Poggenpohl-Chef Ralf Marohn erläutert die Interessen des neuen Inhabers aus China
„Zügig, fair und zuverlässig“

Herford (HK). Háma ist der Frosch. Chi der Tümpel. Ein zusammengesetztes chinesisches Hauptwort für Froschtümpel ist auf die Schnelle nicht auffindbar. Froschtümpel ist die hochdeutsche Übersetzung für das niederdeutsche Wort Poggenpohl. Ralf Marohn (53), der neue Poggenpohl-Chef, kann Chinesisch: „Die Sprache braucht Zeit, sie ist nicht schnell erlernbar.“ Erst einmal nimmt er sich jetzt aber Zeit, um die Fragen von HK-Redakteur Stephan Rechlin zum Einstieg der chinesischen Jomoo-Gruppe bei Poggenpohl zu beantworten.

Donnerstag, 01.10.2020, 15:00 Uhr
Ralf Marohn führt fortan die Geschäfte des 128 Jahre alten Herforder Möbelbauunternehmens Poggenpohl. Für ihn und die neuen Inhaber aus China steht dieser Name für den Inbegriff der Deutschen Qualitätsküche. Foto: Stephan Rechlin
Ralf Marohn führt fortan die Geschäfte des 128 Jahre alten Herforder Möbelbauunternehmens Poggenpohl. Für ihn und die neuen Inhaber aus China steht dieser Name für den Inbegriff der Deutschen Qualitätsküche. Foto: Stephan Rechlin

 

Sie sind Geschäftsführer von RWK & Kuhlmann Küchen in Löhne. Wann haben Sie erfahren, dass Sie fortan auch noch die Geschäfte der Herforder Poggenpohl-Gruppe führen werden?

Ralf Marohn: Sehr kurzfristig. Nach dem Zuschlag für die britische Lux-Group hatte Jomoo das Thema eigentlich schon wieder beiseite gelegt. Als Poggenpohl dann erneut angesprochen wurde, ging alles sehr schnell. Erstaunlich schnell, wenn man bedenkt, dass man es mit einem internationalen Großkonzern zu tun hat, dessen Stammsitz in China liegt. Jomoo hat die nach den gescheiterten Gesprächen mit der Lux-Group schwierige Situation für Poggenpohl nicht ausgenutzt, sondern zügig, fair und zuverlässig verhandelt. Ohne Jomoo gäbe es Poggenpohl vielleicht nicht mehr.

 

Jomoo ist eigenen Angaben zufolge ein privat geführtes Unternehmen aus Xiamen in der Provinz Fujian. Wie privat darf eine Firma im zentral gelenkten China überhaupt sein?

Marohn: Xiamen liegt in einer von vier Sonderwirtschaftszonen in China. In diesen Zonen lässt die Zentralregierung spezielle wirtschaftliche Ausnahmeregeln zu. Ausländische Investitionen sind dort ausdrücklich erwünscht. Die Firmen dort sind meist chinesisch-ausländische Joint-Ventures, Partnerschaften oder ausländische Unternehmen. Die wirtschaftlichen Aktivitäten werden vom Markt bestimmt. Jomoo ist ein familiengeführtes Privatunternehmen. Es gibt einen Vater, seinen Bruder und zwei Kinder in der Unternehmensleitung. Dort wird nicht kurzfristig sondern strategisch in Generationen gedacht.

 

Sie haben in Xiamen studiert…

Marohn: Das war 1990. In Xiamen herrschte noch Armut und es gab keinen Kontakt zur Außenwelt außer ein Telefon auf dem gesamten Campus. Uns Studenten wurden die anspruchsvollen, unserer Ansicht nach utopischen Wachstumspläne der Stadt präsentiert. Aus Europa wussten wir aber, wie viele Jahre, ja Jahrzehnte, die Transformation einer landwirtschaftlichen in eine digital-industrielle Gesellschaft dauern kann. Wenn ich heute dort zu Besuch bin, mag ich es kaum glauben. Die Chinesen haben ihre Wachstumspläne nicht nur umgesetzt, sondern sehr weit übertroffen.

 

Und bald wird es dort auch ein Poggenpohl-Produktionswerk geben?

Marohn: Das ist nicht vorgesehen und wird es nicht geben. Es würde auch nicht funktionieren. Familien, die sich eine Küche aus dem Luxus-Segment leisten können, möchten eine Deutsche Küche. Deutsche Küche ist für sie ein Markenbegriff, der mit Wohlstand, Prestige, Innovation und sozialem Aufstieg zu tun hat. Der Name Poggenpohl wiederum steht für den Kern der Deutschen Küche. Was sie nicht wollen, ist eine in China gefertigte Küche. Projektentwickler werden Apartment-Neubauten des gehobenen Segmentes in China spielend los, wenn eine Deutsche Küche darin eingebaut ist.

 

Wie soll die Integration Poggenpohls in den Jomoo-Konzern sonst gelingen?

Marohn: Wir sprechen gar nicht von Integration. Eine Vereinnahmung Poggenpohls in die Jomoo-Gruppe im Sinne der Überstülpung eines übergreifenden Konzern-Konzeptes ist nicht vorgesehen. Statt dessen geht es vor allem um gemeinsame Ressourcen-Nutzung. Das sind nach der Insolvenz Poggenpohls erst einmal finanzielle Ressourcen, klar. Aber es geht auch um eine gemeinsame IT – Jomoo stellt jetzt auch auf SAP HANA um, das bei Poggenpohl auch eingesetzt wird. In München unterhält Jomoo einen starken Design-Schwerpunkt. Die Experten von dort sind jetzt bei uns im Haus und nehmen unser Programm unter die Lupe. Viele Jomoo-Produkte sind mit hochwertigen Design-Preisen ausgezeichnet worden. Davon wird auch Poggenpohl profitieren.

 

Zur gemeinsamen Ressourcen-Nutzung zählt auch die Poggenpohl-Belegschaft?

Marohn: Selbstverständlich. Einige Mitarbeiter haben das Unternehmen wegen der unsicheren Situation in den vergangen Wochen verlassen. Ihre Stellen werden wieder besetzt. Es bleiben alle 280 Stellen am Standort Herford und alle 400 in der gesamten Gruppe erhalten.

 

Wann werden Ergebnisse der chinesisch-deutschen Kooperation zu sehen sein?

Marohn: Wir planen eine Präsentation während der Mailänder Küchenmesse Eurocucina im April kommenden Jahres. Allerdings müssen wir abwarten, ob und unter welchen Bedingungen sie stattfinden kann.

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