Kommunen kündigen verstärkte Kontrollen an – Inzidenzwert steigt auf 179,6 – keine Krankenhausbesuche
Bei Quarantäneverstoß 1000 Euro Bußgeld

Herford (WB/bex). Wegen weiterhin bedenklich steigender Corona-Zahlen greifen die Kommunen durch: Bei einer Missachtung der Quarantäne wird künftig ein Bußgeld von mindestens 1.000 Euro fällig. Darauf haben sich die neun Bürgermeister und Landrat Jürgen Müller geeinigt. „Unsere Ordnungsämter werden die Einhaltung der Quarantäne konsequent kontrollieren. Wir nehmen das sehr ernst“, betont Müller.

Freitag, 30.10.2020, 15:50 Uhr
Die Zahlen von Freitag für die Kommunen im Kreis Herford. Foto: Winde
Die Zahlen von Freitag für die Kommunen im Kreis Herford. Foto: Winde

Denn seit Donnerstag sind kreisweit 72 neue Corona-Infektionen hinzugekommen. Der Inzidenzwert liegt nun bei 179,6. Die Zahl der Genesenen steigt von 789 auf 838. Derzeit befinden sich 18 Personen in stationärer Behandlung. „Davon werden zwei intensivmedizinisch behandelt“, teilt der Kreis mit. Die aktuell Infizierten verteilen sich auf Herford (200), Spenge (14), Bünde (145), Löhne (79), Vlotho (27), Enger (41), Rödinghausen (13), Hiddenhausen (30) und Kirchlengern (17). Dabei handele es sich weiterhin überwiegend um Kontaktpersonen zu bereits Infizierten. Auch 38 Reiserückkehrer befänden sich unter den 566 aktuell bestätigten Fällen. Einige Personen wüssten nicht, wo sie sich infiziert hätten.

Die Bürgermeister und der Landrat haben sich in einer Videokonferenz zu den neuen Corona-Maßnahmen des Bundes ausgetauscht. Grundsätzlich begrüßt Landrat Müller die Verschärfung. „Ich bin mir bewusst, dass die Maßnahmen tief greifend sind, besonders für die Freizeit- und Kultureinrichtungen sowie die Gastronomie. Hier muss es jetzt schnelle und unbürokratische Hilfe geben.“ Kontakte seien auf ein Minimum zu reduzieren. Positiv: „Wir haben genügend Kapazitäten in unseren Krankenhäusern – auch auf den Intensivstationen. Doch damit das so bleibt, müssen wir die Infektionen eindämmen“, betont der Landrat.

Zehn weitere Soldaten helfen

Ab Montag unterstützt die Bundeswehr das Gesundheitsamt mit weiteren zehn Soldaten. Insgesamt sind dann zunächst bis zum 4. Dezember 20 Soldaten im Kontaktpersonen-Management im Einsatz. Das Gesundheitsamt des Kreises bittet darum, nach einem Test immer die Kontaktdaten anzugeben – am besten eine Telefonnummer, unter der die Personen stets erreichbar seien. „Für uns ist es entscheidend, dass wir die Infizierten so schnell es geht nach dem Eingehen des Testergebnisses erreichen können. Nur so können auch die Kontaktpersonen möglichst schnell informiert werden“, sagt Dr. Marie-Luise-Kluger, Leiterin des Kreis-Gesundheitsamtes.

Zum Schutz der Patienten und Mitarbeitenden sind Besuche in den Krankenhäusern im Kreis ab Dienstag, 3. November, nicht mehr möglich. In Notsituationen, in der Palliativmedizin und Geriatrie sowie bei betreuungsrechtlichen Fragestellungen seien Besuche nach Absprache möglich. Für die Kinderklinik gelte die Regelung: ein Besucher pro Patient am Tag. „Werdende Väter oder eine andere Begleitperson dürfen die Geburt selbstverständlich begleiten, soweit sie gesund sind“, teilen die Krankenhäuser mit. Sollte die Sieben-Tage-Inzidenz unter 150 fallen, werde die Lage neu bewertet.

Tafel schließt

Die Herforder Tafel bleibt im November aufgrund der aktuellen Corona-Lage geschlossen. Das teilte die Leiterin der Tafel, Barbara Beckmann, am Freitag mit.

„Wir haben uns dazu entschlossen, um unsere Kunden sowie unsere Mitarbeitern vor einer Ansteckung mit dem Virus zu schützen. Außerdem wollen wir damit einen Beitrag leisten, die rasante Entwicklung im Kreis Herford einzudämmen, so dass wir zum 1. Dezember wieder öffnen können“, betonte Beckmann.

Die Regelung gelte für die Hauptstelle der Tafel in Herford, sowie die Ausgabestellen in Enger, Spenge, Hiddenhausen sowie für die neu eröffnete in Kirchlengern. „Ausgeschlossen davon ist unser Seniorenbringdienst sowie der in Kooperation mit Projekt Aktiv durchgeführte Bringdienst“, erläuterte Beckmann. Auch das Herforder Frauenhaus habe weiter die Möglichkeit, Ware abzuholen. Diese Dienste finden während der Schließung statt. „Wir werden die Zeit nutzen, um unser Hygienekonzept zu verbessern, so dass wir im Dezember unseren Betrieb wieder aufnehmen können“, sagte Barbara Beckmann.

Theater macht sich Mut

Gerade erst wurde alles umorganisiert, um die Veranstaltungen für eine geringere Zuschauerzahl sicher zu machen. Nun ist einiges umsonst gewesen, auch das Herforder Stadttheater muss die Pforten im November geschlossen halten. Da nützt kein gut umgesetztes Hygienekonzept mehr, der „leichte“ Lockdown betrifft alle.

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben sich nach dieser frustrierenden Nachricht gefragt, wie sinnvoll es ist, dieses Jahr den Theaterbetrieb überhaupt noch aufrecht zu erhalten. „Die Veranstaltungsschieberei, der Kartentausch, die Unsicherheit ist fast nicht mehr zumutbar für die Besucher und Besucherinnen“, sagt Andreas Kornacki, Geschäftsführer der Kultur gGmbH. „Doch das Team hat so viele positive Rückmeldungen, sowohl im Kartenservice wie bei den Aufführungen und von den Künstlern bekommen, dass wir einhellig zu dem Entschluss gekommen sind, wir spielen, solange wir können und dürfen! Also hoffentlich ab 1. Dezember wieder.“ Informationen unter www.theater.herford.de oder Tel. 05221/50007. Die Veranstaltungen an diesem Samstag und Sonntag finden noch statt.

 

 

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