Frei laufende Hunde gefährden Tiere im Naturschutzgebiet
Niemals ohne Leine

Hiddenhausen  (WB). Immer häufiger sieht Ruth Niebuhr bei ihren Walkingrunden im Naturschutzgebiet Füllenbruch Hundehalter, die ihre Tiere dort frei laufen lassen. »Dass sie damit Rehe, Rebhühner oder Bodenbrüter gefährden, bedenken sie nicht.«

Samstag, 09.05.2015, 10:57 Uhr aktualisiert: 09.05.2015, 11:21 Uhr
Frei laufende Hunde gefährden Tiere im Naturschutzgebiet : Niemals ohne Leine
CDU-Ratsfrau Ruth Niebuhr und Anwohnerin Corinna Söhnchen (rechts mit Mischling Hoya), treffen im Naturschutzgebiet Füllenbruch häufig auf Hunde, die nicht angeleint sind. Foto: Ruth Matthes

Schließlich stehe das Gebiet nicht ohne Grund unter Naturschutz, sagt Anwohnerin Corinna Söhnchen, die hier regelmäßig mit ihrer Hündin Hoya spazieren geht. Wer das Schild mit dem Adler erblickt, müsse wissen: »Hunde müssen an der Leine geführt werden. Menschen dürfen die Wege nicht verlassen.«

»Hunde reagieren instinktiv. Wenn sie in der Wiese etwas Interessantes wahrnehmen, sausen sie los«, sagt Söhnchen. Doch dabei können sie eben auch am Boden brütende Kiebitze, Fasane oder Stockenten erschrecken.« »Weist man die Hundebesitzer auf ihr Fehlverhalten hin, erhält man oft patzige Antworten«, hat Niebuhr festgestellt. »Manche sagen ›Weiß ich‹ und gehen weiter, andere leinen ihren Hund kurz an und lassen ihn, wenn sie mich außer Sichtweite wähnen, wieder an.«

»Das Schlimme an diesen Störungen ist, dass die Vögel daraufhin das Gelege verlassen, die Kleinen zu lange allein und schutzlos anderen Gefahren ausgesetzt sind«, sagt Klaus Nottmeyer, Leiter der Biologischen Station Ravensberg. Die Station betreut im Auftrag von Kreis und Land etwa die Hälfte der Naturschutzgebiete im Kreis Herford. Auch er hat den Eindruck, dass die Rücksichtslosigkeit unter den Hundehaltern in letzter Zeit zugenommen hat.

Im Füllenbruch sei der häufigste Vogel der Sumpfrohrsänger. Er brütet in Brennnesseln – und die seien vor stürmischen Hunden ebenfalls nicht sicher.

Auch Rehe hat Ruth Niebuhr im Füllenbruch schon beobachtet. »Wenn sie aufgescheucht werden, rennen sie panisch los«, weiß Nottmeyer aus Erfahrung. »Da die Naturschutzgebiete im Kreisgebiet nur knapp vier Prozent der Fläche ausmachen und oft in der Nähe von Straßen liegen, ist die Gefahr besonders groß, dass sie in ihrer Panik vor ein Auto laufen.«

Doch auch außerhalb von Naturschutzgebieten wirbt Nottmeyer um Vorsicht: »Wessen Hund nicht aufs Wort gehorcht, der sollte ihn auch sonst anleinen.« Er habe immer mehr den Eindruck, dass es an der Hundeerziehung mangele. Landwirte und Jäger beschwerten sich verstärkt über Hunde, die in ihre Felder koten und die Waldtiere aufscheuchen.

»Regelmäßige Kontrollen durch eine Art Naturschutzpolizei gibt leider nicht. Auch ich kann die Menschen nur höflich bitten, sich an die Vorschriften zu halten«, sagt Klaus Nottmeyer. Wird ein Halter allerdings dabei erwischt, dass sein Hund im Naturschutzgebiet Kaninchen jagt oder Ähnliches, könne das schon einige Hundert Euro Ordnungsstrafe kosten. Nottmeyer ist der Meinung: »Die beste Kontrolle ist die, die jeder über sich selbst ausübt.«

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