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Fr., 12.12.2014

Mutterkonzern Newell verlagert Marketing nach London Entlassungen bei Teutonia

2013 mussten bereits 56 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz beim Hiddenhauser Kinderwagenhersteller Teutonia räumen.

2013 mussten bereits 56 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz beim Hiddenhauser Kinderwagenhersteller Teutonia räumen. Foto: Kathrin Brinkmann

Von Ruth Matthes

Hiddenhausen (WB). Nachdem bereits im vorigen Jahr 56 Beschäftigte des Kinderwagenherstellers Teutonia ihren Arbeitsplatz verloren hatten, bangen jetzt auch die verbliebenen Kollegen um ihre berufliche Zukunft. Nach Informationen der IG Metall hat es weitere Entlassungen gegeben.

»Der amerikanische Mutterkonzern Newell Rubbermaid, zu dem auch so namhafte Unternehmen wie Parker und Rotring gehören, beendet zum 28. Februar 2015 seine Marketingaktivitäten im Industriegebiet Hiddenhausen und erledigt sie künftig von London aus«, teilt Peter Kleint, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Herford, mit.»Somit findet nur noch die Produktentwicklung am hiesigen Standort statt.«

Damit schwinde auch die Hoffnung der 22 noch im Werk Beschäftigten, langfristig ihren Arbeitsplatz behalten zu können. »Die drei Mitarbeiterinnen im Marketing haben bereits die Kündigung erhalten«, so Kleint. Das Fatale für ihre 19 Kollegen in der Entwicklung: »Laut Betriebsverfassungsgesetz können bei weniger als 20 Angestellten keine Sozialpläne mehr eingeklagt werden.« Während das Unternehmen für deren Kollegen 2013 noch 4,1 Millionen Euro für Sozialplanabfindungen locker gemacht hat, sehe es nun weit schlechter aus.

Kommissionierung und Logistik seit 2013 in Polen

Newell hatte 2013 die Fertigung, die Kommissionierung sowie die Logistik nach Wloclawek in Polen verlagert. »Natürlich ist der Betriebsrat im vorigen Jahr nicht blauäugig in die Sozialplanverhandlungen gegangen. Jedermann war klar, dass mit dem Abbau der Produktion auch die anderen Arbeitsplätze unsicherer werden«, so Kleint. Den damaligen Aussagen von Konzernvertretern sei aber in keiner Weise zu entnehmen gewesen, dass heute – knapp einen Monat, bevor der letzte Arbeitnehmer über die Transfer-Gesellschaft des letzten Sozialplans ausgeschieden ist – bereits die nächsten Kündigungen anstehen.«

Darüber wurde die Belegschaft gestern informiert. »Sie reagierte mit Frust und Unverständnis«, so Kleint. Insbesondere die Tatsache, dass die Teutonia-Geschäftsführung die Konditionen des 2013 abgeschlossenen Sozialplans für die jetzt geplanten Entlassungen nicht anwenden wollen, stieß auf Entrüstung. Mario Struss, Rechtsanwalt des Betriebsrates, ergänzt: »Das Angebot der Firma ist noch nicht einmal halb so hoch wie im Sozialplan 2013.« Die Firmenleitung war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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Wer einmal eine Übernahme mitgemacht hat und sie mit anderen Übernahmen vergleicht, der weiß, dass es immer gleich abläuft. Zunächst stellt sich ein Verantwortlicher der Übernahmefirma vor die Belegschaft und sagt etwas wie:"Niemand braucht sich Sorgen zu machen, es sind keine Entlassungen und/oder Schließungen geplant." Dann wartet man 6-12 Monate und fängt mit den ersten Verlagerungen an. Nach ca. 2 Jahren wird das Unternehmen dann geschlossen. Aus "Kostengründen". Zurück bleiben Hunderte Menschen mit ungewisser Zukunft. Unsere wirtschaftshörigen Politiker, die sofort nach der Wahl vergessen wer sie gewählt hat, fördern so ein Verhalten. Im günstigsten Fall mit Nichtstun.

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