Wöhler-Konzert im Herforder Stadttheater
Der Meister der sanften Töne

Herford (WB). Es sind merkwürdige Zeiten. Und es sind merkwürdige Konzerte, in denen der Sänger das Publikum mit sanfter Stimme und dem Satz verabschiedet: „Bleiben Sie gesund!“ Rock’n’Roll-Lifestyle nach einer Show sieht anders aus – doch Gustav Peter Wöhler sorgt sich um sein Publikum.

Donnerstag, 24.09.2020, 16:49 Uhr aktualisiert: 25.09.2020, 09:38 Uhr
Bühnenleben im blauen Scheinwerferlicht: Gustav Peter Wöhler singt zum Thema Liebe und endet bezeichnenderweise mit Rio Reisers „Junimond“: „Jetzt tut’s nicht mehr weh.“ Foto: Hartmut Horstmann
Bühnenleben im blauen Scheinwerferlicht: Gustav Peter Wöhler singt zum Thema Liebe und endet bezeichnenderweise mit Rio Reisers „Junimond“: „Jetzt tut’s nicht mehr weh.“ Foto: Hartmut Horstmann

In der Jugend fast nur Beatles gehört

Noch nicht einmal CD-Verkauf und Gespräche im Foyer seien möglich, erklärt der aus Herford stammende Entertainer. Für den 64-Jährigen besonders schade, denn einige der Zuhörer kennt er seit seiner Jugend. „Wöhler, gib alles!“ ruft ein alter Kumpel im Theatersaal. Einen Satz, auf den der Angesprochene auf der Bühne gerne eingeht: „Das sind die Hippies von früher“, charakterisiert er den Störenfried amüsiert.

Früher – das führt zu dem folgenschweren Kapitel: „Als Gustav Peter Wöhler jung war und die Musik für sich entdeckte.“ Denn die Helden seiner Jugend finden sich auch in dem Programm, das er mit seiner Band im Stadttheater vorstellt. „Love is the drug“ lautet der Titel – ein Song der Band Roxy Music, der an diesem Abend allerdings nicht gespielt wird. Aber die Richtung ist klar: Es geht um die Liebe.

Die sanften Töne dominieren – egal ob der Sänger „Bridge over troubled water“ oder „Who’s gonna drive you home tonight“ anstimmt. In seiner Jugend habe er fast nur Beatles gehört, gesteht Wöhler und sagt Be-Atles – was wohl ostwestfälisch witzig sein soll. Doch ab einem gewissen Alter hätten ihm die Beatles nicht mehr alles geben können, so dass er sich den „Rolling Schtones“ zugewandt habe.

Unkonventioneller Tänzer

„Mothers little helper“ erklingt – und mit den Stones erwacht in Wöhler das Tier. Exaltiertheit an diesem Abend bedeutet, dass der Sänger seine Vier-Quadratmeter-Zone verlässt und sich bis zum Bühnenrand vorwagt. Dazu spielt er mit den Händen nicht nur Luftgitarre, sondern auch Luftklavier.

Anschließend „You drive me crazy“ und der Abend hätte in coronafreien Zeiten in ein Fest münden können. Während der Instrumentalpassagen der Songs tänzelt der Sänger und Schauspieler über die Bühne – wie jemand, der sich gerne zur Musik bewegt, aber froh ist, den strengen Regeln des Tanzunterrichts entronnen zu sein.

Die Zuschauer erleben ein Konzert ohne Pause. Der Intensität tut dies nur gut. Begleitet von ausgezeichneten Musikern, präsentiert der Entertainer eine Auswahl seiner Lieblingslieder – dargeboten im typischen Wöhler-Band-Sound mit Gitarre, Klavier und Kontrabass. Da das Publikum bei den meisten Liedern das Original im Kopf hat, stellen sich die Musiker mit jedem einzelnen Lied der Herausforderung des Vergleichs.

Am Ende Rio Reiser

Brillant die sehr freie Version von „Ring of fire“, bekannt durch die Fassungen von Johnny Cash und Eric Burdon, den männlichsten Stimmen der Populärmusik. Und Wöhler erzählt gerne, was ihn mit den Liedern und Musikern verbindet. David Bowie im Jahr 1978 – das sei das tollste Konzert gewesen, das er je erlebt habe.

Unvergessen auch wegen der Begleitumstände. Zwei junge Frauen aus Herford seien mit ihm dort gewesen, erinnert sich der Sänger. Es sei ihnen gelungen, nach dem Konzert an die Hotelzimmertür des Stars zu klopfen und David Bowie im Bademantel zu sehen. Danach verlor sich die Spur der Frauen vorübergehend.

Den Herfordern wird ein unterhaltsamer Abend voller Musik und Geschichten geboten. Am Ende Rio Reisers „Junimond“ – ein erlösendes Fazit nach all den besungenen Liebesverwirrungen: „Jetzt tut’s nicht mehr weh!“

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7601404?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Lockdown wird verlängert - mit vielen Öffnungsmöglichkeiten
Stellt die Ergebnisse des Bund-Länder-Gipfels vor: Bundeskanzlerin Angela Merkel im Kanzleramt.
Nachrichten-Ticker