford (WB). Der Rettungssanitäter, der im Markant-Markt an der Schwarzenmoorstraße vor eine Automatiktür gelaufen war und sich das Nasenbein gebrochen hatte, ist mit seiner Klage auf Schmerzensgeld vor dem Landgericht Bielefeld gescheitert.

Mittwoch, 23.09.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 23.09.2020, 20:10 Uhr
Der 48 Jahre alte Kläger war am 4. Juni vergangenen Jahres beim Verlassen des Markant-Marktes an der Schwarzenmoorstraße vor eine Automatiktür gelaufen und hatte sich die Nase gebrochen. Jetzt verlangte er 10.000 Euro Schmerzensgeld vom Supermarkt – vergeblich. Foto: Bexte
Der 48 Jahre alte Kläger war am 4. Juni vergangenen Jahres beim Verlassen des Markant-Marktes an der Schwarzenmoorstraße vor eine Automatiktür gelaufen und hatte sich die Nase gebrochen. Jetzt verlangte er 10.000 Euro Schmerzensgeld vom Supermarkt – vergeblich. Foto: Bexte

Wie bereits zu Prozessbeginn am 12. August deutlich geworden war, folgte Richter Phil Gabler seiner Argumentation nicht. Eine Pflichtverletzung des Supermarktbetreibers sei nicht zu erkennen, urteilte er am Mittwoch. Der 48 Jahre alte Kläger sprach von einer „unerwarteten, atypischen Funktion“ der Tür. Neben dem Nasenbeinbruch sei ein Abriss der Riechfäden wahrscheinlich, weswegen ihm der Verlust des Geruchssinns drohe. Deshalb sollte der Supermarkt auch für Folgeschäden aufkommen.

Der Kläger gehörte zu einer Rettungswagenbesatzung, die sich im Supermarkt etwas zu essen besorgt hatte. Er befand sich zum Zeitpunkt des Unfalls nicht in einem Einsatz, so dass besondere Eile geboten wäre, war auch nicht durch den Blick auf sein Handy abgelenkt.

Die Haftpflichtversicherung des Supermarktes verwies darauf, dass die Automatiktür erst drei Monate vor dem Unfall von einer Fachfirma gewartet worden sei – ohne Beanstandungen. Der Mann sei am 4. Juni 2019 „blindlings“ von der Seite auf die Tür zugegangen, die sich gerade öffnete.

„Tür war erkennbar“

Das sah auch Richter Gabler so, der auf die Aufzeichnungen einer Videokamera verwies: „Anhand der Aufnahme ist zu erkennen, dass der Kläger nach dem Bezahlen auf die Tür zugeht, ohne zu warten oder zu schauen, ob sie sich öffnet“, erklärte er in der Urteilsbegründung. Es sei erkennbar, dass der Sensor die Öffnung der Tür ausgelöst habe. Das Video zeige jedoch, dass der Kläger weder gewartet habe, dass die Tür sich öffne, noch seine Schritte verlangsamt habe. „Jeder Kunde des Supermarktes muss darauf achten, ob die Tür aufgeht.“ Der zeitverzögerte Vorgang bei einer Automatiktür mit Sensor sei allgemein bekannt. „Die Tür war auch hinreichend erkennbar – anhand der Umrandungen.“

Anhand der Videoaufzeichnung sei zu erkennen, dass teilweise auch Kunden, die mittig auf die Tür hinzugetreten und daher von der Radaranlage eher erfasst worden seien, ihre Geschwindigkeit an die Öffnung der Tür hätten anpassen müssen. Zwar sei es möglich, den Sensor so einzustellen, dass die Tür sich früher öffne. Das würde aber zu deutlich häufigeren Vorgängen führen, was bei beheizten oder gekühlten Räumen letztlich eine Energieverschwendung sei. Das Urteil – der Kläger muss auch die Verfahrenskosten tragen – ist noch nicht rechtskräftig. Anwalt Dirk Twitting (Hagen), der den Rettungssanitäter vor Gericht vertrat, wollte sich nicht dazu äußern, ob er in Berufung gehen wird. Dafür könnte er noch das Oberlandesgericht in Hamm anrufen.

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