Gewaltdelikt in Herforder Lützowstraße: Schwester der Toten erhebt schwere Vorwürfe gegen den Tatverdächtigen Eugen F.
„Sie hatte ständig blaue Flecken“

Herford (WB) -

Warum nur musste ihre Schwester sterben? Diese Frage quält Maria Resler jede Minute. Am 22. Januar geriet die Welt der 36-Jährigen und ihrer Familie aus den Fugen. An diesem Freitagmittag wurde Lidia Spiridonova vor ihrem Zuhause erstochen – mutmaßlich von ihrem Lebensgefährten.

Samstag, 13.02.2021, 06:00 Uhr
Ein Teelicht vor einem Rahmen mit einem Bild von Lidia Spiridonova am Bergertor: Die Herforderin wurde umgebracht.
Ein Teelicht vor einem Rahmen mit einem Bild von Lidia Spiridonova am Bergertor: Die Herforderin wurde umgebracht. Foto: Moritz Winde

Genau genommen erfuhr Maria Resler erst am nächsten Morgen davon, dass ihre Schwester umgebracht worden war – und zwar durch Zufall. Sie habe im Internet die neuesten Nachrichten gelesen. „Plötzlich traf mich der Schock. Da stand etwas von Gewalttat und Mordkommission. Und dazu wurde ein Foto von Lidias Wohnung in der Lützowstraße gezeigt.“ Auch Alter und Geschlecht des Opfers passten. Passanten hatten die zierliche Frau blutend auf dem Bürgersteig gefunden.

Aber konnte es wirklich sein, dass die Behörden ein Tötungsdelikt öffentlich gemacht haben, ohne vorher die Angehörigen informiert zu haben? „Wir haben dann bei der Kripo angerufen, weil wir wissen wollten, was los ist“, sagt Marijana Matas, eine gute Freundin der Familie. Die Polizei habe dann das bestätigt, was bereits seit Stunden im Internet stand. Tage später habe sich immerhin ein Polizist für diese Panne entschuldigt.

Nach wie vor fühlt sich die Familie bezüglich der Ermittlungsfortschritte unzureichend bis gar nicht informiert. „Uns sagt niemand etwas, stattdessen steht‘s immer erst in der Zeitung. Dabei betrifft es doch in erster Linie uns“, sagt Maria Resler, der alles über den Kopf zu wachsen droht. So habe sie sich selbst um einen Seelsorger kümmern müssen. Und auch mit der gesetzlichen Betreuerin von Lidia Spiridonova – sie war zu 50 Prozent schwerbehindert – habe es Streit gegeben.

Maria Resler (rechts) und Marijana Matas stehen am Tatort. Sie kümmern sich jetzt um Lidias Hund Lexy.

Maria Resler (rechts) und Marijana Matas stehen am Tatort. Sie kümmern sich jetzt um Lidias Hund Lexy. Foto: Moritz Winde

Der Vorwurf: „Sie hat uns den Zugang zur Wohnung verweigert. Dabei wollte meine Mama doch nur Lidias weißes Lieblingskleid holen, um es ihr vor der Einäscherung anzuziehen. Wie kann so etwas nur sein?“, fragt Maria Resler. Auch der eingeschaltete Anwalt habe die Herausgabe des Schlüssels bislang nicht erreichen können. „So geht man doch nicht mit Hinterbliebenen um, die ja in einer völligen Ausnahmesituation sind – Vorschrift hin oder her“, kritisiert Maria Resler.

Auf Nachfrage teilt Stefan Heckers, Geschäftsführer beim Sozialdienst katholischer Frauen – der Verein war mit der gesetzlichen Betreuung beauftragt – mit: „Unsere Mitarbeiterin hat sich korrekt verhalten. Es lag kein Erbschein vor, und Hauptmieter der Wohnung war der Beschuldigte. Außerdem gab es das Angebot, die Angehörigen könnten eine Liste mit persönlichen Gegenständen der Toten erstellen, die sie benötigten. Wir wären dann gemeinsam ins Haus gegangen.“

Lidia Spiridonova wurde vor acht Tagen auf einem Herforder Friedhof beigesetzt. Ihr Freund – sie war zwölf Jahre mit Eugen F. zusammen – sitzt in U-Haft. Er wird wohl in Kürze vor dem Bielefelder Landgericht wegen Totschlags angeklagt werden. Er soll die Hauptschlagader im Bauch der 42-Jährigen mit einer Machete oder einem langen Messer getroffen haben. Sie erlag zwei Stunden nach der Attacke im Klinikum Bethel ihren schweren inneren Verletzungen.

In dieser Urne wurde die 42-Jährige beigesetzt.

In dieser Urne wurde die 42-Jährige beigesetzt.

Für die Tat könnte er zwischen fünf und 15 Jahren ins Gefängnis müssen. In besonders schweren Fällen wird jedoch, wie bei einem Mord, eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt. Allerdings hat die ermittelnde Staatsanwältin bereits eingeräumt, dass der 36-Jährige wegen Alkohol- und Drogensucht sowie einer möglichen psychischen Störung nicht voll schuldfähig sein könnte. Inwieweit er sich für das ihm zur Last gelegte Verbrechen verantworten muss, soll nun ein Gutachter klären. Davon wird abhängen, ob er ins Gefängnis oder in eine Psychia­trie muss.

Maria Resler ist tieftraurig – und voller Wut: „Ich hoffe, dass er für immer weggesperrt wird.“ Die 36-Jährige beschreibt Eugen F., der bisher zu den Vorwürfen schweigt, als äußerst gewalttätig. „Er hat Lidia geschlagen und misshandelt. Sie hatte ständig blaue Flecken am Körper. Ich habe sie so oft angefleht, ihn endlich zu verlassen. Doch sie tat es nicht – vermutlich aus Angst. Und irgendwie war sie von ihm wohl auch abhängig. Dabei war es die Hölle für sie.“

Bevor Eugen F. seine Freundin erstochen haben soll, soll er schon einmal mit einem Messer auf sie losgegangen sein. Das berichtet Maria Resler: „Am 27. Dezember stand sie plötzlich vor meiner Tür. Sie hatte Stichverletzungen am linken Bein. Hätte sie ihn damals doch bloß angezeigt. Dann würde sie vielleicht heute noch leben.“ Doch ihre Schwester habe gesagt, er werde sich ändern. „Und jetzt ist sie tot.“

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