Statt 100 Arbeitsplätze abzubauen wird jetzt 54 Mitarbeitern in Herford betriebsbedingt gekündigt
Bugatti finanziert Transfergesellschaft mit

Herford -

Ebenso wie Brax wird auch das Herforder Modeunternehmen Bugatti weniger Mitarbeiter freistellen als zunächst angekündigt. Statt des ursprünglich mitgeteilten Abbaus von knapp 100 Arbeitsplätzen werden jetzt 54 betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen. 20 davon betroffene Personen sind im rentennahen Alter.

Samstag, 12.12.2020, 05:36 Uhr aktualisiert: 12.12.2020, 09:24 Uhr
Bugatti baut zum Jahresende weniger Arbeitsplätze ab als zunächst angekündigt.
Bugatti baut zum Jahresende weniger Arbeitsplätze ab als zunächst angekündigt. Foto: Moritz Winde

Für alle Mitarbeiter wurden in einem Sozialplan Abfindungszahlungen ausgehandelt. Darüber hinaus wird ihnen angeboten, auf ihre jeweiligen Kündigungsfristen zu verzichten und zum 1. Januar einer Transfergesellschaft beizutreten. Einer Auskunft von Bugatti zufolge nehmen so gut wie alle Mitarbeiter dieses Angebot in Anspruch.

Die Mitarbeiter werden von der Herforder Innova Coaching & Transfer GmbH ein Jahr lang betreut. Im ersten Gespräch hört dessen Geschäftsführer Martin Unruh vor allem erst einmal zu: „Die Menschen haben kurz vor Weihnachten ihren Arbeitsplatz verloren. Das setzt ihnen zu all’ den anderen Einschränkungen des Jahres noch einmal richtig zu.“ Auf Basis ihrer jeweiligen Ausbildung und ihres bisherigen Einsatzgebietes entwirft ein Coach anschließend mit ihnen einen individuellen Berufswegeplan. Unruh: „Wir prüfen, ob es einen anderen Arbeitsplatz in der Branche oder auf ihrem Qualifikationsniveau gibt.“

Die Corona-Pandemie schränke den Arbeitsmarkt nur partiell ein. Unruh: „Der Stellenmarkt ist voll. Es kommt jetzt darauf an, die passende Stelle für den passenden Kandidaten zu finden.“ Niemand werde zur Annahme eines Angebotes gezwungen, der Kunde entscheide selbst. Nicht wenige nutzten den Einschnitt, um mal etwa ganz anderes auszuprobieren. „Falls dafür eine Nachqualifikation nötig ist, ermöglichen wir auch das.“ Dafür nehme Bugatti eine Menge Geld in die Hand. Die Chancen auf einen Neuanfang stünden für langjährige, erfahrene Mitarbeiter eines Unternehmens in der Regel gut.»

Die IG Metall zeigt sich in einer Stellungnahme froh, dass eine Lösung gefunden worden sei: „Es ist eine sinnvolle Hilfe in einer schwierigen Situation.“

Dazu ein Kommentar:

Bei einem Verlust von 54 Arbeitsplätzen gibt es nichts schönzureden. Das ist, so kurz vor Weihnachten, ein ganz bitteres Schicksal.

Doch der von Bugatti eingeschlagene Weg zeigt den davon betroffenen Menschen zumindest eine gewisse Perspektive im kommenden Jahr auf. Wer von ihnen auf einen anderen Arbeitsplatz wechseln oder einen völlig neuen Beruf lernen möchte, der bekommt in der Herforder Transfergesellschaft Innova jetzt die Möglichkeit dazu. Wie gut diese nicht zuletzt von der IG Metall erkämpfte Chance genutzt wird, hängt von individueller Motivation ab.

Die im Unternehmen bleibenden Kollegen erfahren: Bugatti hält zu uns, wenn es mal Ernst wird.

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