Fr., 02.02.2018

Brauerei kündigt Fünf-Jahres-Programm an – Schicksal der »Herforder« ungewiss Warsteiner will sich gesundschrumpfen

Foto: dpa

Von Edgar Fels

Warstein/Hiddenhausen (WB). Für die Mitarbeiter war es ein Schock, als Warsteiner-Inhaberin Catharina Cramer (39) das Zukunftsprogramm der Brauerei-Gruppe vorstellte. Bis zu 240 der 1500 Arbeitsplätze sollen wegfallen. Die 2007 geschluckte Herforder Brauerei Felsenkeller steht zum Verkauf.

Cramer sprach von »schwierigen Herausforderungen«. Aber die harten Einschnitte seien nötig. »Ich möchte dieses grundsolide Unternehmen eines Tages an die zehnte Generation übergeben können«, sagte die geschäftsführende Gesellschafterin der Warsteiner Gruppe.

Zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit werde die Warsteiner Gruppe in den nächsten fünf Jahren 250 Millionen Euro investieren – unter anderem zur Erhaltung »des höchsten technischen und technologischen Standards der Produktionsanlagen sowie für Produkt- und Gebindeinnovationen«, heißt es.

Weitere Investitionen seien für den Ausbau der Brauakademie vorgesehen, um dort künftig schneller besondere Biersorten und Geschmacksrichtungen testen und somit auf Kundenwünsche zu reagieren.

Suche nach Partner für Herford

Basis des Zukunftsprogramms sei die Stärkung des Kerngeschäfts. »Der unternehmerische Fokus liegt künftig auf der Marke Warsteiner«, teilte das Familienunternehmen mit. Das Schicksal der vor gut zehn Jahren mehrheitlich übernommenen Herforder Brauerei mit ihren aktuell etwa 100 Mitarbeitern ist indes ungewiss.

Gesucht werde ein Kooperationspartner, heißt es. Aber auch ein Verkauf sei denkbar, um die wirtschaftliche Zukunft des Standorts Herford zu sichern.

Für die Warsteiner Distribution mit vier Getränke-Fachgroßhändlern und zehn Getränkemärkten soll ein strategischer Partner gesucht werden, der sämtliche Produkte der Warsteiner Gruppe im Portfolio führt. Erste Gespräche mit Interessenten seien vielversprechend verlaufen. In dieser Sparte sind 270 Mitarbeiter tätig. Am Stammsitz Warstein, wo 730 Beschäftigte arbeiten, könnten 100 Stellen wegfallen.

In 50 Ländern vermarkten

Damit will sich die Warsteiner Gruppe gesundschrumpfen. Zudem stellt sich das Unternehmen personell neu auf. Mit der Ernennung von Roland-Berger-Berater Christian Gieselmann (46) zum kaufmännischen Geschäftsführer ab April 2018 habe man einen Getränke-Experten gewonnen. Ihm zur Seite steht als Vertriebs- und Marketingchefin die 50-jährige Italienerin Alessandra Cama.

Mit dem Umbau wolle die Brauerei schneller und flexibler als bisher auf die veränderten Anforderungen der Kunden und Konsumenten reagieren können.

Im Ausland werde die Warsteiner Gruppe ihre Produkte künftig in über 50 Ländern vermarkten und sich dabei auf ein Wachstum in den Kernmärkten wie Italien, den Niederlanden und den USA sowie auf Zukunftsmärkte wie Großbritannien und Spanien fokussieren.

2,15 Millionen Hektoliter gebraut

Hinter Warstein liegen glanzvolle Zeiten: In den 1990er Jahren hatte Warstein Dortmund als Deutschlands Bierstadt Nummer eins abgelöst. Über sechs Millionen Hektoliter wurden gebraut und verkauft. Seither ging es bergab. Im vergangenen Jahr gingen erneut 100.000 Hektoliter verloren, so dass in Warstein nur noch 2,15 Millionen Hektoliter gebraut werden

Die Absatzbilanz des Jahres 2017 unterstreicht die Notwendigkeit des Zukunftsprogramms: Der Absatz blieb um 4,7 Prozent unter dem des Vorjahres und damit unter den Erwartungen. Das alkoholfreie Segment verzeichnet dagegen mit einem Plus von 12,5 Prozent erneut ein zweistelliges Wachstum. Regionalmarken wie Paderborner Gold, Isenbeck und Weissenburg entwickelten sich positiv.

Um das Zukunftsprogramm schnellstmöglich umzusetzen, sollen nun Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern aufgenommen. Ziel sei, für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösungen und Übergangsregelungen zu schaffen.

»Wir müssen wettbewerbsfähig sein, weiterhin Top-Brauqualität bieten und unser Ergebnis nachhaltig sichern«, betonte Catharina Cramer. Und: »Wir schaffen das, wenn wir schneller werden und näher am Konsumenten sind.«

Bierabsatz auf Rekordtief

Die deutschen Brauereien haben im vergangenen Jahr so wenig Bier abgesetzt wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Die Menge ging im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 Prozent auf 93,5 Millionen Hektoliter zurück.

Anders als in den Vorjahren konnte diesmal auch der Export deutschen Gerstensaftes die Bilanz nicht aufhellen. Vor allem die Ausfuhren in Länder außerhalb der EU gaben mit einem Minus von 4,1 Prozent besonders stark nach. Die deutschen Brauereien setzen immer noch mehr als 82 Prozent ihres Bieres im Inland ab.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5477595?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514616%2F