Blockbuster-Start erneut verschoben – wegen Corona-Krise deutlich weniger Kinogänger
Auch James Bond kann nicht helfen

Herford (WB). Selten war ein Titel programmatischer. „Keine Zeit zu sterben“ ist auf zwei Plakaten am Capitol zu lesen, die auf den neuen Bond-Film hinweisen. „Ja, es geht gerade ums Überleben und wir werden durchkommen“, gibt sich Programmmacher Christoph Maier kämpferisch.

Freitag, 16.10.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 16.10.2020, 06:44 Uhr
Noch wird der November als Startmonat genannt, doch kommt der neue Bond-Film erst im April 2021 in die Kinos Foto: Hartmut Horstmann
Noch wird der November als Startmonat genannt, doch kommt der neue Bond-Film erst im April 2021 in die Kinos Foto: Hartmut Horstmann

Große Verleiher ziehen Filme zurück

Dabei ist es gerade James Bond, der den Kinobetreibern einen weiteren Strich durch die dürftige Jahresrechnung macht. Ursprünglich sollte der Film im April starten, doch coronabedingt wurde der Termin in den November verschoben. „Das war unser großer Hoffnungsträger“, sagt Maier – bis jetzt die Nachricht eintraf, dass der Film erst im April 2021 in die Kinos kommen wird.

Die Entwicklung sei wirklich sehr traurig, meint der Programmmacher und verweist darauf, dass die großen Verleiher fast alles zurückgezogen hätten. Doch immerhin gebe es deutsche Anbieter wie Constantin-Film, die sich redlich bemühten, die Kinos mit guten Filmen zu versorgen. Auch in besonders schwierigen Zeiten bemüht sich Christoph Maier, den berühmten Silberstreif am dunklen Horizont zu sehen.

Ein Drittel der normalen Besucherzahl

Dabei sprechen die Zahlen erst einmal eine andere Sprache. In normalen Zeiten finden 420 Besucher in den vier Sälen des Kinos Platz. Derzeit sind es etwa 200. Weniger Kinogänger sind zugelassen und weniger kommen auch. Der Programmmacher geht davon aus, dass das Kino derzeit vielleicht auf ein Drittel der normalen Besucherzahl kommt. Genaue Zahlen will er nicht nennen: „Das habe ich mir abgewöhnt.“

Doch immerhin kann Maier drei Filme aus deutschen Landen auflisten, die auch in Herford „gut bis ganz ordentlich laufen“. An erster Stelle die Neuverfilmung von „Jim Knopf“ – aber auch der neue Til Schweiger mit dem gewöhnungsbedürftigen Titel „Gott, du kannst ein Arsch sein“ und die Komödie „Es ist zu deinem Besten“ mit Heiner Lauterbach kämen gut an.

Dass es dennoch eine gewisse Scheu geben mag, ein Kino zu besuchen, hat laut Maier mit Angst, aber vielleicht auch falschen Vorstellungen zu tun: „Es ist zum Beispiel nicht so, dass man im Kinosaal eine Maske tragen muss, während man den Film schaut.“ Manche Leute wüssten das nicht, hat der Kinoexperte erfahren.

„Es kommen bessere Tage”

Gleichwohl lege das Team großen Wert auf die Einhaltung der Hygienerichtlinien. Bis zum Sitzplatz besteht im gesamten Kino Maskenpflicht, auch ist namentlich nachvollziehbar, wer wo gesessen hat. Um das ganze Prozedere zu vereinfachen, empfiehlt Maier die Online-Buchung.

Dass das Kino bei vielen Herfordern beliebt ist, erfuhren die Betreiber zu Beginn der Corona-Schließung in einer Gutschein-Aktion. Für mehr als 12.000 Euro seien Gutscheine verkauft worden. Um das Kino am Leben zu erhalten, wurde das Personal zurückgefahren und der Hauseigentümer kommt den Betreibern mit einer Mietminderung entgegen.

Gerade die Herbstzeit bis Weihnachten, in der die Tage kürzer werden, gilt als besonders gute Kinozeit. Von den Zahlen der vergangenen Jahre können die Verantwortlichen noch nicht einmal träumen. So wurden im Jahr 2016 etwa 75.000 Besucher gezählt.

Doch in Zeiten, in denen die Blockbuster ausbleiben, müssen die Capitol-Macher in anderen Dimensionen denken. Hinzu kommt: Auch lokale Kooperationen, für die das Kino bekannt ist, sind laut Maier derzeit nicht möglich: „Wir haben dazu einfach keine Kapazitäten.“ Sagt es – und verabschiedet sich mit einem Satz, der an den Bond-Titel „Keine Zeit zu sterben“ anknüpfen könnte: „Herr Horstmann, es werden wieder bessere Tage kommen.“

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