101 neue Fälle – Landrat spricht von einer „dramatischen Infektionslage“
Inzidenzwert 116,5: Kreis Herford Spitzenreiter in OWL

Herford (WB).Vor gut einer Woche lag der Inzidenzwert bei 27 – jetzt bei mehr als 116. Binnen weniger Tage ist der Kreis Herford zum Corona-Schwerpunkt in OWL geworden. Am Montagnachmittag meldete der Kreis die aktuellen Zahlen: Demnach sind seit dem Wochenende 101 neue Corona-Infektionen hinzugekommen. Landrat Jürgen Müller spricht von einer „dramatischen Infektionslage“ und appelliert an die Bevölkerung, die Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten.

Montag, 26.10.2020, 17:39 Uhr aktualisiert: 26.10.2020, 17:43 Uhr
Da muss selbst Elisabeth von der Pfalz Maske tragen: Mit einem Inzidenzwert von 116 ist Herford derzeit der Corona-Hotspot in Ostwestfalen-Lippe. Landrat Jürgen Müller spricht von einer „dramatischen Infektionslage“. Foto: Stephan Rechlin
Da muss selbst Elisabeth von der Pfalz Maske tragen: Mit einem Inzidenzwert von 116 ist Herford derzeit der Corona-Hotspot in Ostwestfalen-Lippe. Landrat Jürgen Müller spricht von einer „dramatischen Infektionslage“. Foto: Stephan Rechlin

Die Zahl der Genesenen ist nach Angaben des Kreises von 747 auf 770 gestiegen. Kreisweit gibt es nun 333 aktuell bestätigte Fälle. Insgesamt sind im Kreisgebiet 1111 Infektionen seit Pandemiebeginn bekannt geworden. Der Inzidenzwert liegt bei 116,5 – der bislang höchste Wert in OWL. Derzeit befinden sich zwölf Personen aus dem Kreis im Krankenhaus. Keiner müsse intensivmedizinisch behandelt werden.

30 Infektionen in einem Unternehmen

Bei den aktuellen Fällen handele es sich überwiegend um Kontaktpersonen zu bereits Infizierten. Auch 21 Reiserrückkehrer befinden sich unter den 333 aktuell bestätigten Fällen. „Zudem wissen viele Infizierte nicht, wo sie sich angesteckt haben könnten. Das zeigt, wie sehr sich das Virus derzeit verbreitet”, erklärt Dr. Marie-Luise Kluger, Leiterin des Kreis-Gesundheitsamtes.

Ihre Prognose verheißt nichts Gutes: „Wir rechnen auch in den kommenden Tagen mit weiterhin hohen Fallzahlen.“ In einem Unternehmen im Kreis (400 Mitarbeiter) seien bislang 30 Infektionen aufgetreten. Der Kreis Herford habe den Arbeitsschutz der Bezirksregierung eingeschaltet und berate über weitere Maßnahmen. Dabei soll es sich um ein gewerbliches Unternehmen außerhalb Herfords handeln. Nähere Angaben macht der Kreis, in Absprache mit dem Unternehmen, auch auf Nachfrage nicht.

Um spezifische Infektionsschwerpunkte gezielt zu erkennen, erstellt das Gesundheitsamt derzeit eine gesonderte Datenbank. „Damit können wir Schwerpunkte noch besser erkennen. Das ermöglicht es uns, effektive Maßnahmen in den betroffenen Bereichen zu ergreifen“, erklärt Kreisdirektor Markus Altenhöner. Mit dem neuen System soll ab der kommenden Woche gearbeitet werden.

Keine Quarantäne ohne Grund

Der Kreis habe auf die stetig steigenden Zahlen bereits reagiert: „Wir haben das Personal im Gesundheitsamt und im Kontaktpersonen-Management nochmals erhöht. Dort sind viele Mitarbeiter damit beschäftigt, die Infektionsketten nachzuverfolgen und zu unterbrechen”, erklärt Landrat Müller. Er spricht angesichts der Ausbreitung des Virus’ auf breiter Front vom „schlimmstmöglichen Verlauf“. „Es gibt im Kreis keinen Hotspot, den man eingrenzen könnte. Wir haben Ansteckungen vor allem in den Familien.“

Müller appelliert an die Bürger: „Beschränken Sie Ihre Kontakte auf das Allernotwendigste.“ Er bittet insbesondere die Kontaktpersonen, sich an die Quarantäne-Anordnung zu halten. „Unser Gesundheitsamt schickt niemanden ohne Grund in Quarantäne.“ Die Ordnungsämter würden die Sperrfrist auch konsequent kontrollieren.

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