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Di., 16.02.2016

B & S baut Wohnhäuser an Loitzer Straße – Gemeinde will dort Flüchtlinge unterbringen – mit Kommentar Unruhe in Eilshausen

Blick aus der Vogelperspektive auf die Loitzer Straße in Eilshausen. Auf dem freien Grundstück oben sowie zwischen den beiden Wohnhäusern sollen zweigeschossige Gebäude in Holzrahmenbauweise entstehen, in denen ab November Flüchtlinge wohnen könnten.

Blick aus der Vogelperspektive auf die Loitzer Straße in Eilshausen. Auf dem freien Grundstück oben sowie zwischen den beiden Wohnhäusern sollen zweigeschossige Gebäude in Holzrahmenbauweise entstehen, in denen ab November Flüchtlinge wohnen könnten. Foto: Google Earth

Von Curd Paetzke

Hiddenhausen (WB). Rund um die Loitzer Straße in Eilshausen rumort es: Anwohner haben durch Zufall erfahren, dass zwei freie Grundstücke bebaut werden sollen. Nach Fertigstellung der beiden zweigeschossigen Gebäude will die Gemeinde dort Flüchtlinge unterbringen.

Regina Wachowiak, Vertreterin des Bürgermeisters, hat den Sachverhalt gestern bestätigt. Demnach werden die beiden Einfamilienhäuser von der Bau- und Siedlungsgenossenschaft für den Kreis Herford (B & S) in Holzrahmenbauweise errichtet und von der Gemeinde angemietet. Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer gehört der B & S als Aufsichtsratsmitglied an.

Familien sollen einziehen

Eines stellt Regina Wachowiak klar: »Es ist aber auch möglich, dass die Gebäude schließlich dem freien Wohnungsmarkt dienen.« Dennoch müsse die Gemeinde nach Möglichkeiten Ausschau halten, Flüchtlingen eine Unterkunft zu bieten. In jedem Haus könnten rein theoretisch elf Flüchtlinge unterkommen, angestrebt werde aber, so Regina Wachowiak, dort Familien einziehen zu lassen. Die Fertigstellung der Häuser sei bis November geplant.

»Vielleicht sieht die Situation in einigen Monaten schon wieder ganz anders aus, aber wir können einfach nicht abschätzen, wie viele Flüchtlingen noch zu uns kommen«, sagt die Bürgermeister-Vertreterin. Wann mit dem Bau begonnen wird, steht nach Worten von B & S-Architekt Florian Ohmes noch nicht fest: »Derzeit läuft das Genehmigungsverfahren.« Ziel der B & S sei es, Häuser zu errichten, »die langfristig gut nutzbar sind«.

Beschluss schon im Dezember gefasst

Nach Informationen dieser Zeitung hat das Parlament bereits Mitte Dezember einen entsprechenden Beschluss gefasst. Und: Wie in Schweicheln sind Anwohner nicht darüber informiert worden, was direkt vor ihrer Haustür passiert. Inzwischen haben sich Eilshauser Anlieger mit einem Schreiben an die Öffentlichkeit gewandt. Sie prangern die Informationspolitik der Verwaltung und der B & S an: »Wir haben jede Menge Fragen an die Gemeinde und sind schwer enttäuscht, dass wir nur per Zufall erfahren, dass in unserer kinderreichen, geschlossenen Siedlung Unterkünfte für Flüchtlinge geplant sind.«

Die beiden infrage kommenden Bauplätze seien extrem schmal geschnitten. Ein Anwohner habe erfahren, dass zweigeschossige Häuser mit 150 Quadratmeter Wohnfläche entstehen sollen, »was unseres Erachtens für die beiden schmalen Grundstücke sehr hoch dimensioniert ist«. Auf Grund der Lage der Grundstücke werde ein dort stehendes Haus von den beiden Neubauten nun »regelrecht eingekesselt«.

Weiter heißt es in dem Schreiben: »Die Anwohner erwarten, unverzüglich in den gesamten Prozess eingebunden zu werden. Der von Politik und Verwaltung immer wieder geäußerte Vorteil einer dezentralen Unterbringung für die Integration der Flüchtlinge verpufft, wenn die Gemeinde Anwohner nicht frühzeitig und umfassend informiert, ihre Sorgen und Ängste ernst nimmt und die immer wieder propagierte ›Sozialverträglichkeit‹ nicht in ihre Unterbringungspläne einbezieht.«

Kommentar

Von Curd Paetzke

Noch auf der Versammlung   in Schweicheln hatte Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer gesagt, dass die Verwaltung ihre Informationspolitik ändern werde. Nur zwei Wochen später  kommt heraus, dass Anwohner wieder nur durch einen Zufall erfahren, dass in ihrem Wohngebiet Flüchtlingsunterkünfte geplant sind. So geht das nicht!   Bei der jüngsten Debatte im Rat über die Situation in Schweicheln hat niemand aus Reihen der Verwaltung oder Politik eine Veranlassung gesehen, den »Fall Eilshausen« auch nur zu erwähnen. Man fragt sich: Was ist da eigentlich los im Parlament? Natürlich: Die Gemeinde ist in einer schwierigen Lage: Man weiß   nicht mehr, wohin mit den Flüchtlingen. Aber die Gemeinde muss endlich mit offenen Karten spielen, sonst scheitert Integration, bevor sie begonnen hat.   Denn Vertrauen ist ein wichtiger Baustein  der Integration.  Das Verhalten der Verwaltung schürt indes Misstrauen.

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