AOK bewertet Krankenhäuser anhand eigener Patientendaten
Wer macht die beste Knie-OP?

Bielefeld/Herford/Rheda-Wiedebrück/Minden (WB). Mit annähernd 200.000 Eingriffen pro Jahr gehört der Einsatz von Knieprothesen wegen Arthrose inzwischen zu den häufigsten Operationen in Deutschland. Er liegt aktuell auf Platz 15. Allein in Ostwestfalen-Lippe bieten mehr als 20 Krankenhäuser diese Operation an.

Montag, 26.10.2020, 03:00 Uhr
Das Wissenschaftliche Institut der AOK hat die Qualität von Knieprothesen-OPs nach einem komplexen System bewertet. Foto: imago
Das Wissenschaftliche Institut der AOK hat die Qualität von Knieprothesen-OPs nach einem komplexen System bewertet. Foto: imago

Dass sie in allen Fällen notwendig ist, bezweifeln Experten. So berichtet die Bertelsmann-Stiftung von großen regionalen Unterschieden, die sich medizinisch nicht erklären ließen. Danach bekamen 2016 in Bayern 260 von 100.000 Menschen eine Knieprothese, in Berlin nur 153. Nordrhein-Westfalen lag mit 201 im Mittelfeld. Allerdings: Im Durchschnitt der Jahre 2005 bis 2011 waren es in NRW nur 118 Eingriffe pro 100.000 Menschen.

Immer mehr jüngere Patienten

Das Wissenschaftliche Institut der AOK bewertet seit Jahren die Qualität von Operationen und hat jetzt aktuelle Daten für Westfalen-Lippe im AOK-Krankenhausnavigator veröffentlicht. Dort wird erstmals auch der Austausch von Knieprothesen bewertet, der aber nicht von allen Krankenhäusern in nennenswerter Zahl durchgeführt wird. Er gewinnt an Bedeutung, weil die Zahl der Prothesenempfänger unter 60 seit Jahren steigt und bis zu 35 Prozent von ihnen irgendwann eine neue Prothese benötigen.

Vier Krankenhäuser ganz vorne

Bei wie vielen Patienten sind im ersten Jahr nach dem Eingriff ungeplante Folge-OPs nötig? Wie oft gibt es im ersten Jahr andere Komplikationen? Wie hoch ist die Sterblichkeit in den ersten drei Monaten? Hinsichtlich dieser Fragen werden nach den aktuellen Auswertungen der AOK (sie vertritt nach eigenen Angaben ein Drittel aller gesetzlich Versicherten in Ostwestfalen-Lippe) beim Einsatz künstlicher Kniegelenke die besten Ergebnisse in vier Krankenhäusern erzielt: Der Innenstadtklinik Minden, dem Mathilden-Hospital Herford, dem St.- Vinzenz-Krankenhaus in Rheda-Wiedenbrück und dem Franziskus-Hospital in Bielefeld.

So wurde bewertet

Wie ist das Wissenschaftliche Institut der Krankenkasse vorgegangen? Qualitäts-Projektleiterin Elke Jeschke: „Das Verfahren ist sehr komplex. Grob gesagt bilden wir aus allen AOK-Patientendaten zu einem bestimmten Eingriff einen bundesdeutschen Durchschnitt. Etwa 60 Prozent der Krankenhäuser erzielen diese Ergebnisse. Rund 20 Prozent der Kliniken sind besser, und etwa 20 Prozent schlechter.“ Um die Häuser wirklich vergleichen zu können, flössen noch viele weitere Faktoren in die Bewertung ein, wie das Alter und mögliche Vorerkrankungen der Patienten. Berücksichtigt würden beim Vergleich auch nur Häuser, die pro Jahr mindestens 50 Knieprothesen einsetzten, weil die Erfahrung der Ärzte mit der Zahl der Eingriffe zunehme.

Das Ergebnis des aktuellen Reports basiert auf anonymisierten AOK-Patientendaten und beleuchtet Operationen zwischen 2016 und 2018. AOK-Sprecher Jens Kuschel: „Aktueller geht es nicht, denn wir prüfen ja auch, wie es den Patienten ein Jahr nach dem Eingriff geht.“

Arzt legt keine Drainage mehr

Prof. Michael Schnabel ist Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie am Franziskus-Hospital in Bielefeld, einer der von der AOK ausgezeichneten Kliniken. Er sagt, ganz wesentlich für gute OP-Ergebnisse sei die Hygiene. „Wir sind eines von nur 20 Häusern in NRW, die das Goldsiegel für Händehygiene haben.“ Um Infektionen im Knie möglichst zu vermeiden, legten seine Ärzte und er keine Wund-Drainage mehr aus dem operierten Knie nach draußen. „Denn die kann ein Einfallstor für Bakterien sein.“ Stattdessen werde die Wunde ein paar Minuten länger offengelassen, bis die Blutungen weitgehend zum Stillstand gekommen seien. Schon während der OP werde alles getan, um möglichst unblutig vorzugehen.

Tackern von Wunden umstritten

Prof. Schnabel: „Ich tackere auch keine Wunde zu, sondern nähe mit der Hand.“ So sei nicht nur das Infektionsrisiko geringer. „Bei älteren Menschen führt Tackern oft zu einem Wellenwurf der Haut, bei der dann Haut an Haut liegt. Das ist nicht gut.“

Diese Art zu operieren dauere zwar länger, aber die Geschäftsführung des Franziskus-Hospitals trage das mit. „Das ist wahrscheinlich nicht in allen Krankenhäusern so. Wo der Umsatz im Vordergrund steht, muss schneller gearbeitet werden.“

Generell sagt Prof. Michael Schnabel zum Thema Knieprothesen: „Es gibt noch Ärzte, die aufs Röntgenbild schauen und dem Patienten sagen, er brauche ein neues Knie.“ Das halte er für falsch. „Ein Patient muss selbst abwägen, wie sehr ihn sein krankes Knie im Alltag belastet und ob er sich deshalb operieren lassen möchte.“

Die Bewertungen der 21 Krankenhäuser in OWL, die Knieprothesen einsetzen, stehen in der Montagsausgabe des WESTFALEN-BLATTS und im E-Paper. Weitere Informationen zu den bewerteten Krankenhäusern auf www.weisse-liste.krankenhaus.aok.de

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