Herforder Kinderklinik-Personal erstellt Liste und sammelt Unterschriften – Vorstand verspricht Hilfe
Mitarbeiter beklagen Mängel

Herford (WB). In einigen Duschen auf einer Station der Herforder Kinderklinik hat es tagelang kein warmes Wasser gegeben. Grund war eine kaputte Pumpe. Mitarbeiter protestieren gegen die aus ihrer Sicht schlechten Arbeitsbedingungen. Jetzt sammeln sie Unterschriften.

Mittwoch, 30.09.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 30.09.2020, 09:44 Uhr
Die Kinder- und Jugendklinik an der Schwarzenmoorstraße: Das Haus wurde in den 70er Jahren gebaut, ist längst nicht mehr zeitgemäß. 2019 wurden hier 2540 stationäre und 10.000 ambulante Patienten von 61 Mitarbeitern behandelt. Foto: Moritz Winde
Die Kinder- und Jugendklinik an der Schwarzenmoorstraße: Das Haus wurde in den 70er Jahren gebaut, ist längst nicht mehr zeitgemäß. 2019 wurden hier 2540 stationäre und 10.000 ambulante Patienten von 61 Mitarbeitern behandelt. Foto: Moritz Winde

Die Liste der Zustandsbeschreibung – der eng beschriebene DIN-A4-Zettel liegt dieser Zeitung vor – umfasst 15 Mängel mit jeweils meist mehreren Unterpunkten. Bei etwa 70 Prozent der aufgeführten Kritik geht es um allgemeinen Platzmangel in dem 70er-Jahre-Bau. Bei den übrigen Missständen werden Instandsetzungs-Defizite moniert.

Neben dem Warmwasser-Problem, das nach Angaben von Krankenhaussprecherin Monika Bax inzwischen behoben worden sei, weisen die Angestellten unter anderem auf diese Dinge hin:

– veraltete Bäder, die auch nach Reinigung nicht gepflegt wirken.

– undichte Fensterfronten, Zugluft, starke Kondenswasserbildung bei Mehrfachbelegung.

– abgeschlagene Farbe an den Türzargen und Türen.

– defekte Schrankgriffe- und leisten auf den Fluren.

– veraltete Beckenspüle, häufig Geruchsbildung.

– defekte Steckdosenleisten und Klingelanlagen, gelegentlich fallen die Verkleidungen herunter.

– abgenutztes Mobiliar im Dienstzimmer, ungepflegter Eindruck durch beklebte Schrankflächen.

– kein WLAN-Empfang.

Neubau soll 25 Millionen Euro kosten

Klinikum-Vorstand Peter Hutmacher zeigt sich überrascht. Ihm sei eine solche Mängelliste nicht bekannt. Gleichzeitig äußerte der Manager, der seit neun Monaten das Sagen an der Schwarzenmoor­straße hat, Verständnis für die Sorgen seiner Belegschaft – und verspricht Besserung: „Wir werden uns zügig darum kümmern, dass Verschönerungsmaßnahmen vorgenommen werden. Flächendeckendes WLAN ist bereits beschlossen.“

Die Unterschiede zwischen dem Haupthaus, das in den vergangenen Jahren für zig Millionen Euro modernisiert wurde, und der nicht mehr zeitgemäßen Kinderklinik seien naturgemäß groß. „Da ist die Enttäuschung der Mitarbeiter nachvollziehbar.“ Gleichzeitig betont Peter Hutmacher, dass es große bauliche Veränderungen nicht geben werde. Diese würden keinen Sinn mehr machen.

Denn es scheint nun tatsächlich Bewegung in die Neubau-Pläne zu kommen. Der Klinikum-Chef prognostiziert, die neue Kinderklinik könnte in vier Jahren bezugsfertig sein – vorausgesetzt, es gehe alles glatt. Noch in diesem Jahr soll der Verwaltungsvorstand das XXL-Projekt absegnen, dann kann der Bauantrag gestellt werden. Peter Hutmacher geht von Kosten in Höhe von 25 Millionen Euro aus. 16 Millionen Euro kommen vom Land NRW.

Eigentlich sollte die Kinderklinik bereits seit letztem Jahr in Betrieb sein, konkrete Pläne wurden von Politik und Unternehmensführung schon 2017 präsentiert. Peter Hutmacher: „Es ist doch klar, dass die Unzufriedenheit der Mitarbeiter durch die lange Wartezeit wächst. Ich bitte alle, noch ein wenig durchzuhalten. Diese Übergangsphase werden wir gemeinsam meistern.“

Kommentar von Moritz Winde

Die Zustandsbeschreibung in Teilen der Kinderklinik ist eine Auflistung, die zu denken gibt. Duschen längere Zeit ohne warmes Wasser, undichte Fenster, häufige Geruchsbildung an den Spülbecken: Das sind nur einige Kritikpunkte. Immerhin scheinen die hohen hygienischen Standards eingehalten zu werden. Und natürlich haben diese Faktoren nichts mit der Qualität der medizinischen Versorgung zu tun.

Anfang 2018 hatte Ex-Vorstand Rudolf Küster gesagt, er sei erschüttert gewesen, als er das erste Mal die Kinderklinik betreten habe. Geändert hat er nichts. Die Missstände sind also seit Jahren bekannt. Natürlich ist das Gebäude alt und die engen, baulichen Gegebenheiten sind nicht ohne Weiteres zu ändern.

Dies ist aber kein Grund, die Immobilie nicht vernünftig instand zu halten. Immerhin sollen in den Zimmern kleine Kranke gesund werden. Dazu trägt auch eine Wohlfühl-Atmosphäre bei.

Sicher wurden Management-Fehler gemacht, auch die Politik hat geschlafen. Leidtragende sind Patienten und deren Eltern sowie Mitarbeiter. Die Unterschriftenliste des Personals, mit der es auf die Bedingungen hinweist, sollte die Verantwortlichen aufhorchen lassen.

Klinikum-Chef Peter Hutmacher will die größten Mängel zügig beheben lassen. Das ist ein guter Anfang.

Die neue Kinderklinik soll bunt und modern werden: In vier Jahren könnte der 25-Millionen-Euro-Bau bezugsfertig sein.

Die neue Kinderklinik soll bunt und modern werden: In vier Jahren könnte der 25-Millionen-Euro-Bau bezugsfertig sein.

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