Er spielte in der Kakadu-Combo – Ex-Meierfeld-Hauptschulleiter Peter Wilcek veröffentlicht Musikerbuch
Kein Hit, aber viele Anekdoten

Herford (WB). „Immer knapp am Hit vorbei“: So lautet der Titel eines Buchs, in dem Peter Wilcek Anekdoten seines Musikerlebens schildert. Nie ein Hit? Verhungern musste der gebürtig aus Petershagen stammende Multiinstrumentalist dennoch nicht, denn im bürgerlichen Beruf ist er Lehrer: Viele Jahre war er in Herford tätig.

Montag, 19.10.2020, 05:26 Uhr aktualisiert: 19.10.2020, 05:50 Uhr
Der Musiker und frühere kommissarische Leiter der Hauptschule Meierfeld präsentiert sein Buch „Immer knapp am Hit vorbei“. Noch heute ist der 64-Jährige musikalisch sehr aktiv. Nicht nur in der Region bekannt ist vor allem seine CCR-Revival-Band. Foto: Klaus Gosmann
Der Musiker und frühere kommissarische Leiter der Hauptschule Meierfeld präsentiert sein Buch „Immer knapp am Hit vorbei“. Noch heute ist der 64-Jährige musikalisch sehr aktiv. Nicht nur in der Region bekannt ist vor allem seine CCR-Revival-Band. Foto: Klaus Gosmann

100 Seiten pralles Leben

Fast zwei Jahrzehnte lang hat er an der Hauptschule Meierfeld unterrichtet, genauer gesagt bis zu deren Auflösung im Sommer 2018: Die letzten Jahre war er dort kommisssarischer Schulleiter – ein Posten, den er daran anschließend seitdem auch an der Hauptschule Lohfeld in Bad Salzuflen bekleidet.

Mittlerweile befindet sich der 64-Jährige auf der Zielgeraden seiner Schul-Laufbahn: Mit seinem Renteneintritt am 1. Dezember 2021 ist damit Schluss.

Was mutmaßlich jedoch nicht für seine Tätigkeit als Musiker gilt, die was Auftritte betraf, dieses Jahr coronabedingt oft den Blues schob. Stattdessen nutzte er die Zeit, das rund 100 Seiten pralles Leben zählende Buch fertigzustellen. Darin erinnert er sich in seiner Eigenschaft als Musiker auch an seine Berührungspunkte mit Herford und Umgebung. So sorgte er von 1984 bis 86 als Saxofonist für das Sahnehäubchen auf dem Retro-Rock’n’Roll-Sound der „Kakadu-Combo“. Sein Bühnenpseudonym war da nur konsequent gewählt: Kuno Kanne.

Mitglied der Kakadu-Combo

Im Buch schildert er, wie ihn im April des durch George Orwell in seinem gleichnamigen Roman in düstersten Schattierungen beschriebenen Jahres 1984 ein Anruf ereilte. Dieser sollte ihn alsbald in die schrill-bunte Paradiesvogel-Welt der „Kakadus“ katapultieren, die ihr Publikum auf eine Reise in die Zeit des Wirtschaftswunders und des deutschen Rock’n’Rolls mitnahmen: die Glanzzeit von Peter Kraus und Ted Herold, Pettycoats und Schmalztolle.

„Musikalisch jetzt nicht so der Wahnsinn, aber optisch der Hammer!“, sinniert Wilcek rückblickend in dem kleinen Buch. Die Band suchte einen Saxofonisten für einen Auftritt, der mitgeschnitten werden sollte: die Theater-Tapes. Die Gage sei eher gering gewesen, dafür wurde ihm angeboten, auch noch bei den anderen Gigs der Band an dem Wochenende zu spielen. Mit seiner „Kanne“ bereicherte er schließlich zwei Jahre lang den Sound der Band, deren Shows stets weit mehr als bloße Konzerte waren.

Im Namensglossar des Printprodukts dann ringt sich der Bühnenroutinier doch noch ein Lob gänzlich ohne Abstriche ab: „Mitte der 80er eine der besten Bands für Deutsch-Rock’n’Roll der 50er und 60er“. „Ich habe an die Zeit mit der Band viele tolle Erinnerungen und fand es klasse, dass ich endlich mal nur Sideman war“, blickt er im Gespräch zurück.

Plumpsklo im Schweinestall

Launig rollt das Buch eine Musikerkarriere auf, die nicht wenige Künstlerkollegen in OWL eingeschlagen haben dürften, in dem sie ihr durchaus ambitioniertes Musikerdasein mit dem Lehrerberuf vereinten. Zugleich fungiert das Buch auch als Sittengemälde von den Nachkriegs-Fünfzigern auf dem Land über die Hippie-Zeit der 60er Jahre, und deren Ausläufer zu Beginn der 70er, bis hin zur Gegenwart. Pointiert beschreibt Wilcek seine zwar materiell alles andere als begüterte, aber dennoch glücklich wirkende Kindheit (mit Plumpsklo im Schweinestall).

Ferner geht es um die ersten Schritte in der Musik als Saxofonist und Klarinettist im Schulorchester des Mindener Besselgymnasiums, als Musiker in der Schlüsselburger Feuerwehrkapelle, als Sänger im Schulchor und als Kirchenorgel-Schüler. Und es geht um die ersten Band-Erfahrungen.

Dann, so schreibt er, erfolgte der Wechsel zum deutlich musischer ausgerichteten Grabbe-Gymnasium in Detmold mit sechs Stunden Musik in der Woche, Chor und Orchester. Da blieben Fortschritte nicht aus, die gleich danach feierabends als bezahlter Auftrittsmusiker dem Praxistest unterzogen wurden, unter anderem mit der Tanzkapelle „Les Caliers“, „Jet Five“ und den Mindener „MG’s“, aus denen später die „New MG’s“ hervorgingen.

Abitur auf Zweitem Bildungsweg

Der Rubel rollte, und Wilcek genoss es alsbald, seinen eigenen BMW 2002 neben dem VW Käfer des Schuldirektors parken zu können. Die Schule des (Musiker-)Lebens lockte, der reale Schulbesuch zunehmend weniger, sodass Wilcek schließlich erst später sein Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg am Mindener Weser-Kolleg nachholen sollte.

Zu seinen weiteren musikalischen Stationen zählten unter anderem die „Dominos“, „Skyliner“, „Time“ und „Timeless“. Neben Tanz- und Top-40-Musik gab’s aber auch jede Menge anderer Projekte: zum Beispiel das Saxofon-Quartett „Abraxsax“ und die „CCR Revival Band“, die bis heute die Musik von John Fogerty & Co. wiederauferstehen lässt, nicht zu vergessen seine Tätigkeiten im Musicalbereich. Bestellt werden kann das jetzige Buch zum Preis von 10 Euro unter der Mail-Adresse pwilcek@aol.com und unter Tel. 0175/5053037.

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