Fallzahlen steigen sprunghaft – Inzidenzwert bei 41,9 – wenige Patienten in Kliniken
Herford schon Donnerstag Risikogebiet?

Herford (WB). Im Kreis Herford steigen die Corona-Zahlen sprunghaft an: Die erste Gefahrenstufe ist erreicht – und schon für Donnerstag wird erwartet, dass auch die Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen übertroffen wird. Am Mittag will der Krisenstab in einer Pressekonferenz weitere Details bekannt geben.

Mittwoch, 21.10.2020, 18:07 Uhr aktualisiert: 21.10.2020, 19:24 Uhr
Denkmal mit Mund-Nasenschutz in der Bäckerstraße: Sollte der Inzidenzwert über 50 steigen, wird es innerhalb des Walls eine Maskenpflicht geben. Entsprechende Schilder – in Form von laminierten Zetteln – sind schon in Vorbereitung. Wer sich nicht daran hält, muss mit einem Bußgeld rechnen. Foto: Moritz Winde
Denkmal mit Mund-Nasenschutz in der Bäckerstraße: Sollte der Inzidenzwert über 50 steigen, wird es innerhalb des Walls eine Maskenpflicht geben. Entsprechende Schilder – in Form von laminierten Zetteln – sind schon in Vorbereitung. Wer sich nicht daran hält, muss mit einem Bußgeld rechnen. Foto: Moritz Winde

Die Bürger müssen sich auf weitere Einschränkungen gefasst machen – unter anderem soll eine Maskenpflicht innerhalb des Walles eingeführt werden. Auch eine Sperrstunde für die Gastronomie ab 23 Uhr würde gelten. Und Feiern im öffentlichen Raum würden auf zehn Personen begrenzt. Am Abend diskutierte Landrat Jürgen Müller mit den Bürgermeistern in einer Video-Schalte das Vorgehen im voraussichtlichen Risikogebiet.

Seit Dienstag sind 28 Infektionen dazu gekommen. Kreisweit gibt es 120 Infizierte. Insgesamt sind 855 Infektionen bekannt. Der Inzidenzwert lag gestern bei 41,9 – Tendenz steigend. Diese Zahl muss jedoch in Relation gesetzt werden. Nur acht Patienten – ihr Durchschnittsalter beträgt 70 Jahre – müssen derzeit im Klinikum mit Symptomen behandelt werden, alle liegen auf der Normalstation.

Markus Altenhöner, Leiter des Krisenstabs beim Kreis, überrascht die Entwicklung mit Blick auf die regionale und landesweite Lage nicht: „Wir gehen davon aus, dass die Werte weiter steigen.“ Das kann damit zusammenhängen, dass ausgewertete Corona-Tests den Behörden mit zeitlicher Verzögerung von ein bis zwei Tagen übermittelt werden. Altenhöner: „Deshalb bereiten wir uns jetzt schon auf die zweite Gefahrenstufe vor. Um die Gefahr langfristig einzudämmen, werden jetzt die Schutzmaßnahmen ebenfalls verstärkt.“

Fußballer in Quarantäne

Der Kreis hat eine Allgemeinverfügung erlassen, die um Mitternacht in Kraft tritt. Sie basiert auf den in der Schutzverordnung festgelegten Maßnahmen des Landes NRW. Eine Mund-Nasen-Bedeckung wird überall da empfohlen, wo der Abstand nicht eingehalten werden kann.

Die aktuell hohe Zahl an Neuinfizierten lässt sich auf kein konkretes Geschehen zurückführen. Nach wie vor sei die Zahl der neuinfizierten Kontaktpersonen steigend, so Dr. Marie-Luise Kluger, Leiterin des Gesundheitsamtes: „Das Infektionsgeschehen ist allgemein sehr hoch – das hatten wir für den Herbst erwartet. Eine Infektionswelle in dieser Jahreszeit ist typisch. Entsprechend hoch ist auch die Anzahl der durchgeführten Tests, deshalb werden die Zahlen weiter steigen.“

Landrat Jürgen Müller und Dr. Marie-Luise Kluger wollen am Donnerstagmittag während einer Pressekonferenz im Kreishaus über den aktuellen Stand der Lage informieren.

Landrat Jürgen Müller und Dr. Marie-Luise Kluger wollen am Donnerstagmittag während einer Pressekonferenz im Kreishaus über den aktuellen Stand der Lage informieren. Foto: Moritz Winde

Unter den Neuinfizierten ist ein Fußballer der Spvg. Hiddenhausen. „Aufgrund der nun voraussichtlich bis zum 1. November folgenden Quarantäne der am Sonntag aktiven Spieler fallen die Spiele gegen den FC Herford (Meisterschaft) am Sonntag sowie gegen den TuS Bruchmühlen (Pokal) am 29. Oktober aus“, heißt es auf der Internetseite des Vereins.

Viel Arbeit in der Abstrichstelle

Der Anstieg der Zahlen bedeutet für das Team der Abstrichstelle in Herringhausen jede Menge zusätzliche Arbeit. „Wir haben deutlich mehr zu tun – weil sich mehr testen lassen müssen und weil sich mehr testen lassen wollen“, sagte ein Sprecher des Test-Zentrums. Die Verunsicherung sei spürbar gestiegen. Viele wollten auf Nummer sicher gehen und nähmen die Kosten in Höhe von 50 Euro in Kauf. Wegen des Andrangs erweitert die Abstrichstelle seine Öffnungszeiten und hat an diesem Samstag und Sonntag geöffnet – von 10 bis 14 Uhr.“

Mehr Infizierte, mehr Schwerkranke? In der Tat müssen wieder mehr Menschen in den beiden Herforder Kliniken behandelt werden – im Klinikum sind es – Stand Mittwochnachmittag – acht, im Mathilden-Hospital zwei. Allerdings: Keiner davon befindet sich in Intensivbehandlung oder muss künstlich beatmet werden. Es handelt sich durchweg um ältere Menschen. Zum Vergleich: Am Dienstag lagen nur drei Corona-Infizierte in Krankenhäusern.

Klinikumchef Peter Hutmacher will trotz der Lage Optimismus verbreiten: „Natürlich wird die Anzahl der Fälle steigen, aber wir sind in einer ganz anderen Situation als noch im März und April. Wir haben deutliche medizinische Fortschritte gemacht, wissen mehr über Therapiemöglichkeiten.“ Und auch in puncto Sicherheit und Hygiene sei man in den Kliniken auf einem anderen Level: „Niemand muss Sorge haben, dass es an Schutzmaterialien fehlt.“

Mund-Nasen-Schutz auch nach Corona?

Sorge bereitet Peter Hutmacher hingegen, dass offenbar immer mehr Menschen mit Grunderkrankungen wie Herzbeschwerden, Schlaganfällen oder Krebs den Arztbesuch meiden – aus Angst, sich mit Corona anzustecken. „Das könnte Folgeerkrankungen auslösen, die dann weitaus schlimmer sind.“

Peter Hutmacher zeigt sich zuversichtlich, dank der hohen Disziplin in der Bevölkerung gut durch den Herbst und Winter zu kommen. Und sollte sich Covid-19 irgendwann erledigt haben, plädiert er – abhängig vom Infektionsgeschehen – während der Corona-Pandemie erprobte Schutzmaßnahmen im Alltag weiter einzuhalten. „In der Grippezeit sollten wir aufs Händeschütteln verzichten, und da wo viele Leute zusammenkommen und es eng wird, sollte darüber nachgedacht werden, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Die aktuell infizierten Personen verteilen sich auf Herford (44), Spenge (4), Bünde (26), Löhne (14), Vlotho (8), Enger (11), Rödinghausen (7), Hiddenhausen (4) und Kirchlengern (2). Im Kreis Herford gibt es insgesamt acht Todesfälle, wobei sechs (laut Totenschein) an Corona verstorben sind und zwei mit Corona.

Maximal 25 Gäste erlaubt

Verpflichtend ist ab dem Überschreiten des Inzidenzwertes von 35 die Begrenzung der Teilnehmerzahl bei Festen aus herausragendem Anlass auf 25 Personen. Bei Veranstaltungen, Versammlungen und Kongressen dürfen maximal 1000 Personen teilnehmen.

Die Maskenpflicht gilt nun auch auf Märkten und nicht mehr nur an Marktständen sowie bei Beerdigungen. Bei Zusammenkünften nach Beerdigungen, standesamtlichen Trauungen und Zusammenkünften vor dem Ort der Trauung gilt keine Abstandspflicht unter nahen Angehörigen (aber Hygienevorkehrungen und einfache Rückverfolgbarkeit).

Maskenpflicht am Sitzplatz

Die Einhaltung des Mindestabstandes von 1,5 Metern gilt auch bei festen Sitzplätzen und Vorliegen eines namentlichen Sitzplans – so zum Beispiel beim Stadttheater. In einer Besprechung wollen Andreas Kornacki, Geschäftsführer der Kultur gGmbH, und das Theaterteam heute das weitere Vorgehen besprechen.

Sicher ist, dass während der Aufführungen, so auch bei Sportveranstaltungen (draußen und drinnen) oder im Kino, Masken getragen werden müssen. Die Mindestabstandspflicht gilt auch bei Veranstaltungen und Versammlungen, bei Unterrichtsveranstaltungen und bei Bildungsangeboten.

NWD will nichts absagen

Die Nordwestdeutsche Philharmonie will versuchen, keine Konzerte abzusagen und die Belange aller Abonnenten zu berücksichtigen. Friedrich Luchterhandt, Künstlerischer Betriebsdirektor, sagt, derzeit würden verschiedene Szenarien geprüft. Eine der Varianten, um den Saal auch bei einem Mindestabstand von 1,5 Metern zu bespielen und alle Abonnenten zu erreichen, könnten sogar drei Konzerte sein.

Derzeit spielt die NWD in Herford zwei Konzerte an einem Abend: „Dann müsste an einem anderen Tag ein weiteres Konzert hinzukommen.“ Aber erst einmal muss ein genauer Saalplan erarbeitet werden.

Stärkere Kontrollen

Die Stadt Herford will auf die steigenden Corona-Zahlen reagieren – und kündigt stärkere Überprüfungen an. „Wir werden mehr kontrollieren und das Personal aufstocken. Allerdings nicht mit neuen Kräften, sondern mit vorhandenem Personal, zum Beispiel aus der Verkehrsüberwachung“, sagt Sprecherin Susanne Körner.

Seit dem Frühjahr seien etwa 500 Ordnungswidrigkeits-Verfahren eingeleitet worden. Betroffen waren der Gastro-Bereich, der Handel, die Dienstleistungsbranche, der Einzelhandel und auch Privatpersonen. „Die Bußgelder liegen zwischen 20 und 2000 Euro.“

Geflügelschau abgesagt

Während einige Vereine und Institutionen noch neue Veranstaltungen planen, gibt es nun wieder vermehrt Absagen. Die Ausstellungsleitung und der Kreisverbands-Vorstands haben entschieden, Rassegeflügelschau des Kreisverbands Herford abzusagen.

„Die Gesundheit der Besucher, Aussteller, Helfer und dessen Familien geht uns vor und wir hoffen auf Ihr Verständnis für die Entscheidung“, teilt Schriftführer Volker Frenzel mit. Die Veranstaltung hätte eigentlich an diesem Wochenende vom 23. bis zum 25. Oktober stattfinden sollen.

Prof. Dr. Franz-Josef Schmitz leitet das Corona-Testzentrum in Herringhausen. Wegen des Andrangs hat die Abstrichstelle auch am Samstag und Sonntag geöffnet.

Prof. Dr. Franz-Josef Schmitz leitet das Corona-Testzentrum in Herringhausen. Wegen des Andrangs hat die Abstrichstelle auch am Samstag und Sonntag geöffnet. Foto: Moritz Winde

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