Jahreswirtschaftsbericht der Stadt deutet an, mit welchem Potenzial Herford aus dem Lockdown kommt
Geringe Kaufkraft, hohe Umsätze

Herford (WB) -

Der verlängerte Lockdown trifft Herford härter als auf den ersten Blick erkennbar. Den Beschäftigtenzahlen des jüngsten Jahreswirtschaftsberichts zufolge weist Herford nämlich einen außerordentlich hohen Anteil von Menschen auf, die im Einzelhandel und in der Gastronomie arbeiten.

Montag, 15.02.2021, 05:42 Uhr aktualisiert: 15.02.2021, 05:50 Uhr
Der Herforder Einzelhandel beschäftigt 2349 Menschen. Viel hängt für die Stadt davon ab, dass er nach dem Lockdown wieder in die Puschen kommt.
Der Herforder Einzelhandel beschäftigt 2349 Menschen. Viel hängt für die Stadt davon ab, dass er nach dem Lockdown wieder in die Puschen kommt. Foto: Stephan Rechlin

Wer mit der Coronakrise das Ende des bisher bekannten Einzelhandels in der Innenstadt verkündet, riskiert mal eben die berufliche Existenz von 2349 Angestellten – das entspricht 6,8 Prozent aller 34.792 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Menschen in Herford. Hinzuzurechnen sind weitere 611 festangestellte Kräfte aus der Herforder Gastronomie, die der Lockdown seit Mitte November ebenso hart trifft. Teilzeitkräfte aus dieser Branche sind in der Statistik nicht erfasst.

Mit diesen 2960 Mitarbeitern nehmen Einzelhandel und Gastronomie den dritten Rang unter den Branchen mit den meisten Beschäftigten ein. Angeführt wird diese Liste von den Pflegekräften in Altenheimen, Krankenhäusern und ambulanten Pflegediensten, den Helden der Corona-Monate.

Einzelhandel und Gastronomie liegen aber vor der stets hervorgehobenen Rolle der Textilindustrie, gleiches gilt für den Großhandel, öffentliche Verwaltungen, Logistiker in Lagerhallen und Speditionen sowie das Baugewerbe. Sie alle zählen zu den Branchen mit den meisten Arbeitsplätzen in Herford. Die Möbelbranche kommt in Herford auf 686 Mitarbeiter.

Die Wirtschaftskraft, mit der Herford aus dem Lockdown kommen wird, hängt vor allem von den Löhnen ab, die in den Unternehmen gezahlt werden. Maßstab hierfür sind die Löhne im „Verarbeitenden Gewerbe“ – unter diesem Begriff fasst der Wirtschaftsbericht 8061 Arbeitnehmer zusammen, die Erzeugnisse be- oder verarbeiten, um andere Produkte herzustellen oder zu veredeln, zu montieren oder zu reparieren. Dazu zählen Maschinenbauer ebenso wie die festangestellten Mitarbeiter des Schlachthofes Gocksch, die Leute von Wellteam ebenso wie Monteure in den Kfz-Werkstätten.

Sie alle kommen in Herford dem Bericht zufolge auf einen durchschnittlichen Jahresbruttolohn von 41.474 Euro. Ihren Familien stehen also 3456,17 Euro pro Monat zur Verfügung, wovon ihr Anteil an den Sozialabgaben noch abzuziehen ist. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind eingerechnet.

Damit schneiden die Beschäftigten in Herford deutlich schlechter ab als jene in Gütersloh (52.029 Euro), Minden (50.856 Euro) oder Detmold (50.295 Euro). Auch innerhalb des Kreises liegen Herforder Angestellte im Verarbeitenden Gewerbe unter den Einkommen, die in Vlotho (46.292 Euro), Hiddenhausen (44.363 Euro), Enger (44.129 Euro), Rödinghausen (42.291 Euro) und Kirchlengern (41.967 Euro) gezahlt werden. Entsprechend unter dem Durchschnitt fällt damit die Kaufkraft in Herford aus, die auf 96,4 Prozent gemessen am 100-prozentigen Bundesdurchschnitt kommt.

Die Städte Bünde, Enger, Spenge und Vlotho liegen noch vor Herford; Hiddenhausen und Rödinghausen kommen sogar leicht über den Bundesdurchschnitt. Herfords Pfund ist seine Zentralität. Die Kaufkraft mag durchschnittlich sein, doch bei den Einzelhandelsumsätzen liegt Herford an der Spitze im Kreis.

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