Benennung nach der Heiligen Pusinna wird in Herford favorisiert, ist aber noch nicht definitiv
Archäologisches Fenster: Welcher Name soll es sein?

Herford (WB) -

Viel Zustimmung, aber auch kritische Positionen: Von einer breiten Resonanz auf den Vorschlag, das Archäologische Fenster in Herford nach der Heiligen Pusinna zu benennen, berichtet Christoph Laue. Dabei betont der Geschäftsführer des Geschichtsvereins, der Name sei noch nicht in Stein gemeißelt: „Für weitere Vorschläge sind wir dankbar.“

Mittwoch, 03.03.2021, 05:30 Uhr aktualisiert: 03.03.2021, 08:36 Uhr
Das Modell des Archäologischen Fensters, das 2022 Wirklichkeit werden soll.
Das Modell des Archäologischen Fensters, das 2022 Wirklichkeit werden soll. Foto: Architekturbüro Pfeiffer, Ellermann,Preckel

Die Beteiligung der Öffentlichkeit gehört laut Laue zum Konzept, das Archäologische Fenster, das im kommenden Jahr eröffnet werden soll, im Bewusstsein der Herforder zu verankern. Dies ist auch wichtig für die Spendenaktion, zu der der Vorstand in der vergangenen Woche aufgerufen hat. Für die Präsentation werden noch 450.000 Euro benötigt. „Mit dem Start sind wir sehr zufrieden“, so Laue. Mehr als 5000 Euro seien bereits zugesagt worden. Und das sei erst der Anfang, hinzu kämen die Gespräche mit Großsponsoren.

Das Archäologische Fenster entsteht über den Mauern des alten Frauenstifts am Münster. Was die Namensgebung angeht, so favorisieren einige Vertreter des Geschichtsvereins den Namen „Pusinna“. „Sie war fast 1000 Jahre die Beschützerin des Stifts – und damit auch der Stadt“, erläutert Laue den auch von ihm unterstützten Vorschlag. Die Heilige hatte nie in Herford gelebt, ihre Reliquien waren 860 aus dem französischen Binson in das Stift überführt worden. Die Äbtissin Haduwy habe Beziehungen zum Hof Karls des Kahlen gehabt, der bei der Überführung der Reliquien eine wichtige Rolle gespielt habe, so Laue.

Eine Leserbriefschreiberin hatte die Namenswahl kritisiert und von einer „gottesfürchtigen Jungfrau mit einer farblosen Lebensgeschichte ohne denkwürdige Wunder oder Taten“ gesprochen – im Unterschied zu den Äbtissinnen mit ihrer hohen Machtstellung.

Auch in der Vorstandssitzung am Montagabend ist der Name angesprochen worden – und Laue kennt die Argumente der Kritiker. Zum einen gebe es aber den Bericht von einer Krankenheilung, sagt er. Zum anderen gehe es nicht um irgendwelche Taten: „Bei der Namensgebung ist nicht entscheidend, was Pusinna geleistet hat, sondern das, wofür sie stand.“ Sie sei die Stifts- und Stadtpatronin gewesen und könne so auch die Beschützerin des Archäologischen Fensters werden. Spannend sei auch die Geschichte mit Karl dem Kahlen. Der Name gewissermaßen als Zeitreise ins Mittelalter – in der Hoffnung, dass er sich als Marke etabliert.

Der Geschäftsführer verweist auf einen „längeren Namensfindungsprozess“. Eine Variante seien Namen bedeutender Äbtissinnen gewesen. Aber es habe im Verein auch Überlegungen gegeben, das Fenster nach dem Ort (Reichsabtei) zu benennen – oder den Stifter Dieter Ernstmeyer im Namen zu berücksichtigen.

Zu denen, die mit dem Titel unzufrieden sind, zählt Gästeführer Mathias Polster: „Pusinna hatte mit der Entwicklung Herfords nichts zu tun. Es gab keinen Bezug zur Stadt oder zum Stift.“ Lediglich ihre Knochen seien nach Herford gebracht worden. Daher begrüßt Polster, dass der Name doch noch zur Diskussion steht. Allerdings will er kein großes Fass aufmachen: „Wichtiger ist es jetzt, das Archäologische Fenster voranzubringen.“

Wer etwas zum Namen oder zum Spendenaufkommen beitragen will, kann sich an Christoph Laue (Tel. 05221/132213) wenden..

 

Kommentar von Hartmut Horstmann

Das Archäologische Fenster soll den Namen „Pusinna“ erhalten – so hat es der Geschichtsverein kommuniziert. Doch noch sei nichts festgezurrt, heißt es. Vorschläge seien willkommen. Es wäre besser gewesen, die Öffentlichkeit v o r der Namensnennung an der Findung zu beteiligen. Jetzt kann der Eindruck entstehen, als sei der Aufruf nur halbherzig gemeint. Denn das Logo mit dem Namen Pusinna ziert bereits den neuen Rundbrief des „Remensnider“ und wird so fleißig verbreitet. Aber vielleicht entwickelt sich ja trotzdem eine fruchtbare Diskussion über Namen, Heilige und Werbestrategien. Und vielleicht trägt das Darüberreden zur Stärkung der Identifikation und der Spendenbereitschaft bei. Das Herforder Fenster ins Mittelalter hat eine breite Unterstützung verdient.

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