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Do., 13.10.2016

Nach sieben Jahren will Aquiles Rösner im März mit seinem Schiff in See stechen Der Bootsbauer

Kurze Verschnaufpause: Aquiles Rösner sitzt auf seinem selbst gebauten Boot. Seit sieben Jahren werkelt der Oetinghauser an dem zwölf Meter langen Segelschiff. Ein alter Automotor soll die Kogge antreiben, wenn der Wind schlecht steht. Im März will der 69-Jährige in See stechen.

Kurze Verschnaufpause: Aquiles Rösner sitzt auf seinem selbst gebauten Boot. Seit sieben Jahren werkelt der Oetinghauser an dem zwölf Meter langen Segelschiff. Ein alter Automotor soll die Kogge antreiben, wenn der Wind schlecht steht. Im März will der 69-Jährige in See stechen. Foto: Sophie Hoffmeier

Von Sophie Hoffmeier

Hiddenhausen (WB). »Jede Ecke, jeden Winkel und jedes Stück Holz habe ich selbst gemacht. Das ist ein besonderes Gefühl«, sagt Aquiles Rösner. Der 69-Jährige, der aus Chile stammt, steht kurz vor Vollendung seines Segelschiffs – Marke Eigenbau. Sieben Jahre hat es gebraucht, im Frühjahr will er auf große Fahrt gehen.

Form erinnert an ein Weinglas

»Bis auf wenige Kleinigkeiten ist es schwimmfähig«, erklärt Aquiles Rösner mit Blick auf das imposante, hölzerne Boot das zwischen Unkraut und Gestrüpp in die Höhe ragt. Es läuft sowohl hinten als auch vorne spitz zu. Die Form erinnert an ein Weinglas. Um es zu betreten, muss eine lange Metallleiter bestiegen werden. Ein Großteil des Schiffes wird bei seinem ersten Einsatz unter der Wasseroberfläche verschwinden. Im März soll es soweit sein.

Schon als Kind viel gebastelt

Im Innern ist Platz für fünf Menschen. Sie können hier schlafen. Auch eine kleine Kombüse ist dort vorhanden. Foto: Sophie Hoffmeier

Bis hierhin war es ein langer Weg für den Hobby-Bootsbauer. Angst vor so einem großen Projekt habe er nie gehabt. »Ich fange einfach an«, sagt er schulterzuckend. Vielmehr seien es Kleinigkeiten, wie ein Schraubengewinde, das nicht so richtig will, die ihm Stress bereiten. Der Bau eines zwölf Meter langen Segelschiffes wiederum, geht der Oetinghauser an, als sei es das Selbstverständlichste der Welt. Was treibt ihn an? »Ich will reisen. Und das ohne viel Geld. Einfach mit dem Wind, damit komme ich am weitesten«, erklärt Aquiles Rösner.

Schon als Kind habe er viel gebastelt. Im Alter von fünf Jahren fanden die ersten »Bootsfahrten« im Waschzuber seiner Mutter auf dem nahegelegenen See statt. Von da an habe ihn das Gefühl vom Treibenlassen und Geschaukeltwerden nicht mehr losgelassen. Mit einem sechs Meter großen Exemplar tastete er sich an den Bootsbau heran. Hierfür brauchte er drei Jahre. Doch der 69-Jährige wollte mehr. So bestellte er sich die Baupläne eines Bootstypes, der den berühmten Doppelendern von Colin Archer nachempfunden ist und begann die ersten Holzstücke zuzusägen. Größtenteils besteht das Boot aus Sibirischer Lärche und Robinie.

Fünf Schlafplätze und eine Kombüse

Das Segelschiff bringt es auf ein Gewicht von zwölf Tonnen. Fast 50 Prozent davon setzt sich aus Ballast in Form von Blei zusammen. Bis auf eine Geschwindigkeit von sieben Knoten soll es das Schiff schaffen. Insgesamt fünf Schlafplätze stehen in Form von kleinen Kojen zur Verfügung. Platz für ein kleine Kombüse ist ebenfalls im Innern des Schiffes. Rösner hat unter anderem einen alten Automotor zum Bootsmotor umgerüstet. »Ich lese viel und informiere mich gut«, berichtet er.

Neben zwei großen Masten fehlen noch diverse Tanks. Außerdem wird ihn die Inneneinrichtung noch eine Weile beschäftigen. Die Bootselektronik will Rösner ebenfalls selber machen. »Entweder du lernst es oder du musst es bezahlen«, sagt der ehemalige Designstudent und fügt hinzu: »Ich muss es ja auch selber reparieren können, wenn unterwegs etwas kaputt geht.«

Rückkehr in die Heimat Chile

Sein Ziel ist es, von dem Boot leben zu können und mit ihm Gäste zu transportieren. Vorher möchte er allerdings die Handhabung des Bootes in der Ostsee proben. Über den Mittellandkanal soll es nach Greifswald gehen. Irgendwann möchte er dann zurück in seine Heimat. Ende der 60er war er mit einem Passagierschiff aus Chile hier hergekommen. Nun will er auch auf dem Wasser zurückkehren – aber diesmal mit seinem eigenen Boot.

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