Neues Angebot der Gemeinde als Hilfe für die Wohnungssuche
Flüchtlinge machen den Mietführerschein

Hiddenhausen (WB). Verpackungsmüll gehört in die Wertstoff-, Papier in die Papiertonne, die Hausordnung muss eingehalten werden – für die Mehrzahl der Mieter in Deutschland eine Selbstverständlichkeit. Nicht so für Flüchtlinge. 20 von ihnen haben jetzt ihren Mietführerschein gemacht und sind nun fit für das Leben in einer Wohnung.

Dienstag, 29.05.2018, 14:00 Uhr aktualisiert: 29.05.2018, 16:06 Uhr
Gar nicht so einfach, was ein Mieter in Deutschland wissen und können muss. Diese Erfahrung machen die Teilnehmer des Mietführerschein-Kurses. Foto: Koteras-Pietsch
Gar nicht so einfach, was ein Mieter in Deutschland wissen und können muss. Diese Erfahrung machen die Teilnehmer des Mietführerschein-Kurses. Foto: Koteras-Pietsch

Ali Almusawi ist einer der Teilnehmer. Er kommt aus dem Irak und lebt seit zwei Jahren in Deutschland. »Bei uns zuhause ist eine solche Hitze, da brauchen wir keine Heizung«, erzählt der 37-Jährige. Und Zeitungsinserate gebe es auch nicht. Bürokratie findet Almusawi »doof. Bei uns im Irak nimmt man vieles nicht so genau.« Er und seine 19 Mitstreiter wollen aber nun aus den Flüchtlingsunterkünften raus und in eine eigene Wohnung ziehen. Das setzt zum einen laut Ordnungsamtsleiter Jörg Luttmann voraus, dass die Geflüchteten ein Bleiberecht oder eine Arbeit haben. Und sie müssen eben die Spielregeln für Mieter beherrschen.

Der Mietführerschein-Kurs der Gemeinde fand in Zusammenarbeit mit der Firma Euwatex an vier Abenden im Café Miteinander statt. Sozialarbeiterin Maike Zelle erläuterte den Teilnehmern alles, was ein korrekter Mieter wissen muss. Und das war offensichtlich mehr als gedacht.

Mülltrennung geübt

»Nebenkosten oder Mülltrennung sind für mich neu«, sagt Safera Hashemi (32) aus Afghanistan. Und auch für Barry Thialevo aus Guinea ist Mülltrennung noch ein Fremdwort. Umso besser, dass im Café Miteinander ein paar Mülltonnen stehen. Da wurde an einem der Abende geübt. Weiter erläuterte Maike Zelle, dass ein Mieter eine Haftpflichtversicherung braucht, was Brandschutz bedeutet, wie ein Mietvertrag gekündigt wird, was eine Kaution ist und vieles mehr. In einem Rollenspiel übten die Flüchtlinge, wie sie sich telefonisch auf eine Anzeige hin um eine Wohnung bemühen. Und sichtlich Spaß hatten die Teilnehmer an einer Art Memorie-Spiel, bei dem sie die Abkürzungen in einer Wohnungsanzeige wie ZBK/Zimmer, Küche, Bad oder WM/Warmmiete erkennen mussten.

Der Wohnungsmarkt ist angespannt

Am Ende des Kurses wurde das Wissen aller 20 Frauen und Männer in einem Multiple-Choice-Test abgefragt. Bestanden haben übrigens alle. Bewerben sie sich nun um eine Wohnung, kann der Vermieter sicher sein, dass sie alles beherrschen, was ein Mieter wissen sollte. Bis auf Safera Hashermi sind jetzt alle Teilnehmer auf der Suche. Die 32-jährige Afghanin hat mit ihrer Familie gerade eine Wohnung in Hiddenhausen bezogen und ist sehr glücklich darüber.

»Die Teilnehmer müssen ihre Wohnungen selbst suchen«, sagt Jörg Luttmann. Natürlich könnten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes helfen. »Allerdings laufen unsere Bemühungen natürlich derzeit ins Leere. Der Wohnungsmarkt ist einfach leer.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5774799?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514616%2F
Neuhaus fordert mehr Selbstvertrauen
DSC-Trainer Uwe Neuhaus
Nachrichten-Ticker