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Di., 14.10.2014

Prozess vor dem Landgericht – Opfer hatte Todesangst – Urteil am Mittwoch 34-Jähriger gesteht Vergewaltigung

Im Landgericht Bielefeld wird der Fall verhandelt.

Im Landgericht Bielefeld wird der Fall verhandelt.

Von Curd Paetzke

Hiddenhausen (WB). Vor der IV. Strafkammer des Landgerichts Bielefeld ist Montag der Prozess gegen einen 34 Jahre alten Mann fortgesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, seine damalige Lebensgefährtin (31) in der gemeinsamen Wohnung in Hiddenhausen mehrfach mit Schlägen verletzt und anschließend vergewaltigt zu haben.

Der Fall nahm eine überraschende Wende. Hatte der Angeklagte an den ersten beiden Verhandlungstagen im Juni und Juli geschwiegen, ließ er gestern über seinen Verteidiger Sven Peters ein Geständnis verlesen, in dem es unter anderem heißt: »Ich bin erschrocken und entsetzt über meine Taten.« Der Angeklagte räumte in dem Geständnis ein, seit Jahren Alkoholprobleme zu haben.

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»Ich bin erschrocken und entsetzt über meine Taten.«

Angeklagter

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Im Laufe der Verhandlung wurde bekannt, dass der 34-Jährige nach einem Selbstmordversuch in der JVA Brackwede in das Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg verlegt worden ist. Auch dort hat er versucht, sich das Leben zu nehmen. Der Fall musste noch einmal von vorn aufgerollt werden, weil am zweiten Verhandlungstag feststand, dass vor einer Prozess-Fortsetzung ein psychiatrisches Gutachten über den Mann eingeholt werden sollte.

Lebensgefährte wurde kurz nach dem Einzug gewalttätig

Die geschiedene Frau aus Hiddenhausen hatte den Mann, wie sie gestern vor Gericht erzählte, im Sommer 2013 über das Internet kennen gelernt. Am Anfang sei die Beziehung sehr harmonisch gewesen und auch mit ihrem Sohn (damals 7) sei ihr neuer Partner bestens klar gekommen. Nach wenigen Wochen waren sie zusammen in eine Wohnung in Hiddenhausen gezogen. Doch schon kurz nach dem Einzug sei der Lebensgefährte gewalttätig geworden. Grund: Eifersucht. Die Frau schilderte vor Gericht, dass der 34-Jährige angefangen habe, ihre Nachrichten auf dem Handy oder bei Facebook zu kontrollieren. Ständig habe er ihr unterstellt, sie habe etwas mit anderen Männern.

Am Abend des 2. August 2013 eskalierte die Situation plötzlich. Laut Staatsanwaltschaft habe der Mann den Kopf seiner Partnerin mehrfach heftig gegen eine Zimmerwand gedrückt und ihr zudem mit seiner Faust mit voller Wucht auf den Kopf geschlagen – im Beisein des Kindes. Anschließend habe der Mann die Frau zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Aus Angst (»Ich dachte, jetzt muss ich sterben.«) habe sie gegen ihren Willen nachgegeben.

Anfang September wiederholte sich die Situation. Im Laufe der Auseinandersetzung habe der Mann zum Küchenmesser gegriffen und es der Frau an den Hals gehalten. Anschließend habe sie lange vor ihm knien müssen. Danach habe er sie stundenlang vergewaltigt.

Nach dieser Gewalttat trennte sich die Frau von ihm, offenbarte sich ihrer Chefin und erstattete Anzeige bei der Polizei.

Prozess wird Mittwoch fortgesetzt

Die Verhandlung wurde gestern abgebrochen: Der Angeklagte war psychisch nicht mehr in der Lage, dem Geschehen zu folgen. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Dann wird auch das Gutachten verlesen. Richter Dr. Bernd Bovenschulte wird am Mittwoch wohl auch das Urteil verkünden.

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