Afrikaner beklagt Armbruch – Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Verdächtigen – Demo gegen Rassismus
Aus Fremdenhass zugeschlagen?

Herford (WB). War es ein rassistisch motivierter Gewaltausbruch? Mamadou Barry und seine Unterstützer sind sich dessen sicher. So sicher, dass sie nach dem mutmaßlichen Übergriff auf dem Spielplatz am Sennenbusch, bei dem Barry der linke Unterarm gebrochen worden sein soll, in die Öffentlichkeit gehen und für den 10. Oktober zu einer Demonstration aufrufen.

Samstag, 03.10.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 03.10.2020, 21:06 Uhr
Mamadou Barry (28) soll auf dem Spielplatz am Sennenbusch Opfer eines Übergriffs geworden sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung. Foto: Winde
Mamadou Barry (28) soll auf dem Spielplatz am Sennenbusch Opfer eines Übergriffs geworden sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung. Foto: Winde

Mamadou Barry stammt aus dem westafrikanischen Guinea. Nach eigenen Angaben kam er vor knapp drei Jahren nach Deutschland, seit zwei Jahren lebt er in Herford, macht derzeit eine Ausbildung zum Kraftfahrer. Als er am 8. August, einem Samstag, morgens in der Hensel-Filiale am Penny an der Elverdisser Straße Brötchen kaufen wollte, habe der Ärger begonnen. Weil so viele Kunden anstanden, reichte die Schlange bis auf den Parkplatz. Dort habe er vor einem schwarzen Auto gestanden.

„Plötzlich kam ein Mann auf mich zu und sagte, ich hätte sein Auto beschädigt.“ Er habe das verneint, es sei auch nirgends ein äußerlicher Schaden an dem Fahrzeug zu sehen gewesen. Der Mann habe ihn dann aufs Übelste beschimpft, unter anderem gesagt, dass alle Afrikaner Sch... seien und er ja so schwarz wie sein Auto sei. „Wir haben uns gestritten, ich habe ihm gesagt, dass er ruhig die Polizei rufen könne. Die anderen Menschen dort haben mir gesagt, ich solle ihn ignorieren“, berichtet der 28-Jährige. Der Mann sei kurz darauf verschwunden.

„Mit Schlagstock verletzt“

Er selbst sei dann mit den Brötchen nach Hause gegangen – über den Spielplatz am Sennenbusch. Dort hätte ihn aber der Mann, diesmal in Begleitung weiterer Personen, bereits erwartet. Wie sich hinterher herausstellte, wohnt er in Mamadou Barrys Nachbarschaft. „Ich hatte ihn vorher aber noch nicht gesehen.“ Es sei erneut zum Streit gekommen, der Mann habe dann mit einem Schlagstock auf ihn eingeschlagen. Zur Abwehr habe er den linken Unterarm vor den Kopf gehalten. Der sei durch zwei Schläge gebrochen worden. Als er weggelaufen sei, habe der Mann mit dem Stock noch nach seinen Knien geschlagen. Seine Frau habe dann die Polizei benachrichtigt, die den Vorfall zu Protokoll nahm. Er selbst habe den Mann wegen des Angriffs angezeigt.

Barrys Frau – beide haben einen in Herford geborenen, zwei Jahre alten Sohn – fühlt sich seitdem in der Umgebung unwohl. „Ich bin hier auch öfter alleine unterwegs, wenn ich zur Arbeit muss“, sagt die 23-Jährige, die eine Ausbildung zur Pflegefachkraft macht.

Anwalt eingeschaltet

Im Pressebericht der Polizei fand der Vorfall keine Erwähnung. Warum nicht? Dazu macht die Polizei keine Angaben, bestätigt aber auf Nachfrage, dass eine entsprechende Anzeige vorliege. „Darin ist von rassistischen Motiven jedoch keine Rede“, erklärt eine Sprecherin. Die Akte liegt mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld. „Es geht um gefährliche Körperverletzung“, bestätigt ein Sprecher. Die Behörde ermittle gegen einen 23 Jahre alten gebürtigen Türken.

Mamadou Barrys Anwalt Jan-Wolfgang Hecker kann noch keine weitere Angaben machen. „Ich habe Akteneinsicht beantragt.“ Aufgrund der Schilderungen seines Mandanten gehe er jedoch von „eindeutig fremdenfeindlichen Motiven“ aus. Er wolle zivilrechtliche Ansprüche durchsetzen, also Schadensersatz, in einem möglichen Strafverfahren eventuell als Nebenklagevertreter auftreten.

Meshut Cakar vom soziokulturellen Zentrum FlaFla kritisiert das Verhalten der Polizei. „Ein solch rassistischer Angriff darf nicht verschwiegen werden.“ Deshalb ruft das FlaFla mit anderen Gruppen für Samstag, 10. Oktober, zu einer Demo „Gegen rassistische Gewalt überall“ auf. Start ist um 14 Uhr am Bahnhof.

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