Wander-Ausstellung des Fotografen Michael Hagedorn im Rathaus Enger eröffnet
Anderer Blick auf Demenz

Enger  (WB/dd). Demenz: Die Diagnose tut sich vor Betroffenen und ihren Angehörigen wie ein schwarzer Abgrund auf. Sie bedeutet den stückweisen Verlust von Selbstbestimmtheit und Lebensqualität. Einen ganz anderen Blick auf die Krankheit eröffnet die Ausstellung »Wo Sprache endet, da beginnt die Musik«, die am Mittwoch mit einem Vortrag des Fotografen Michael Hagedorn im Rathaus Enger eröffnet worden ist.

Freitag, 20.04.2018, 10:00 Uhr
Die Arbeit von Fotograf Michael Hagedorn (2. von links) liefert einen wichtigen Beitrag dazu, der Demenz ihren Schrecken zu nehmen, da sind sich Landrat Jürgen Müller (von links), Günter Niermann vom Generationentreff und Bürgermeister Thomas Meyer einig. Foto: Daniela Dembert
Die Arbeit von Fotograf Michael Hagedorn (2. von links) liefert einen wichtigen Beitrag dazu, der Demenz ihren Schrecken zu nehmen, da sind sich Landrat Jürgen Müller (von links), Günter Niermann vom Generationentreff und Bürgermeister Thomas Meyer einig. Foto: Daniela Dembert

In 20 Motiven hat der Initiator der bundesweiten Aktivierungskampagne »Konfetti im Kopf« Momente im Leben demenziell erkrankter Menschen eingefangen, die zeigen, welche Lebensfreude ihnen Musik und Tanz vermitteln. Die Widukindstadt gibt den Auftakt der Wanderausstellung, die sich auf Bemühen von Günter Niermann vom Generationentreff Enger (GTE) bis zum Jahresende durch alle Kommunen des Kreises bewegen wird.

Spaß und Lebensfreude

Demenz sei ein Thema von stetig wachsender Bedeutung und gehöre genau deshalb in die Mitte der Gesellschaft, sagte Bürgermeister Thomas Meyer in seinem Grußwort. »Dennoch müssen wir ihr nicht nur mit gedrückter Stimmung und gesenktem Haupt begegnen«, versicherte Landrat Jürgen Müller. Das zeige diese Ausstellung deutlich.

Eines habe er ziemlich schnell feststellen können, so Hagedorn: »Die Realität entspricht nicht dem grauen Bild, das einem von dieser Krankheit vermittelt wird.« Er habe viel Spaß, Lebensfreude, Neugier und Herzlichkeit kennengelernt, betonte der Fotograf, der seit 2005 Demenzkranke begleitet. Prominentestes Beispiel: Rudi Assauer. »Seine Tochter und ich sind uns einig, dass er jetzt eine tolle Zeit erlebt. Er kann die einfachen Dinge des Lebens unbefangen genießen und ist nicht mehr dem früheren Stress ausgesetzt«, berichtete Hagedorn.

Perspektivwechsel

Mit seinen Dokumentationen möchte der Fotograf einen Perspektivwechsel anregen, denn die Krankheit, so tragisch ihr Verlauf mitunter auch ist, biete Betroffenen auch Zugang zu einem neuen Leben, einer neuen Sinnhaftigkeit. Hagedorn dokumentiert auf eine wertschätzende, menschliche und lebendige Art, die helfen soll, der Demenz ihren Schrecken zu nehmen. »Musik ist vielleicht die wichtigste und tragfähigste Brücke zu den Betroffenen. Sie hilft ihnen, sich an die Gefühlswelt ihrer Jugend zu erinnern«, nimmt Michael Hagedorn Bezug zu den Fotografien, die bis Donnerstag, 3. Mai, im zweiten Obergeschoss des Rathauses zu sehen sind.

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