Hof Düsediekerbäumer trennt sich von Milchvieh und setzt auf Café und Laden
Kaffeeklatsch statt Kühemelken

Hiddenhausen (WB). Wer heute als Landwirt überleben will, muss erfinderisch sein und sich breit aufstellen. Dies hat auch Hans-Otto Düsediekerbäumer aus Oetinghausen erkannt. Die letzten Milchkühe hat er im Frühjahr verkauft. Hofladen und Café, Pacht­einnahmen und Ackerbau bilden heute die Säulen des Familienbetriebs.

Donnerstag, 03.08.2017, 06:55 Uhr aktualisiert: 03.08.2017, 08:56 Uhr
Leckere Kuchen: Erdbeertorte und Bäumerkranz sind Spezialitäten des Gartencafés Düsediekerbäumer, das Michaela Gläsker, hier mit Bruder Jan, leitet. Foto: Ruth Matthes
Leckere Kuchen: Erdbeertorte und Bäumerkranz sind Spezialitäten des Gartencafés Düsediekerbäumer, das Michaela Gläsker, hier mit Bruder Jan, leitet. Foto: Ruth Matthes

Wer in diesen Sommertagen auf den Hof an der Milchstraße kommt, den empfängt eine bäuerliche Idylle: neben dem großen Fachwerkhaus ein mit viel Liebe von Judith Düsediekerbäumer gepflegter Rosengarten, dahinter ein Teich mit Springbrunnen, schnatternde Gänse und eine große Spielwiese. Die Zeiten, als hier das Geld noch mit Milchviehhaltung verdient wurde, gehören der Vergangenheit an.

Hof von 1843

Die Kühe sind verkauft.

Die Kühe sind verkauft. Foto: Matthes

Hans-Otto Düsediekerbäumer blickt zurück: »Ich bewirtschafte den Hof in vierter Generation. Um 1900 hat mein Urgroßvater den Hof mit der Familie Meyer zu Oetinghausen getauscht, die hier 1843 das Gebäude errichtet hat.« Als der heute 63-Jährige 1975 das Erbe seines Großvaters antrat, weil sein Vater kriegsversehrt war, setzte die Familie auf die übliche Mischung von Kühen, Schweinen und Hühnern.

Er selbst konzen­trierte sich von 1979 an auf die Milchviehhaltung. Er baute einen Stall für 60 Tiere, einen so genannten Boxenlaufstall, der den Tieren mehr Auslauf erlaubte. 2015 wurde die Milchquote aufgehoben, die Milchkuhhaltung rentierte sich nicht mehr. Eine Stallvergrößerung wäre eine Lösung gewesen, kam für Düsediekerbäumer aber nicht infrage, da die Aufwendungen erheblich gewesen wären und Sohn Jan als Bäcker die Landwirtschaft nur im Nebenberuf betreiben möchte. Er entschloss sich – als letzter in Hiddenhausen – für den Verkauf der Tiere. Der Kuhstall ist verpachtet, für die Jungviehaufzucht.

Neubau fürs Café

Die Familie suchte sich neue Möglichkeiten, ihr Einkommen zu erwirtschaften. Bereits 1998 ist der Hofladen als GbR in Betrieb gegangen. Früher gab es hier die Milch der eigenen Kühe, heute stammen noch Gänse und Enten vom Hof. Zum Angebot gehören Kartoffeln, Wein, Marmelade und Obst, Wurst und Fleisch – alles Waren befreundeter Landwirte.

Vor sechs Jahren kam das Hofcafé dazu. »Meine Tochter Michaela, die aus dem kaufmännischen Bereich kommt, hatte Lust, das Café aufzubauen und so begann sie mit Kaffee und Kuchen im Garten und auf der Terrasse.« Dieses Angebot kam so gut an, dass die Familie 2013 einen Neubau mit Gastraum und zwei Terrassen errichtete, der seither gut ausgelastet ist. »Wir bieten vormittags ein Frühstücksbüffet und nachmittags Kaffee und Kuchen«, sagt Michaela Gläsker. »Freitagabends haben wir der Jahreszeit entsprechende Themenabende von Spargel bis Grillen.«

Die Küche ist ebenfalls fest in Familienhand: Hans-Otto Düsediekerbäumers Schwester, Annegret Niemann, hat hier als gelernte Köchin das Sagen. Auch der Kuchen wird vor Ort gebacken: nach Großmutters Rezepten.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5051988?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514616%2F
Komiker Karl Dall im Alter von 79 Jahren gestorben
Karl Dall ist tot.
Nachrichten-Ticker