Hannelore Brand (69) genießt jede Unterrichtsstunde
»Klavierspielen ist Luxus«

Hiddenhausen (WB). Hannnelore Brand legt die Hände auf die Tasten und lächelt. In ihrer Klavierstunde bei Irina Rolf kann die 69-Jährige die Welt außerhalb des Lehrraums vergessen.

Freitag, 08.12.2017, 08:59 Uhr
Hannelore Brand hat sich mit dem Klavierspielen einen Herzenswunsch erfüllt. In der studierten Pianistin Irina Rolf hat die Ruheständlerin »genau die richtige Lehrerin gefunden«. Rolf unterrichtet in ihrer Schule zahlreiche Senioren. Foto: Daniela Dembert
Hannelore Brand hat sich mit dem Klavierspielen einen Herzenswunsch erfüllt. In der studierten Pianistin Irina Rolf hat die Ruheständlerin »genau die richtige Lehrerin gefunden«. Rolf unterrichtet in ihrer Schule zahlreiche Senioren. Foto: Daniela Dembert

Vor einigen Jahren habe sie sich ihren Herzenswunsch erfüllt, verrät die Bünderin: »Am ersten Tag meines Ruhestandes bin ich in die Musikschule gegangen und habe mich für Klavierunterricht angemeldet.« Warum sie das denn in ihrem Alter noch anfange, dass man als Senior viel langsamer lerne und man sowieso nie mehr das erreichen wird, was ein Frühstarter sich erarbeite, hat Brand daraufhin des Öfteren gehört.

Mutter als Vorbild

»Meine Mutter hat zu Lebzeiten sehr schön Klavier gespielt. Lange Zeit besaß sie aber kein Instrument und es war damals nicht denkbar, Unterricht für mich zu finanzieren«, blickt Brand zurück. So sei ihr das Klavierspielen verwehrt geblieben. Es folgte ein Studium, der Job nebenbei, dann Haushalt, Kind und Beruf, später die Pflege der Mutter; immer habe es andere Prioritäten gegeben.

Das Klavierspielen habe sie aber ihrem Sohn ermöglichen wollen. »Wenn ich ihn heute musizieren sehe und höre, denke ich, das Spielen hat man ihm sehr gut vermittelt, die Leidenschaft für die Musik aber nicht«, sagt Hannelore Brand.

Schnupperstunden

Dass die Begeisterungsfähigkeit der Schüler auch am Lehrer liegt, weiß die Pädagogin aus eigener Praxis nur zu gut. »Deshalb bin ich mit Irina Rolf so glücklich«, erklärt Brand. Erst seit März lässt sie sich von der studierten Musikerin unterrichten und freut sich auf jede einzelne Stunde.

Rolf hat einen Teil ihrer Musikausbildung in ihrer Heimat Moldavien genossen, in Moskau Klavier und an der Hochschule für Kirchenmusik in Herford Orgel und Chorleitung studiert. Mit ihrer Ausbildung könnte sie ebenso gut als Hochschuldozentin oder Konzertpianistin ihr Geld verdienen. »Das mit der Musikschule hat sich vor zwölf Jahren so ergeben«, sagt Irina Rolf leichthin und ergänzt: »Aber heute würde ich sie gegen nichts mehr tauschen wollen.« Die 40-Jährige empfindet das private Unterrichten als beglückend. Jede Schnupperstunde mit einem potenziellen Schüler sei spannend: »Je mehr ich dabei über einen Menschen erfahre, desto besser kann ich einschätzen, in welche Richtung es gehen kann.«

Kinder sind lebhafter

Anders als an vielen städtischen Musikschulen, in denen vor allem Kinder Unterricht nehmen, halten sich bei Irina Rolf die Zahlen von Erwachsenen und Kindern die Waage. »Wenn Menschen wieder mehr Zeit für sich haben und das Geld nicht mehr so knapp ist, leisten sie sich den Unterricht«, weiß die Diplom-Klavierlehrerin.

»Ich empfinde das Musizieren wirklich als Luxus, den ich mir gönne«, sagt Hannelore Brand. Dass Erwachsene schwerfälliger lernen als Kinder kann Irina Rolf aus ihrer Berufspraxis nicht bestätigen, wohl aber, dass das Bewusstsein während des Unterrichts ein anderes sei. »Erwachsene können sich mehr entspannen, weil sie den Unterricht als ein Privileg schätzen und sich manchmal einen lang gehegten Wunsch damit erfüllen«, beobachtet die Musikerin. Kinder seien einfach etwas lebhafter.

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