Kultur in der Provinz: Politik will Angebot überdenken
»500er-Hallen haben’s schwer«

Hiddenhausen (WB). Die angekündigte Veranstaltung Dirndl-Alarm fällt aus. Der Grund: zu wenige Karten verkauft. Kaum hat das Kulturprogramm 2018 in Hiddenhausen angefangen, da muss die erste Veranstaltung auch schon abgesagt werden. In 2017 waren es fünf – vier Mal Kleinkunstbühne, einmal OPG-Aula. Über die Ursachen können die Verantwortlichen nur spekulieren.

Mittwoch, 28.03.2018, 14:00 Uhr
Karin Zimny konnte mit ihrem Soloprogramm »Dirndl-Alarm – ein Kleid packt aus« in Hiddenhausen nicht landen. Die Veranstaltung wurde kurzfristig abgesagt, weil im Vorverkauf trotz Werbung nicht genügend Karten verkauft worden waren.

»Es gibt viele Menschen, die auf die Bühne wollen. Es gibt auch viele Menschen, die gerne ins Theater gehen. Warum wir die Säle meist nicht voll bekommen – ich weiß es nicht wirklich«, sagt Christian Grube vom Kulturamt der Gemeinde. Die Aula hat 500 Plätze, die Kleinkunstbühne 100. In der Kultur, so meint Grube, habe sich viel verändert. Die Menschen würden nicht mehr so gerne in »kleine Sachen« gehen. Und selbst wenn – in diesem Segment sei das Angebot enorm. Jede kleine Stadt biete kulturelle Veranstaltungen an. Und wer zum Theater Wege in Kauf nehme, der ziehe dann große Veranstaltungen vor. »Hinzu kommt, dass auch die jungen Leute kaum noch ins Theater gehen«, meint Grube. »Wir werden in Zukunft mit der Entwicklung zu kämpfen haben«, sagt er.

Große Namen würden locken

Die ersten vier Veranstaltungen in 2018 seien »ganz ok« gewesen, hätten aber besser besucht sein können. Was lockt, so Grube, seien bekannte Namen. Walter Sittler zum Beispiel. Da sei die Halle voll gewesen. Allerdings habe der Hiddenhauser Rat beschlossen, dass für Kulturveranstaltungen nicht mehr als 30 Euro Eintritt genommen werden dürfen. »Bei dem Budget ist es fast unmöglich, große Namen auf unsere Bühne zu holen«, sagt Grube. Ein nicht so bekannter Künstler bekomme zwischen 600 und 1200 Euro Gage.

Verluste auch bei kleineren Veranstaltungen

Hinzu kämen Technik und Unterbringung des Künstlers und Nebenkosten. »Selbst da machen wir meist Verluste«, weiß Grube. Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer kündigte an, dass sich die Politik in Hiddenhausen bis zu den Sommerferien dem Thema widmen wird. »Neben dem Überangebot an kleineren Veranstaltungen mit Theater und Comedy ist das Kulturprogramm in einer bestimmten Größenordnung immer ein Drahtseilakt. Die 500-Plätze-Hallen, so wie die Aula, haben es am schwersten. Es hat schon Künstler gegeben, die kamen anfangs in die OPG. Kaum haben sie Fernsehruhm erlangt, gehen sie nur noch auf große Bühnen«, meint Rolfsmeyer. Große Veranstaltungen seien eher nicht das Feld kommunaler Anbieter. Ein Kommune wie Hiddenhausen könne das Risiko nicht eingehen. Das könnten eher private Anbieter.

Nächste Veranstaltungen im April

»Kleinere Veranstaltungen wie Ausstellungen im Rathaus, Lesungen oder Kinderveranstaltungen sind finanziell überschaubar und laufen bei uns. Wir müssen nun überlegen, wie wir auf Dauer auf die geänderte Situation reagieren«, meint der Bürgermeister. »Wir werden überlegen müssen, ob wir nicht lieber das anbieten, was zu uns passt.«

Die nächsten Veranstaltungen sind am 11. April »Lotta zieht um«, ein Puppenspiel für Kinder, und am 13. April »Lauschsalon«, ein Hörstück mit Musik.

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