Trockene Sommer und Mähroboter bedrohen Population
Immer mehr verletzte Igel

Herford/Dortmund (WB). „So viele abgemagerte und lädierte Igel wie in diesem Jahr gab es noch nie“, sagen Tierschützer. Schuld seien der trockene Sommer und der vermehrte Einsatz von Mährobotern und Trimmern. „Der Igel ist definitiv in Gefahr“, betont Verena Falk (42), Vorsitzende des Vereins Igelhilfe Herford-OWL.

Dienstag, 20.10.2020, 06:00 Uhr
Mähroboter können den Tieren schlimme Verletzungen zufügen, die nur schwer verheilen. Foto:
Mähroboter können den Tieren schlimme Verletzungen zufügen, die nur schwer verheilen.

Sie kümmert sich seit Jahren um verletzte oder abgemagerte Igel. Um Tiere, die zu schwach sind, allein in der Natur zu überleben. Um Igeljunge, die offensichtlich zu Waisen geworden sind, weil ihre Mutter von der immer mühsameren Futtersuche nicht mehr zurückgekehrt ist. Vielleicht von einem Auto angefahren?

50 Igel in Obhut

Noch nie zuvor jedenfalls hat Falk so viele verletzte Igel gesehen und behandelt wie in diesem Jahr. Gemeinsam mit drei weiteren ebenfalls ehrenamtlich tätigen Mitstreitern päppelt sie im Moment etwa 50 Igel auf. „Täglich rufen uns Bürger an, die einen verletzten oder geschwächten Igel gefunden haben und ihn bei uns abgeben möchten“, erzählt die Herforderin. Sie betont aber auch: „Wir sind an unsere Kapazitätsgrenze angekommen.“

Dem Igel geht es inzwischen so schlecht, dass er in NRW auf der Vorwarnliste zur sogenannten roten Liste bedrohter Tierarten steht. In Bayern etwa und einigen anderen Bundesländern steht der Erinaceida – so der wissenschaftliche Name des putzigen Säugetieres mit den Knopfaugen – bereits auf der roten Liste. Genaue Angaben über die heimische Population gibt es aber nicht. Die Zahl der Igel geht laut Heinz-Sielmann-Stiftung seit Jahren zurück.

Gefährliche Mähroboter

Neben Mährobotern, die den Tieren tiefe Wunden zufügen, die nur schwer verheilen, sind auch die zuletzt trockenen Sommer ein Problem für den Igel. Die Tiere finden kaum etwas zu fressen. So landen auch zahlreiche unterernährte Exemplare in den Auffangstationen. Das Wuppertaler Netzwerk Igel etwa pflegt derzeit mehr als 100 Tiere – und nimmt vorerst keine weiteren auf.

Auch in Dortmund sei man trotz einer guten Organisation mit den Pflegekapazitäten an der Grenze, sagt Vorsitzende Beate Dinslage. Das Telefon stehe kaum still, permanent würden Funde von halb verhungerten Tieren gemeldet. Normalerweise sei es problemlos möglich, mehrere Igel gleichzeitig aufzupäppeln – bei verletzten sehe das aber anders aus. Dann steige der Aufwand enorm.

Etliche Tiere tragen zum Beispiel Knochenbrüche davon, weil sie von Laubbläsern durch die Luft gewirbelt werden. Auch die Corona-Pandemie habe zu der schwierigen Situation beigetragen. „Viele Menschen sind wochenlang zu Hause geblieben und haben ihre Gärten klinisch rein geharkt und geschnitten und damit den Lebensraum der Igel zerstört“, sagt Dinslage. „Gerade im Frühjahr wurden dabei viele Exemplare ungewollt ausgegraben.“

Ohne Hilfe kommen abgemagerte Tiere nicht durch die kalte Jahreszeit. Ihnen fehlen die notwendigen Kraftreserven für den Winterschlaf. Gerade bei Jungtieren ist das ein Problem. Wegen des knappen Nahrungsangebots konnten die Igelmütter oft nicht genug Milch für ihre Jungen produzieren, so dass diese untergewichtig blieben. Mindestens 500 bis 600 Gramm sollte ein junger Igel wiegen, um es über den Winter zu schaffen. Ausgewachsene Exemplare bringen es oft auf mehr als ein Kilo.

Milch und Äpfel ungesund!

Gartenbesitzer können Igeln helfen. Die Tiere brauchen ein abgestecktes, geschütztes Areal und einen Ort, an den sie sich zurückziehen können – eine Kiste zum Beispiel. Sind sie abgemagert, sollten sie im Warmen aufgepäppelt werden, also im Haus oder in der Wohnung, am besten in einer mit Zeitungsschnipseln ausgelegten großen Kiste, in dem zusätzlich eine überdachte Rückzugsmöglichkeit bereitgestellt wird (z.B. ein Schuhkarton). Als Nahrung eignen sich Katzenfutter und ungewürztes Rührei, Äpfel und Milch vertragen die Tiere nicht.

Im Frühling werden die Igel in der Regel dort wieder ausgewildert, wo sie gefunden wurden, denn die Einzelgänger sind sehr reviertreu. Zählt zu diesem Revier der eigene Garten, sollte man dafür sorgen, dass ein Unterschlupf für die nachtaktiven Tiere vorhanden ist. Katzen sind keine Gefahr, sie fressen den Igeln höchstens das Futter weg. Der größte natürliche Feind ist der Marder.

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