Kai Siekermann engagiert sich seit neun Jahren als Jugendschöffe
Bauchgefühl urteilt mit

Hiddenhausen (WB). Bei Kai Siekermann flattern regelmäßig Briefe vom Amtsgericht ins Haus. Doch nicht etwa, weil sich die Straftaten bei ihm häufen – der Hiddenhauser engagiert sich als Jugendschöffe.

Donnerstag, 12.04.2018, 17:16 Uhr
Kai Siekermann engagiert sich bereits seit neun Jahren als Jugendschöffe, deshalb bekommt der 54-Jährige regelmäßig Post vom Amtsgericht und wird zu Verhandlungen eingeladen. Jetzt bewirbt er sich zum dritten Mal um das Ehrenamt.Foto: Sophie Hoffmeier
Kai Siekermann engagiert sich bereits seit neun Jahren als Jugendschöffe, deshalb bekommt der 54-Jährige regelmäßig Post vom Amtsgericht und wird zu Verhandlungen eingeladen. Jetzt bewirbt er sich zum dritten Mal um das Ehrenamt. Foto: Sophie Hoffmeier

»Die erste Reaktion meiner Freunde auf meine Bewerbung war ›Du hast doch gar keine Ahnung von Jura‹«, erzählt Kai Siekermann. »Aber darum geht es ja.« Ehrenamtliche Schöffen (jeweils eine Schöffin und ein Schöffe) beraten gemeinsam mit dem Berufsrichter über das Strafmaß für die Jugendlichen – und das möglichst ohne juristische Vorkenntnis. »Es handelt sich um ein Urteil aus dem Bauch heraus. Wir sollen möglichst unbefangen sein und auf unseren gesunden Menschenverstand vertrauen«, sagt Siekermann. Dementsprechend sei im Vorfeld kein Lehrgang oder Ähnliches notwendig. »Das hat mich damals auch überrascht«, erinnert sich Siekermann.

Gerechtigkeit liegt Kai Siekermann am Herzen

Er selbst hatte in seiner Jugend keine Probleme mit dem Gesetz. Gerechtigkeit liegt ihm am Herzen – und das schon seit seiner Kindheit, erzählt Siekermann: »Ich wollte Polizist werden und nicht selbst mein bester Kunde sein.« Der Hiddenhauser konnte seinen Traumberuf aufgrund einer Sehschwäche jedoch nicht ergreifen. Stattdessen entschied er sich für eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Für Gerechtigkeit sorgt er nun als Schöffe.

Neun Jahre übt der 54-Jährige dieses Amt bereits aus. Erfahren hat er davon durch einen Aufruf in der Zeitung: »Ich habe drei Neffen und eine Nichte in dem Alter und fühlte mich angesprochen.« Mittlerweile bewirbt er sich bereits zum dritten Mal für das auf fünf Jahre angelegte Ehrenamt.

Die Schöffen stehen am Ende einer langen Ermittlungskette. »Wir bekommen den Fall etwa fünf Minuten vor Verhandlungsbeginn mitgeteilt«, erzählt Kai Siekermann. Acht bis neun Gerichtstermine absolviert er jährlich.

Ester Fall: ein Graffiti-Sprayer

Einmal je Amtsperiode steht ein Besuch der Justizvollzugsanstalt an. »Es ist hoch interessant, welche Ausbildung die Jugendlichen dort erfahren. So ein Besuch ist wichtig, um einschätzen zu können, welche Tragweite ein entsprechendes Urteil hat«, berichtet Kai Siekermann.

Im Januar 2009 hatte er seinen ersten Fall: einen jungen Graffiti-Sprayer. Seitdem ist er immer wieder mit mehr oder weniger schlimmen Strafdelikten konfrontiert – von Schwarzfahren über Diebstähle bis hin zu Raufereien mit Körperverletzung oder sogar Vergewaltigungsvorwürfen. Mit nach Hause nehme er diese Fälle aber nicht: »Bisher konnte ich das sehr gut trennen und es hat mich im Alltag nicht belastet.«

Informationen zur Bewerbung

Für die Wahlperiode 2019 bis 2023 werden für das gemeinsame Jugendschöffengericht Herford und die Jugendstrafkammer beim Landgericht Bielefeld Jugendschöffen gesucht. Das Ehrenamt kann von jedem Deutschen ausgeübt werden, der bei Beginn der Amtsperiode zwischen 25 und 69 Jahre alt ist und die deutsche Sprache beherrscht. Die Jugendschöffen sollen erzieherisch befähigt sein und in der Jugenderziehung Erfahrung haben. Insgesamt werden im Zuständigkeitsbereich des Jugendamtes des Kreises Herford 22 Jugendschöffen benötigt. Um eine Auswahl treffen zu können, müssen mindestens 44 Bewerber vorgeschlagen werden. Jugendschöffen entscheiden gemeinsam mit einem hauptamtlichen Richter über die Schuld oder Unschuld eines Angeklagten. Bewerbungen sind bis zum 15. April an das Amt für Jugend und Familie des Kreises Herford, Amtshausstraße 3, 32045 Herford, zu richten. Weitere Infos unter Telefon 05221/131430. Bewerbungsvordruck und Infoblatt gibt es im Internet: www.kreis-herford.de

 

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