Arbeitsminister Laumann hat das Aus für die Produktionsschulen angekündigt
Im Sommer ist Schluss

Hiddenhausen (WB). Die Produktionsschule bei der Jugendhilfe in Schweicheln steht vor dem Aus. Nach einer Ankündigung von NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann wird die Finanzierung des NRW-weiten Programms zum Sommer eingestellt.

Mittwoch, 31.01.2018, 10:00 Uhr aktualisiert: 31.01.2018, 10:30 Uhr
Christian Klöpper in der Holzwerkstatt, wo ein Teil der Produktionsschule untergebracht ist. Wie es mit der Maßnahme weitergeht, weiß er noch nicht. Foto: Koteras-Pietsch
Christian Klöpper in der Holzwerkstatt, wo ein Teil der Produktionsschule untergebracht ist. Wie es mit der Maßnahme weitergeht, weiß er noch nicht. Foto: Koteras-Pietsch

Die Produktionsschule ist eine Maßnahme, die junge Erwachsene, die aus verschiedenen Gründen noch keinen Fuß in der Arbeitswelt fassen konnten, dabei unterstützt, eine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle zu finden (HK vom 12. Januar). »Das Programm hat sich in den vergangenen vier Jahren im Kreis Herford gut etabliert«, sagt Christian Klöpper, Leiter der Produktionsschule. Und nun das. Es gehe hier um die Schwächsten der Schwachen, die auf dem Arbeitsmarkt ohne Hilfe keine Chance hätten. »In der Produktionsschule gibt es für die jungen Leute auch eine pädagogische Begleitung. Denn häufig schafften sie es anfangs nicht einmal, ein Praktikum in einem Betrieb zu machen. Angst kann dafür eine Ursache sein«, erläutert der Projekt-Leiter. In der Produktionsschule lernen sie mehr als arbeiten. Klöpper: »Menschen in eine Arbeit zu vermitteln, ist ja nicht schwer. Der Bedarf ist da. Aber hier geht es um Nachhaltigkeit. Die jungen Menschen müssen lernen, dauerhaft an einem Arbeitsplatz zurecht zu kommen.«

Kommentar

Schule, Ausbildung, Beruf – nicht jedem jungen Menschen ist eine solch lückenlose Laufbahn gegeben. Die Gründe sind verschieden. Es können die schlechten Noten sein, es kann auch die Schwierigkeit sein, einen strukturierten Alltag zu leben. Was auch immer, ihnen muss geholfen werden. Hier ist die Produktionsschule genau das richtige. Diese ohne ersichtlichen Grund einzustellen, ist kaum nachvollziehbar. Es gibt den Fachkräftemangel und die Diskussionen in der Politik um bessere Bildung. Da kann es nicht sein, dass gerade die Schwächsten der Schwachen hinten ‘rüber fallen. Karin Koteras-Pietsch

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Minister Laumann plant als Folgeprogramm das Werkstattjahr wieder einzuführen. Letzteres soll Minderjährigen dabei helfen, im Übergang Schule/Beruf einen schnellen Perspektivanschluss zu finden. SPD-Landtagsabgeordnete und der Verband der Produktionsschulen NRW kritisieren die Entscheidung. Die Landesregierung habe die Produktionsschule nicht evaluieren lassen und ohne fundierte Entscheidungsgrundlage das Aus verkündet. Laumann hatte seine Entscheidung lediglich mit einer geringen Erfolgs-, beziehungsweise hohen Abbrecher-Quote begründet. »Dabei zählen zu den Abbrechern auch Teilnehmer, die in eine Arbeit gewechselt haben«, sagt Klöpper.

Das Werkstattjahr folgt für die Träger nicht automatisch auf die Produktionsschule. Auch um dieses Projekt muss ein Träger sich bewerben. »Das Werkstattjahr kann für uns kein Ersatz für die Produktionsschule sein«, meint Klöpper. »Es ist von vornherein für eine andere Zielgruppe gedacht. Das neue Programm soll eher den Minderjährigen helfen. Die Produktionsschule ist ein bewährtes Förderprogramm für junge Erwachsene bis 25 Jahre.« Klöpper nennt hierzu konkrete Zahlen: 92 Prozent der Teilnehmer in Schweicheln sind über 18 Jahre alt. Momentan gibt es kein Alternativangebot für diese Zielgruppe.

In der Produktionsschule in Schweicheln sind derzeit 25 junge Menschen beschäftigt. Vier von ihnen wechseln im Sommer in die Werkstätten der Jugendhilfe in eine Ausbildung, einige gehen in Folgemaßnahmen und einige besuchen wieder die Schule, um ihrem Traumberuf ein Stück näher zu kommen.

Zukunft ungewiss

Wie es mit der Produktionsschule weitergeht, weiß Klöpper nicht. Die Jugendhilfe werde sich wohl um das Werkstattjahr bewerben, obwohl sie bereits Förderprogramme für Minderjährige anbietet. Er will aber die Gruppe der über 18-Jährigen nicht aus den Augen verlieren und hofft auf ein Entgegenkommen des Ministeriums. Und er ist sich sicher, dass auch das Jobcenter, mit dem die Jugendhilfe bei der Produktionsschule zusammenarbeitet, die Zielgruppe im Blick hat.

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