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Sa., 23.01.2016

Bürgermeister räumt Fehler ein – Anwohner sind besorgt Flüchtlingsunterkunft: Rat entschied schon im Dezember

Etwa 80  Schweichelner   waren zu der Versammlung  gekommen, in deren Verlauf Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer (rechts) über die Flüchtlingsunterkünfte informierte.

Etwa 80 Schweichelner waren zu der Versammlung gekommen, in deren Verlauf Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer (rechts) über die Flüchtlingsunterkünfte informierte. Foto: Curd Paetzke

Von Curd Paetzke

Hiddenhausen (HK).  Ulrich Rolfsmeyer hat Fehler in seiner Informationspolitik in Bezug auf die an der Friedrich-Ebert-Straße geplanten Flüchtlingsunterkünfte eingeräumt. Die Wogen im Treffpunkt Schweicheln schlugen hoch, als der Bürgermeister erklärte, dass der Rat bereits am 17. Dezember in nichtöffentlicher Sitzung einen entsprechenden Beschluss gefasst hatte.

Die Anwohner hatten indes erst fast einen Monat später davon erfahren (die meisten aus der Presse), dass die Verwaltung neben der alten Schule in Schweicheln den Bau von zwei Holzhäusern plant, in denen bis zu 40 Flüchtlinge  Platz finden können. »So etwas schafft kein Vertrauen«, kritisierte ein Anlieger bei der Bürgerversammlung am Donnerstagabend, zu der die Gemeinde eingeladen hatte. »Das ist in der Tat etwas unglücklich gelaufen«, sagte Ulrich Rolfsmeyer. Doch sei der Beschluss auf der letzten Ratssitzung des Jahres  gefallen – »da blieb  Ende 2015 einfach nicht mehr genug Zeit, um alle erforderlichen Schritte zu unternehmen«. Diese Fehler werde es künftig nicht mehr geben, versprach Rolfsmeyer. 

Der Bürgermeister stellte zwei Punkte an diesem Abend besonders heraus: Zum einen befindet sich die Kommune in einer Notlage, um allen Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf zu verschaffen; zum anderen stehe der jetzt ausgewählte Standort  der Unterkünfte nicht zur Diskussion. Die Gemeinde, schilderte Rolfsmeyer, wolle Flüchtlinge  keinesfalls in Turnhallen unterbringen und bevorzuge daher dezentrale Lösungen.

»Der Druck, der auf uns lastet, wird immer größer«, sagte Ordnungsamtsleiter Jörg Luttmann. Die Gemeinde habe  allein  im letzten Vierteljahr 200 Flüchtlinge  aufgenommen, 335 Menschen aus 17 Nationen sind es 2015 insgesamt gewesen.  Der Wohnraum wird nun knapp. Die Gemeinde hat bisher sechs Häuser gekauft und 34 Wohnungen angemietet, »doch nun stoßen wir  an unsere Grenzen«, erläuterte Luttmann. Das nächste Problem: Ende März steht eine Erntehelfer-Unterkunft in Oetinghausen, die   angemietet worden ist, nicht mehr zur Verfügung.

Anwohner, von denen viele nach den Vorfällen in Köln und andernorts Ängste haben,  fragten nach, wer genau künftig in Schweicheln wohnen wird. Das könne  die Verwaltung noch nicht sagen, räumte Jörg Luttmann offen ein. Ob es     alleinreisende Männer oder    Familien mit Kindern sein werden, werde erst kurzfristig entschieden. Denn: Hiddenhausen wird, wie andere Kommunen im Land, erst  wenige Tage vor Zuweisung der Flüchtlinge darüber  informiert, um welche Personen es sich handelt.
Unklar ist auch noch, was später mit den beiden  Holzhäusern geschieht. Die Gemeinde habe, sagte Rolfsmeyer, eine Baugenehmigung vom Kreis Herford  für drei Jahre erhalten. Die Häuser seien aber so konzipiert, dass sie wieder abgebaut   oder dem freien Wohnungsmarkt zur Verfügung gestellt (sprich: verkauft) werden können.

Deutlich wurde auf der Versammlung: Viele Anlieger gehen  nun von einem Wertverlust  ihrer  Immobilien aus,  sorgen sich um die Sicherheit oder befürchten einen Anstieg der Kriminalität. Gleichwohl sind viele auch  bereit, den Flüchtlingen zu helfen und auf sie zuzugehen. Letzteres wurde zum Schluss der Bürgerversammlung im Treffpunkt deutlich, als angeregt wurde, die  Flüchtlinge  bei  einem  Nachbarschaftsfest kennenzulernen. Ein pensionierter Lehrer sagte: »Ich gebe Flüchtlingen hier schon länger  Sprachunterricht – und ich habe während meiner gesamten Laufbahn noch nie so freundliche Schüler gehabt.«

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