Kryptowährung in der Krise ein willkommener Hafen für Großanleger – Herforder AG ist jetzt Bank
Bitcoin reißt alle Rekordmarken

Herford (WB) -

Die Herforder Bitcoin AG ist verschmolzen. Sie ist aufgegangen in die Futurum Bank AG, die ihren Sitz an der Hochstraße 35-37 in Frankfurt am Main hat. Trotzdem darf sich Michael Nowak, geschäftsführender Direktor der Holding Bitcoin Group SE, noch nicht Bankdirektor nennen.

Samstag, 02.01.2021, 05:30 Uhr
Die Bitcoin AG hat ihren Umsatz im ersten Halbjahr 2020 stark erhöht und auch die Bilanz der zweiten Jahreshälfte dürfte nicht schlecht ausfallen.
Die Bitcoin AG hat ihren Umsatz im ersten Halbjahr 2020 stark erhöht und auch die Bilanz der zweiten Jahreshälfte dürfte nicht schlecht ausfallen. Foto: dpa

Darüber wacht die Bundesfinanzaufsicht (Bafin), die strenge Kriterien an Menschen stellt, die Bankvorstände werden wollen. Nowak: „Ich bin zwar gelernter Bankkaufmann, habe aber noch nicht lange genug auf einer Vorstandsebene gearbeitet.“ Das werde er im kommenden Jahr bei der Futurum Bank nachholen.

Die Verschmelzung ihrer operativen Tochter Bitcoin AG mit der Frankfurter Bank war eines der wichtigsten Ziele der Herforder Bitcoin Gruppe im vergangenen Jahr. Es ist in der öffentlichen Wahrnehmung etwas verborgen geblieben hinter dem turbulenten Kursverlauf des Bitcoins. Mit dem Einbruch zum Beginn der Coronakrise im Februar/März wurde in den Finanzteilen überregionaler Zeitungen bereits das Ende der Kryptowährung verkündet. Als das HERFORDER KREISBLATT darüber Anfang April mit Hauptanteilseigner Oliver Flaskämper sprach, notierte der Bitcoin bei 6450 Euro. Bis Dezember kletterte er auf einen Höchststand von 19.790 Euro. In Dollar knackte er sogar die 20.000er-Marke.

Michael Nowak führt den rasanten Anstieg auf zwei Faktoren zurück. Zum einen habe Paypal den Bitcoin in den USA als reguläres Zahlungsmittel im allgemeinen Internethandel eingeführt – ein Schritt, der in Europa nur noch eine Frage der Zeit sein dürfte. Zum anderen hätten Großanleger den Bitcoin in der Krise als willkommenen Hafen entdeckt: „Sie nutzen die unbestreitbaren Vorteile. Geringe Anlagekosten, immun gegenüber der Inflation und die Aussicht auf Kursgewinne gegenüber den üblichen Währungen.“

Mit ihrem Dienstleistungsangebot – dem Handel mit den Kryptowährungen Bit­coin und Ethereum – erhöhte die Bitcoin AG ihren Umsatz im ersten Halbjahr 2020 von 2,5 Millionen Euro (erstes Halbjahr 2019) auf 6,2 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg im Vorjahresvergleich von 1,2 auf 4,2 Millionen Euro – das entspricht einem Zuwachs von 239 Prozent. Im Halbjahresbericht deutet Nowak an, dass die Bilanz der zweiten Jahreshälfte nicht nennenswert schlechter ausfallen wird. Dank des kräftigen Kursanstiegs verdreifachte sich das Vermögen der Bitcoin-Gruppe von 20 auf 60 Millionen Euro. Die Bitcoin SE beschäftigt 27 Mitarbeiter in Herford und Frankfurt.

Als Futurum Bank wird die Bitcoin AG fortan ein „Haftungsdach“ für die abzuwickelnden Geschäfte vorweisen können. Diese gesetzlich vorgeschriebene Haftpflichtversicherung für Geldgeschäfte hatte ihr bisher die Fidor Bank verschafft, die weiter an Bord bleiben soll. 2021 möchte Futurum darüber hinaus neue Geschäftsfelder erschließen. Nowak: „Diesen Schritt gehen wir aber erst nach einer ausgiebigen Bewertung des jeweiligen Unternehmens.“

Die bisherigen Hauptgesellschafter Priority AG und Oliver Flaskämper haben ihre Mehrheitsanteile an der Bitcoin SE einer Handelsregister-Mitteilung zufolge aufgegeben. Nowak vermag darin kein mögliches Einfallstor für einen beherrschenden Großinvestor zu erkennen: „Die Bitcoin SE gehört 15.000 Kleinanlegern. Sobald jemand versuchen sollte, eine Mehrheit zu erwerben, wäre das meldepflichtig.“ Ebenso wenig sieht Nowak eine Bedrohung des Geschäftsmodells durch die von Zentralbanken angestrebte Einführung eines „Stablecoins“, also eine an den Dollar oder Euro fest gebundene Kryptowährung. Nowak: „Mit Tether gibt es so eine, an den Dollar gebundene Internetwährung ja bereits. Wegen ihrer festen Bindung an die US-Währung hat sie kein eigenes Kurspotenzial.“ Die von Facebook geplante Einführung einer weiteren Internetwährung schätzt Nowak gelassen ein: „Kryptowährungen sind mit der Marke Bitcoin verbunden. Daran wird sich nichts auch ändern.“

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