Die Corona-Krise trifft Herforder Textilhersteller mit voller Wucht
Abschied von der Nähmaschine

Herford (HK). Die Corona-Krise zwingt die Herforder Textilindustrie zu Entlassungen . Mitten in der Pandemie geben die Ahlers AG (80 Mitarbeiter, davon 65 in Herford), Bugatti (100 Mitarbeiter) und Brax (120 bis 140 Mitarbeiter) zusammengerechnet 300 bis 320 Arbeitsplätze auf.

Montag, 05.10.2020, 05:29 Uhr
Frank Branka (links) und Peter Kleint von der IG Metall raten den von Entlassungen bei Ahlers (oben links), Brax (oben rechts) und Bugatti (Mitte) betroffenen Mitarbeitern, auf eine Transfergesellschaft zu setzen, wenn die Bedingungen stimmen. Montage: Stephan Rechlin

Wo aber sollen die betroffenen Industriekaufleute, Musterschneiderinnen, Techniker, Näherinnen und Büglerinnen jetzt hin? Wer stellt mitten in der Krise neue Mitarbeiter ein? Eines der drei betroffenen Unternehmen wählt mit der Transfergesellschaft „Personal Transfer West GmbH“ einen konstruktiven, kooperativen Weg, um den eigenen Mitarbeitern in dieser Situation zu helfen.

Transfer-Kurzarbeitergeld

Wenn betroffene Mitarbeiter auf ihre Kündigungsfristen und eine Kündigungsschutzklage verzichten und die Hilfe dieser Transfergesellschaft in Anspruch nehmen, werden sie von erfahrenen Beratern unterstützt, eine neue berufliche Perspektive aufzubauen. Sie sind während der gut einjährigen Beratungsphase durch das Transferkurzarbeitergeld abgesichert, das vom Arbeitgeber aufgestockt wird. Dieses Kurzarbeitergeld wird von der Agentur für Arbeit gezahlt. Die Höhe beträgt 60 Prozent des durchschnittlichen Nettoentgelts. Wer Vater oder Mutter ist, erhält 67 Prozent. Die restlichen Kosten für die Qualifizierungen, die Verwaltungskosten der Transfergesellschaft und die sogenannte Aufstockung des Nettolohns trägt der Arbeitgeber. Dazu kommen die Sozialversicherungskosten für die Arbeitnehmer, die der Arbeitgeber beim Transferkurzarbeitergeld anders als beim „normalen“ Kurzarbeitergeld, auch vollständig finanziert und die Lohnkosten für Urlaubs,- und Feiertage, da an diesen Tagen kein Transferkurzarbeitergeld von der Agentur für Arbeit gezahlt wird.

Der Arbeitgeber wiederum wird sofort von den Personalkosten entlastet. Er muss keine Kündigungsfristen einhalten und vermeidet Kündigungsschutzprozesse – die Mitarbeiter scheiden ohne Verzögerung aus. Frank Branka und Peter Kleint von der IG Metall setzen sich auch in den beiden anderen Unternehmen für diesen Lösungsweg ein: „So werden sie Arbeitsplätze sozialverträglich abgebaut, das Image des Unternehmens bleibt positiv.“

Mögliche Fallstricke

Allerdings weisen die beiden Gewerkschaftssekretäre in ihren Beratungsgesprächen auch auf mögliche Fallstricke hin: „Falls ein Arbeitgeber mit dieser Variante nur die Abfindungszahlungen sparen will, raten wir von einem Übergang in die Transfergesellschaft ab.“ Das gelte ebenso, wenn absehbar sei, dass die Transfergesellschaft die Mitarbeiter nur auf Leiharbeitsstellen abschieben wolle: „Beide Einwände treffen im Falle der Personaltransfer West aber nicht zu. Die Gesellschaft arbeitet seriös.“

Trotz Corona-Krise gibt es Branchen, die Personal suchen. Dem jüngsten Bericht der Arbeitsagentur zufolge sind das vor allem die Möbelindustrie, Versand- und Logistikanbieter, die Bau- und die Gesundheitsbranche.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7616138?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Teil-Lockdown wird bis in den Januar verlängert
Zusammengestellte Stühle stehen vor einem gastronomischen Betrieb in Potsdam.
Nachrichten-Ticker