Neuapostolische Kirche: Ursprünglicher Kurs der Bezirksleitung findet keine Mehrheit
Gemeinden im Kirchenbezirk Herford sagen Gottesdienste ab

Herford (WB) -

Die Entscheidung fiel, wie zu erwarten war: Die sechs Gemeinden der Neuapostolischen Kirche im Kirchenbezirk Herford verzichten bis zum 31. Januar auf Präsenzgottesdienste. Damit folgen sie der Einschätzung, die der Herforder Gemeindevorsteher Dirk Pfau zuvor dem HERFORDER KREISBLATT gegenüber geäußert hat.

Donnerstag, 14.01.2021, 16:57 Uhr aktualisiert: 15.01.2021, 03:36 Uhr
Der Herforder Vorsteher Dirk Pfau hatte es bereits im Vorfeld empfohlen, jetzt steht es fest: In der Neuapostolischen Kirche gibt es am Sonntag keinen Gottesdienst.
Der Herforder Vorsteher Dirk Pfau hatte es bereits im Vorfeld empfohlen, jetzt steht es fest: In der Neuapostolischen Kirche gibt es am Sonntag keinen Gottesdienst. Foto: Horstmann

Für Irritationen in der Öffentlichkeit hatte am Wochenende eine Ankündigung des Bezirksvorstehers Michael Block gesorgt. Er schrieb: „Ab dem 17. Januar finden in allen Gemeinden des Kirchenbezirks Herford sonntags wieder Präsenzgottesdienste statt.“

Doch hatte der Bezirksvorsteher die Rechnung offenbar ohne die einzelnen Gemeinden gemacht. Einen Tag, nachdem die Ankündigung in der Zeitung stand, war vom Herforder Gemeindevorsteher Dirk Pfau zu lesen, er schlage einen Verzicht vor. Als ein Argument nannte er den ökumenischen Gedanken – auch die evangelische und katholische Kirche verhalte sich so.

Am Mittwochabend gab es ein Gespräch mit den Ehrenamtlichen der Herforder Gemeinde, die über etwa 500 Mitglieder verfügt. Dabei hat sich laut Pfau der Eindruck verstärkt, wonach die Mehrheit einen Verzicht befürworte. Da in anderen Gemeinden das Stimmungsbild ähnlich war und ein gemeinsames Vorgehen gewünscht wurde, kam es zur generellen Absage auf der Ebene des Bezirks Herford.

Michael Block, Bezirksvorsitzender, schreibt dazu: „Wir haben nach eingehenden Beratungen mit den Gemeindeleitern unserer sechs Gemeinden im Kirchenbezirk beschlossen, bis Ende Januar doch unser Online-Angebot zu bevorzugen.“

Kirche, ihre Mitglieder und Mitarbeiter sind aber immer auch Spiegel unserer in Teilen verunsicherten Gesellschaft.

Bezirksvorstehers Michael Block

In der Begründung verweist Block auf die aktuelle Stimmung: „Kirche, ihre Mitglieder und Mitarbeiter sind aber immer auch Spiegel unserer in Teilen verunsicherten Gesellschaft.“ Das Sicherheitsbedürfnis spiele eine große Rolle: „Alle Maßnahmen, von denen noch ein zusätzliches Maß an Sicherheit erwartet wird, finden in weiten Teilen der Bevölkerung und in der Kirche hohe Akzeptanz.“

Obwohl die Kirche Block zufolge ein klares Sicherheitskonzept verfolgt, gibt es offenbar Zweifel: „Präsenzgottesdienste befördern in unserer Region, trotz der sehr guten Präsenzerfahrungen des letzten Halbjahres, trotz der erfolgreichen Hygienekonzepte, dieses Sicherheitsbedürfnis gerade nicht.“ Und dann wieder ein Verweis auf die Stimmung in der Gesellschaft: Im Moment sei, so der Bezirksleiter, „weder die Zeit noch die Atmosphäre für eine sachliche Wertediskussion zum Thema“.

Mit der ursprünglichen Ankündigung von Präsenzgottesdiensten für den 17. Januar war der Bezirk dem Kurs der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland gefolgt. Auf deren Homepage heißt es: „Das Angebot der Präsenzgottesdienste am Sonntag bleibt grundsätzlich bestehen.“ Etwa zwei Drittel der Gemeinden im Bereich Westdeutschland folgen dem, sagt Stefan Vogt, Vorsteher der Gemeinde Enger/Spenge und stellvertretender Bezirksvorsitzender. Aber auch er befürwortet den Verzicht: „Es ist schwer vorstellbar, sich zu Gottesdiensten zu treffen, wenn es überall heißt, dass die Kontakte reduziert werden sollen.“

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