Durch die Sommertemperaturen waren die ersten Erdbeeren schon am 22. April reif
Erntehelfer im Dauerstress

Hiddenhausen (WB). »Das kann ich nur rasant nennen«, sagt Obstbauer Karsten Otte zur Entwicklung der Erdbeeren in diesem Jahr. Innerhalb von zwölf Tagen hat sich die Vegetation von Winter zu absolutem Sommer gewandelt und den Obstbauern vor große Herausforderungen gestellt.

Freitag, 18.05.2018, 11:00 Uhr
Mitten in der Erdbeerernte: Karsten Otte (rechts) mit seinen Erntehelfern Claudiu Truseó Mihoil, Ilena Rosculete und Nutiea Boyroktor (von links). Foto: Sophie Hoffmeier
Mitten in der Erdbeerernte: Karsten Otte (rechts) mit seinen Erntehelfern Claudiu Truseó Mihoil, Ilena Rosculete und Nutiea Boyroktor (von links). Foto: Sophie Hoffmeier

Auf den Erdbeerfeldern der Familie Otte herrscht aktuell reger Betrieb. Die Ernte begann dieses Jahr früher, als es sonst üblich ist. Ganz anders sah die Situation hingegen noch am 10. April aus. »Zu diesem Zeitpunkt standen wir zehn Tage hinter der eigentlichen Vegetation«, berichtet Otte: »Der Rückstand war so groß, dass wir davon ausgingen, wieder auf die Wildbienen angewiesen zu sein.« Diese fliegen im Vergleich zu den Honigbienen bereits bei fünf Grad los und haben im vorigen Jahr den größten Teil der Arbeit erledigt.

Zehn Tage früher

Am 22. April kam dann der große Umschwung, bei dem die gesamte Natur schlagartig aus ihrem Winterschlaf erwachte – und mit ihr auch die Erdbeerpflanzen. Rund zehn Tage vor dem durchschnittlichen Stichtag am 2. Mai erreichten die ersten Früchte ihre saftige rote Färbung. Seitdem sind die überwiegend aus Rumänien stammenden Erntehelfer im Dauereinsatz.

»Das hat uns bis an den Anschlag unserer Möglichkeiten gebracht«, erklärt Karsten Otte, der in diesem Zusammenhang auch gerne von »Agrarsportwochen« spricht. In der letzten Reifephase müsse es schnell gehen, denn die Vegetation hat einen großen Einfluss auf den finalen Geschmack der Frucht, betont Otte: »Deswegen schmeckt die Erdbeere nie wirklich gleich, auch wenn es sich um dieselbe Sorte handelt.« Gerade jetzt sei es unglaublich wichtig, abzuschätzen, wann und wo gepflückt werden sollte.

Flair war als erste reif

Selbst mit jahrelanger Erfahrung sei das nicht so einfach. »Wir versuchen, jeden zweiten Tag zum selben Feld zurückzukommen«, erklärt der Obstbauer. Auf insgesamt elf Feldern sind aktuell Erdbeeren angepflanzt. »Flair« war die erste Sorte, die reif war. Danach haben sich »Dream« und »Ines« angeschlossen.

Aufgrund der zunehmend unberechenbaren Wetterbedingungen zeichne sich unter seinen Kollegen ein Trend zu geschütztem Anbau ab. Otte selbst hat seit Februar Hochtunnel, in denen Himbeeren wachsen. Für die Erdbeeren wünscht er sich dies allerdings nicht: »Schön ist was anderes. Ich bin da eher ein Freilandmensch.« Ob es auch bei den Erdbeeren so weit kommt, werde die weitere Entwicklung zeigen.

Kühl lagern

Für die Lagerung nach dem Kauf rät Otte, die Früchte in den Kühlschrank zu packen. Allerdings ohne sie vorher zu waschen. Das sollte, wenn überhaupt, erst kurz vor dem Verzehr passieren, damit der intensive Geschmack erhalten bleibe. »Die Erdbeere saugt sich sonst mit Wasser voll«, warnt der Obstexperte.

Noch bis Anfang August geht die Erdbeersaison. Danach hofft Otte auf einige Wochen zum Durchatmen, bis Äpfel und Co. die volle Aufmerksamkeit des Obstbauers in Anspruch nehmen.

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