Herforder Autorin Carolin Sprick beendet Trilogie über Leiden und Lieben einer jungen Frau
Endlich Heimat gefunden

Herford (WB) -

Auf den ersten Blick wirkt es paradox: Juli, eine Romanfigur der Herforder Autorin Carolin Sprick, zieht in eine neue Stadt – und erfährt gerade fernab ihres Herkunftsortes, was Heimat ist.

Donnerstag, 14.01.2021, 19:00 Uhr aktualisiert: 15.01.2021, 04:46 Uhr
Carolin Sprick (32) am Strand von Stralsund: Seit November lebt die Herforderin in der Ostsee-Stadt.
Carolin Sprick (32) am Strand von Stralsund: Seit November lebt die Herforderin in der Ostsee-Stadt.

Mit „Herzkoralle“ legt die frühere Schülerin des Königin-Mathilde-Gymnasiums ihren dritten Roman vor – geschrieben hat die 32-Jährige die Bücher in einem Zeitraum weniger Monate. Wenn sie ein Thema hat und der Schreibflow einsetzt, gibt es offenbar keinen Halt mehr – oder wie Carolin Sprick es formuliert: „Es passiert einfach.“

Die große Schreiblust an der Geschichte über eine junge Frau namens Juli hat sicher auch mit der Person der Autorin zu tun. Mit den Themen und Konflikten, die die Hauptfigur betreffen, sei sie selbst in Kontakt gekommen, sagt Carolin Sprick. Und hierzu zählen zum Beispiel Magersucht oder Essstörungen. Allerdings habe sie hierüber auch viele Gespräche mit anderen Menschen geführt und zudem recherchiert. Die Grenzen zwischen Fiktion und Selbsterlebtem sind fließend – was nicht schlimm ist, da der Realismusgehalt nichts über literarische Qualität aussagt.

Unterstellt man dennoch, dass Spricks Biographie mit der Geschichte der Hauptfigur verbunden ist, ist der neue Roman als gutes Zeichen zu werten. Denn es geht der frischverliebten Juli deutlich besser als in den ersten beiden Büchern. Für ein Redaktionspraktikum ist sie in eine Hansestadt an der Ostsee gezogen – die Parallelen zur Autorin, die seit November in Stralsund lebt, sind offensichtlich.

Carolin Sprick gibt dem Leser Einblicke in das Innenleben ihrer Hauptfigur, die nach einem Halt sucht. Doch sind es die inneren Stimmen, die dem wie Quälgeister im Wege stehen, sich einen unentwegten Kampf liefern – und so das Gefühl von Selbstbestimmtheit unmöglich machen. Irgendwann im Laufe des Romans dann der Gedankenblitz – von der Metapher her passend zum Ostsee-Ambiente: „Ich selbst bin der Kapitän in meinem Leben.“

Auch das Verständnis von Heimat als einem Ort der Geborgenheit wandelt sich. „Muss Heimat immer ortsgebunden sein?“, fragt sich Juli. Muss sie auf Herkunft fixiert sein oder kann sie auch auf die Zukunft ausgerichtet sein? Juli findet Heimat in der Liebe, in der Gegenwart, im eigenen Körper. Am Ende der Erzählung, die die Trilogie abschließt, sagt die Hauptfigur: „Ich will nicht nach Hause. Ich bin‘s.“

Das Buch (Books on Demand) kann bei Carolin Sprick (facebook.com/CarolinSingerSongwriterin) bestellt werden.

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