Zwei Anwälte aus Bad Salzuflen und Herford sollen sich bereichert haben
Geld von Mandanten verschwunden

Bad Salzuflen/Herford -

Ein Rechtsanwalt aus Bad Salzuflen ist in dieser Woche wegen gewerbsmäßiger Untreue zu 18 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden. Und ein früherer Anwalt und Notar aus Herford, der seine Zulassung schon abgegeben hat, muss noch in diesem Jahr mit der Annahme zweier Anklagen durch das Landgericht rechnen – er soll fast eine Million Euro veruntreut haben.

Samstag, 21.11.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 23.11.2020, 10:04 Uhr
Ein Anwalt aus Bad Salzuflen soll sich aus dem Nachlass eines Mandanten bedient haben, ein früherer Anwalt aus Herford soll Mandantengelder, die für Hauskäufe gedacht waren, für sich verbraucht haben.
Ein Anwalt aus Bad Salzuflen soll sich aus dem Nachlass eines Mandanten bedient haben, ein früherer Anwalt aus Herford soll Mandantengelder, die für Hauskäufe gedacht waren, für sich verbraucht haben. Foto: imago

In Bad Salzuflen war es eine Erbschaft, um die sich Rechtsanwalt U. (61) als Testamentsvollstrecker kümmern sollte. Etwa 270.000 Euro hatte ein Bad Salzufler 2018 hinterlassen. Der Anwalt sollte offene Rechnungen bezahlen und das verbliebene Geld an die Erben auszahlen – den Pflichtteil an den Sohn, den Rest an drei familienfremde Menschen. Während der Anwalt dem Sohn 115.000 Euro überwies, erhielten die anderen Erben bis heute nur einen Teil ihres Geldes. Rechtsanwalt Karsten Martens aus Bückeburg, der eine Erbin vertritt: „Meine Mandantin wurde immer wieder vertröstet. Wir mussten den Testamentsvollstrecker vor dem Landgericht Detmold verklagen, um überhaupt eine Aufstellung des Nachlasses zu bekommen.“ In dem Zivilprozess, der im August stattgefunden habe, habe der Rechtsanwalt dann ein Verzeichnis vorgelegt, aber es sei unvollständig gewesen. „Da fehlte zum Beispiel der Mercedes des Verstorbenen.“

Zum Zeitpunkt des Zivilprozesses hatte die Staatsanwaltschaft Detmold bereits ein Ermittlungsverfahren gegen den Anwalt abgeschlossen und Anklage erhoben. Nach unbestätigten Informationen soll es eine Geldwäsche-Anzeige einer Bank gewesen sein, die die Behörden 2018 auf die Spur des Rechtsanwalts brachten.

Am Dienstag stand der 61-Jährige nur vor dem Amtsgericht Lemgo und legte ein Geständnis ab. Nach Überzeugung der Richterin überwies sich Anwalt U. 22 Mal Geld vom Konto des Verstorbenen auf sein Privatkonto, sein Kanzleikonto oder sein Finanzierungskonto bei einer Bank. Insgesamt sollen es 61.023 Euro gewesen sein. Zur Tatzeit war das Girokonto des Anwalts nach Angaben des Gerichts im Dispo, was ein mögliches Motiv gewesen sein könnte. Der Angeklagte selbst gab an, er habe sich nur einen Honorarvorschuss überweisen wollen und den Überblick verloren. Der 61-Jährige muss nun damit rechnen, dass ihm die Westfälische Anwaltskammer die Zulassung entzieht.

Eine Zulassung hat der frühere Rechtsanwalt und Notar B. (70) aus Herford schon seit einiger Zeit nicht mehr. Nach sechs Jahre dauernden Ermittlungen will das Landgericht Bielefeld in den kommenden Wochen entscheiden, ob dem Herforder der Prozess gemacht wird, wofür im Moment alles spricht.

Landgerichtssprecher Guiskard Eisenberg: „Uns liegen zwei Anklagen gegen den Mann vor.“ Dem Ex-Anwalt würden darin zwölf Fälle der Untreue mit einem Gesamtschaden von 887.000 Euro vorgeworfen, außerdem ein versuchter Versicherungsbetrug in Höhe von 1,4 Millionen Euro. Zu den Straftaten soll es im Zusammenhang mit Immobiliengeschäften gekommen sein. Nach früheren Angaben der Westfälischen Notarkammer sollen Mandanten geglaubt haben, Geld auf ein sogenanntes Notaranderkonto zu überweisen. Tatsächlich soll es sich aber um ein Privatkonto des Herforders gehandelt haben. Das Geld soll B., so wird vermutet, für sich verbraucht haben. Als Mandanten unruhig wurden, soll der Jurist das Geld anderer Mandanten genommen haben, um Kaufverträge zu erfüllen. Durch solche Umschichtungen blieben die mutmaßlichen Taten lange unentdeckt. Bis dem Notar die Sache 2016 über den Kopf wuchs. Er zeigte sich an und gab seine Zulassungen zurück. Bei dem angeklagten versuchten Versicherungsbetrug geht es um den Vorwurf, dass B. dem Notarversicherungsfonds Schäden gemeldet haben soll, die es gar nicht gegeben haben soll, um an Geld zu kommen.

Auch im Fall des Herforder Juristen gilt Geldnot als mögliches Motiv. Der Rechtsanwalt soll nie auf großem Fuß gelebt, aber sich bei Immobiliengeschäften übernommen haben. Seine Verbindlichkeiten sollen hoch sechsstellig gewesen sein.

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