Kinderklinik: Landrat Müller zeigt sich überrascht und selbstkritisch
„Von Mängelliste nichts gewusst“

Herford (WB/bex). Der in dieser Zeitung veröffentlichte Bericht über eine von Mitarbeitern der Kinderklinik aufgestellte und unterschriebene Liste mit baulichen und technischen Mängeln an ihrem Arbeitsplatz schlägt hohe Wellen. Landrat Jürgen Müller (SPD) als Vorsitzender des Klinikum-Verwaltungsrates zeigte sich am Mittwoch selbstkritisch bis zerknirscht.

Donnerstag, 01.10.2020, 06:00 Uhr
Die Kinderklinik soll durch einen Neubau ersetzt werden. Landrat Jürgen Müller sagt, er habe von der aktuell aufgestellten Mängelliste nichts gewusst. Foto: M. Winde
Die Kinderklinik soll durch einen Neubau ersetzt werden. Landrat Jürgen Müller sagt, er habe von der aktuell aufgestellten Mängelliste nichts gewusst. Foto: M. Winde

Er habe von dieser Mängelliste nichts gewusst, davon erst aus dem HK erfahren. „Warum haben sich die Mitarbeiter nicht an die Klinikleitung, den Personal- oder den Verwaltungsrat gewandt?“, fragt er – um sich darauf selbst eine mögliche Antwort zu geben. „Es scheint, als sei das Vertrauen in die Führung nicht da. So etwas sollte uns schon zu denken geben.“

Offenbar fühlen sich zahlreiche der 61 Mitarbeiter der Kinder- und Jugendklinik mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen, sind viele Missstände doch seit Jahren bekannt. Auf der Mängelliste, die dieser Zeitung vorliegt, sind die Defizite in 15 Haupt- und zahlreichen Unterpunkten aufgeführt. Sie schließt mit dem Satz „Ich nehme diese Mängel in meiner täglichen Arbeit wahr“. Darunter haben Betroffene ihre Unterschrift gesetzt, um das Schreiben später den Verantwortlichen zu übergeben.

Neubaupläne werden aktualisiert

Landrat Müller verweist darauf, dass das Erdgeschoss der 1976 erbauten Kinderklinik erst vor knapp zwei Jahren für 200.000 Euro verschönert worden sei. Man habe seinerzeit in dem Wissen um den geplanten Neubau nur so viel investiert, wie noch vertretbar gewesen sei. „Ich bin aber schon irritiert, dass einige jetzt auf der Liste aufgeführte Mängel damals nicht behoben wurden.“ Es sei jedoch schwierig, im Nachhinein aufzuarbeiten, wer damals hätte tätig werden müssen, wenn er denn Kenntnis von diesen technischen und baulichen Defiziten gehabt habe.

Klinikum-Vorstand Peter Hutmacher ist erst seit neun Monaten im Amt. Er hatte in dieser Zeitung angekündigt, Missstände zügig zu beheben – sofern dies nicht bereits geschehen sei, etwa bei der Warmwasserversorgung. Er hatte die Baukosten für den Neubau der Kinderklinik mit 25 Millionen Euro beziffert. Dieser könne, wenn alles nach Plan verlaufe, in vier Jahren fertig sein.

Landrat Müller äußert sich zurückhaltender: Die Planung und damit die Baukosten würden derzeit noch einmal überprüft. „Ich möchte nicht, dass es da während der Bauphase zu unerwarteten Überraschungen kommt.“ Die abschließenden Planungen sollen bis Ende des Jahres vorliegen. Das Land fördert den Neubau mit 16.3 Millionen Euro. Das Geld liegt bereits auf dem Konto des Kreises.

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