Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus im Kreis Herford will „Montagsspaziergänger“ beobachten – neue Publikation zu ehrenamtlichem Engagement
„Die haben wir auf dem Schirm“

Herford (WB) -

Corona-Leugner, „Querdenker“ und Aktivisten gegen den Muezzin-Ruf an der Herforder Moschee sieht die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus OWL derzeit als besondere Herausforderungen.

Freitag, 26.02.2021, 11:02 Uhr aktualisiert: 26.02.2021, 11:20 Uhr
Auch in Herford gibt es Anhänger der „Querdenker“- und Corona-Leugner-Szene. Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus sieht bei dieser Gruppe Verbindungen ins extreme Milieu.
Auch in Herford gibt es Anhänger der „Querdenker“- und Corona-Leugner-Szene. Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus sieht bei dieser Gruppe Verbindungen ins extreme Milieu. Foto: Jens Büttner/dpa

Nachdem zuletzt „Montagsspaziergänger“, die der Querdenker-Szene und dem Widerstand gegen die Corona-Auflagen zugerechnet werden, für Polizeieinsätze in der Innenstadt und die Verhängung von Bußgeldern gesorgt hatten, „wollen wir diese Gruppe jetzt auch verstärkt beobachten“, sagt Janine Tappe von der Mobilen Beratung.

Sie ist beim Verein Arbeit und Leben im Kreis Herford DGB/VHS an der Kreishausstraße beheimatet und wird von Bund und Land finanziert. „Um es klar zu sagen: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Corona-Politik ist legitim. Aber es gibt bei gewissen Gruppen Verbindungen ins rechte Milieu und zur Reichsbürgerszene“, sagt Dario Schach von der Beratungsstelle. „Wie hier zum Teil Kritik geäußert und mit falschen Informationen gearbeitet wird, gibt zu denken.“

Zu dem Themenkomplex habe es bereits mehrere Anfragen von besorgten Bürgern gegeben. „Die Corona-Leugner sind aber nicht nur aus dem rechten Lager, sondern bunt gemischt. Da finden sich auch Impfgegner, Esoteriker und Verschwörungstheoretiker.“ Die Szene sei von außen relativ leicht zu beobachten. „Die kommunierzieren online über öffentliche Gruppen des Messenger-Dienstes Telegram.“

Seit Beginn der Proteste gegen den Muezzin-Ruf an der Bielefelder Straße beobachte die Beratungsstelle auch die Aktionen der Gruppen vor Ort. „Das werden wir weiter auf dem Schirm haben“, sagt Janine Tappe.

Die Mobile Beratung für die gesamte Region hat jetzt eine Broschüre zum Thema Engagement gegen Rechtsextremismus herausgegeben. Nach einer ersten Veröffentlichung vor einigen Jahren zur extremen Rechten in der Region werden diesmal zivilgesellschaftliche Aktivitäten gegen diese Strömung vorgestellt: »Perspektiven. Auseinandersetzungen mit alltäglichem Rassismus und der extremen Rechten in Ostwestfalen-Lippe« heißt das 76 Seiten starke Heft, eine Zusammenstellung aus Texten und Interviews von und mit Personen und Gruppen aus ganz OWL.

Mit der Broschüre möchte die Beratungsstelle „die vielfältigen Arten des ehrenamtlichen Engagements in der Region sichtbar machen und Betroffenen von Rassismus und Antisemitismus eine Plattform bieten, von ihren Erfahrungen zu berichten“.

Das Heft ist in einer Auflage von 1500 Exemplaren erschienen sowie online abrufbar. Weitere Informationen gibt es im Netz.

 

Zur Zukunft der Synagoge

Auch Beiträge aus Herford haben Eingang in die neue Broschüre gefunden, unter anderem ein Interview mit dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Herford-Detmold, Matitjahu Kellig. Er äußert sich zum jüdischen Leben in Herford, Antisemitismus im Alltag sowie der Zukunft der Gemeinde. Langfristig sorgt er sich um den Bestand der jüdischen Glaubensgemeinschaft vor Ort. „Demografisch bedingt wird unsere Gemeinde in 15 Jahren nur noch sehr wenige Mitglieder haben“, sagt Kellig. „Ich stelle mir vor, dass, wenn es keine Gemeinde in Herford mehr geben sollte, unsere Synagoge als religiöses Gebäude erhalten und gleichzeitig ein Kulturzentrum installiert wird.“ Es sollten dort Gottesdienste stattfinden, Ausstellungen zur jüdischen Geschichte sowie nicht-religiöse öffentliche, zivilgesellschaftliche und kulturelle Veranstaltungen. Dadurch könne jüdische Präsenz in Herford erhalten bleiben. Diesen Übergang versuche er gerade zu gestalten.

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