Freikirche Falkendiek weist Vorwürfe der Behörden zurück und fühlt sich unfair behandelt
„Wir haben ein reines Gewissen“

Herford (WB) -

Nach vier Tagen haben sie ihr Schweigen gebrochen: Erstmals äußern sich Mitglieder der bundesweit in die Kritik geratenen deutsch-russischen Freikirche in Falkendiek. „Wir haben die Corona-Regeln eingehalten. Wir werden uns nicht für etwas entschuldigen, was wir nicht getan haben“, sagt Pastor Andrej Kukshaus.

Donnerstag, 07.01.2021, 06:00 Uhr aktualisiert: 08.01.2021, 08:06 Uhr
Anwalt Dr. Lutz Klose lässt sich im Gebetsraum von Prediger Andrej Kukshaus sowie Aleksandr Spenst die Vorfälle erläutern.
Anwalt Dr. Lutz Klose lässt sich im Gebetsraum von Prediger Andrej Kukshaus sowie Aleksandr Spenst die Vorfälle erläutern. Foto: Moritz Winde

Doch genau das hatte ja unter anderem Bürgermeister Tim Kähler vehement gefordert. Bislang hatte die Gemeinde Jesu Christe auf Pressevertreter abweisend reagiert, am Mittwochmorgen gewährte sie dieser Zeitung exklusiv einen Einblick in ihr Allerheiligstes, den Gebetsraum – und nahm persönlich Stellung zu den Vorwürfen.

Die Polizei hatte dort am Samstagabend eine Versammlung mit 156 Personen aufgelöst. Die Glaubensgemeinschaft soll nach Angaben der Behörden massiv gegen die aktuellen Infektionsschutzregeln verstoßen haben.

Ein Bild der Überwachungskamera: Polizisten nehmen Personalien der Gottesdienstteilnehmer auf. Zumindest hier tragen alle Maske.

Ein Bild der Überwachungskamera: Polizisten nehmen Personalien der Gottesdienstteilnehmer auf. Zumindest hier tragen alle Maske. Foto: Moritz Winde

„Stimmt nicht“, betont der Prediger. Und Gemeindemitglied Aleksandr Spenst ergänzt: „Die Familien haben für sich allein gesessen. Alle haben Masken getragen. Die Abstände wurden eingehalten. Es gab Desinfektionsmittel an den Eingängen. Und gesungen haben wir nicht, die Musik kam vom Band.“ Kurzum: Man habe ein reines Gewissen.

Damit es in der etwa 700 Quadratmeter großen Kirche nicht zu voll wurde, sei der Neujahrs-Gottesdienst – für das Abendmahl habe jeder seinen eigenen Becher mitgebracht – per Beamer in einen anderen Raum übertragen worden. Rechtsanwalt Dr. Lutz Klose, der die Gemeinde vertritt, hält den so durchgeführten Gottesdienst für zulässig.

Die Gemeinde distanzierte sich am Mittwoch ausdrücklich von im Raum stehenden Behauptungen, sie leugne Corona oder sei gar eine Sekte. „Uns ist an einem friedlichen Miteinander gelegen. Wie momentan mit uns umgegangen wird, empfinden wir als unfair“, sagt der Pastor.

Der 55-Jährige räumt auf Nachfrage dann jedoch ein, dass der 45-minütige Gottesdienst – auch wenn es rechtlich nichts zu beanstanden gebe – im Nachhinein nicht die beste Idee gewesen sei. „Hätten wir gewusst, was das auslöst, hätten wir darauf verzichtet. Wir bedauern es sehr, dass wir dadurch bei vielen Ängste ausgelöst haben.“

Die Freikirche Jesu Christie hatte der Stadt Herford noch am 21. Dezember schriftlich versichert, auf Präsenz-Gottesdienste bis zum 10. Januar verzichten zu wollen. Dem Wunsch der Mitglieder, gemeinsam zu beten, habe man dann aber nachgegeben, sagt Aleksandr Spenst und hebt die Bedeutung der Treffen hervor. Und auch, dass die Veranstaltung nicht mit den Behörden abgesprochen gewesen sei – es gab keine Anwesenheitsliste und kein Hygienekonzept – sei formell nicht richtig gewesen.

Um sich weiteren Ärger zu ersparen, will die Falkendieker Freikirche bis auf Weiteres nur noch Online-Gottesdienste abhalten.

Die Freikirche Jesu Christe auf dem Homberghof: Die Gemeinde hat 130 Mitglieder, überwiegend aus dem Kreis Herford.

Die Freikirche Jesu Christe auf dem Homberghof: Die Gemeinde hat 130 Mitglieder, überwiegend aus dem Kreis Herford. Foto: Moritz Winde

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