Martin Mosebachs feiert in seinem Bestseller „Krass“ den Individualismus
Einmal Sieger, immer Sieger

Hamburg (WB) -

Gestorbene habe er nie gemocht. In ihrem Mangel an Durchhaltevermögen liege etwas Verächtliches. Wer so denkt und formuliert, will sich nicht in herkömmlichen Kategorien messen lassen. Und so beschreibt der Autor Martin Mosebach mit seiner Romanfigur Ralph Krass einen Kraft- und Machtmenschen, der sich allen Konventionen entzieht

Sonntag, 21.02.2021, 10:46 Uhr aktualisiert: 23.02.2021, 10:48 Uhr
Martin Mosebach: „Krass“. Rowohlt Verlag, Hamburg. 525 Seiten. 25 Euro
Martin Mosebach: „Krass“. Rowohlt Verlag, Hamburg. 525 Seiten. 25 Euro

 

Sofort nach seinem Erscheinen ist der Roman mit dem schlichten Titel „Krass“ zu einem Bestseller geworden. Ein Roman, den die Aura von großer Geste und konservativer Weltläufigkeit umweht. Im Stil eines Großerzählers à la Thomas Mann erweckt Mosebach eine Figur zum literarischen Leben, die nur ein Prinzip zu haben scheint: Das Maß aller Dinge zu sein.

Ralph Krass macht sich einen Spaß daraus, auch im Privaten Menschen für seine Zwecke einzusetzen, ihnen Macht zu demonstrieren. Der Roman beginnt mit einer Luxusreise nach Neapel, bei der der Geldgeber die Mitreisenden wie einen Hofstaat behandelt. Es kommt zum Bruch, dann folgt ein langes Zwischenkapitel, in dem der verstoßene Krass-Sekretär Dr. Jüngel im Mittelpunkt steht. Im dritten Teil schließlich das Finale, in dem sich die Protagonisten von einst nach 20 Jahren überraschend wiedertreffen.

Ralph Krass, der Mann, der unter anderem mit Waffengeschäften reich geworden war, am Ende verarmt in einem Krankensaal in Kairo: Das ist der Preis, den der Amoralische zu zahlen hat, mag mancher Leser befriedigt denken. Doch der Büchnerpreis-Träger Mosebach hält sich in seinem Hohelied des Individualismus nicht mit irgendwelchen Ressentiments auf. Zwar ist der geborene Bestimmer Krass – von außen betrachtet – nicht mehr Herr über sein Schicksal: „Und doch war er sicher, daß alles auf seinen Befehl hin geschah.“ Einmal Sieger, immer Sieger.

Es passt zum opulent-noblen Erzählgestus, dass der Autor an der alten Rechtschreibung festhält. Unaufgeregt wie jemand, der sich so sehr auf seine Sprache verlassen kann, dass es besonderer Spannungsbögen nicht bedarf. Stattdessen allenthalben Verweise auf die Antike, die Figuren werden zu Archetypen. Mosebach-Liebhaber feiern dies als zeitlos, Kritiker sprechen von Richtungslosigkeit. Ihre Berechtigung haben beide Positionen.

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